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KINO: Die Liebe landet auf der Intensivstation

Die Tragikomödie «The Big Sick» ist eine der gelungensten romantischen Komödien seit längerem. Bittersüss, klug und charmant geht es um mehr, als ein Herz zu erobern.
Zoë Kazan und Kumail Nanjiani in «The Big Sick». (Bild: Nicol Rivelli)

Zoë Kazan und Kumail Nanjiani in «The Big Sick». (Bild: Nicol Rivelli)

Romantische Filmkomödien folgen einem Grundmuster: Ein Mann und eine Frau verlieben sich, es kommt zu einer Krise in der jungen Beziehung, worauf sie die Hindernisse überwinden und die Liebe siegt. So weit, so vertraut. Doch gelegentlich taucht ein erzählerisches Kunststück auf, dem eine überraschende Variation des Musters gelingt. «The Big Sick» ist ein Beispiel dafür.

Der junge Kumail versucht sich als Stand-up-Comedian in Chicago und arbeitet nebenher als Taxifahrer. Er stammt aus einer Familie von pakistanischen Immigranten, und die traditionsbewussten Eltern haben Mühe mit Kumails Lebensstil. Insbesondere die Mutter bemüht sich, für den Sohn eine Ehe mit einer pakistanischen Frau zu arrangieren. Darum sagt Kumail nichts, als er Emily kennen lernt und eine Beziehung mit der amerikanischen Studentin beginnt. Als Emily aber erfährt, warum sie die Familie ihres Freundes nicht kennen lernt, trennt sie sich von ihm. Doch noch schwerer für die Beziehung wiegt eine mysteriöse ­Erkrankung von Emily.

Bis zu dieser dramatischen Zuspitzung tuckert die Culture-Clash-Komödie munter angetrieben von pointierten Dialogen und witzigen Nebenfiguren auf überschaubarem Gewässer. Doch nun steuert «The Big Sick» in die Untiefen von Zweifeln, Schuldgefühlen und Krankheit, womit sich auch der komödiantische Tonfall um dunklere Akzente erweitert. Unter anderem, indem sich zu den pakistanischen Eltern, die eher parodistisch gezeichnet sind, die Eltern von Emily gesellen. Doch die sind weitaus differenzierter und widersprüchlicher charakterisiert. Das von Holly Hunter und Ray Romano verkörperte Paar hält zunächst jedoch wenig vom Ex ihrer Tochter, der vielleicht nicht unschuldig an ihrem Zustand ist.

Das Drehbuch schrieb das Leben

In seinem Stand-up-Programm macht sich Kumail zwar lustig über die Bräuche und Sitten des Lebens in Pakistan, doch so richtig zünden können seine Gags beim Publikum nicht, weil er sich selbst zu sehr distanziert. Diesen Fehler machen die Drehbuchautoren Kumail Nanjiani und Emily Gordon nicht, denen ihre eigene Liebesgeschichte als Vorlage diente. Dabei gelingt es ihnen freilich, dieses Private mit gesellschaftlichen Befindlichkeiten zu verknüpfen und geschickt witzige und ernste Momente auszu­balancieren. Eine Qualität des Drehbuchs ist es zudem, die Charaktere genug ambivalent zu zeichnen, damit sie interessant bleiben. Und nicht nur Zoë Kazan als Emily sowie der Comedian Kumail Nanjiani, der sich selbst spielt, nutzen dieses Potenzial schauspielerisch aus. Das ergibt einen warmherzigen, charmanten Film, der diesen Sommer auf der Piazza Grande von Locarno begeisterte und mit dem Publikumspreis ausgezeichnet wurde.

Andreas Stock

«The Big Sick» läuft in den Kinos Bourbaki und Capitol (Luzern), Gotthard (Zug).

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