KINO: Die WHO macht mächtig Dampf gegen das Rauchen

Rauchende Colts sind okay. Rauchende Cowboys nicht. Schon gar nicht, wenn sie von Stars gespielt werden. Die WHO will jetzt Filmer in die Pflicht nehmen.

Thomas Burmeister, dpa
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James Dean und Uma Thurman rauchen in ihren Filmen. Damit würden sie Jugendliche anstiften, es ihnen gleichzutun, findet die WHO. (Bild: PD/Getty)

James Dean und Uma Thurman rauchen in ihren Filmen. Damit würden sie Jugendliche anstiften, es ihnen gleichzutun, findet die WHO. (Bild: PD/Getty)

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) – derzeit eigentlich vor allem mit dem Kampf gegen das Zika-Virus beschäftigt – warnt vor dem Nachahmer-Effekt bei Jugendlichen und fordert strenge Auflagen.

Hollywood-Legende Donald Sutherland ist ein Star nach dem Geschmack der WHO. Der 80-Jährige, der gerade wieder als Bösewicht Snow in «The Hunger Games» glänzte, gilt als kämpferischer Nichtraucher. Im 100-Meter-Umkreis von Sutherland dürfe niemand rauchen, berichteten Kollegen von Dreharbeiten mit dem Altstar. Das sollte grundsätzlich auch auf der Leinwand und am TV-Bildschirm so sein, fordert jetzt die Weltgesundheitsorganisation.

«Millionen zum Rauchen verleitet»

In einer Studie warnt sie nun – einmal mehr – vor dem Einfluss von Filmen mit rauchenden Stars auf Kinder und Jugendliche. Zugleich fordert sie Regierungen auf, dafür zu sorgen, dass die Altersfreigabe für Filme mit Raucher-Szenen nach oben gesetzt wird. Zudem sollen staatliche Subventionen für solche Produktionen gestrichen werden.

«Filme, in denen Tabakprodukte konsumiert werden, haben Millionen von jungen Menschen dazu verleitet, mit dem Rauchen anzufangen», betont die WHO zur Vorlage ihres «Smoke-Free Movies Report». Für die Tabakindustrie seien Filme angesichts strenger Werbeverbote für Zigaretten «einer der letzten verbliebenen Kanäle, um Millionen von Heranwachsenden Szenen des Rauchens auszusetzen», sagt der zuständige WHO-Direktor Douglas Bettcher.

Geheime Geschäfte

Dass Rauchen zu Lungenkrebs sowie Herz- und zahlreichen weiteren Krankheiten führen kann, gilt mittlerweile längst als erwiesen. Umso schlimmer, so die WHO-Studie, dass neuen Untersuchungen in den USA zufolge das Vorbild paffender Schauspieler für 37 Prozent der neuen jungen Raucher der Auslöser gewesen sei, selbst zur Zigarette zu greifen.

Nach Schätzungen der US-Gesundheitsbehörde CDC könnten 2014 sechs Millionen amerikanische Jugendliche durch solche Filme zum Rauchen verleitet worden sein. Etwa zwei Millionen von ihnen könnten an tabakbedingten Krankheiten sterben, meint die WHO. Betroffen ist längst nicht nur Hollywood. Filme etwa aus Deutschland, Italien oder Polen bieten laut WHO sogar mehr Raucherszenen als US-Produktionen.

Die WHO will auch vermutete stille Geschäfte zwischen Tabakkonzernen und so manchem Studio unterbinden. Filmproduzenten sollen einen Ehrenschwur leisten: Im Abspann sollen sie erklären, «nichts von Wert für das Zeigen von Tabakprodukten» in dem jeweiligen Film erhalten zu haben. Zudem sollen Kinos, TV-Sender und Online-Anbieter verpflichtet werden, «Anti-Rauchen-Werbung vor jedem Film mit Tabakszenen» zu zeigen.

Künstlerische Freiheit

Ihren «Smoke-Free Movies Report» legte die WHO nach 2009 nun in der dritten aktualisierten Form vor. Während sich die Tabakindustrie bei dem Thema gern völlig bedeckt hält, gibt es unter Regisseuren und Schauspielern unterschiedliche Ansichten – bis hin zur Ablehnung.

Der italienische Regisseur Paolo Sorrentino etwa, der mit seinem Spielfilm «La Grande Bellezza» 2013 der Stadt Rom samt ihren Zigarettenrauchern ein Denkmal setzte, hält gar nichts davon: Im Kino habe nicht das Gesundheitsministerium, sondern die künstlerische Freiheit zu regieren, erklärte er. Andere Filmemacher sagen, die Zigarette werde aus ihren Werken erst verschwinden, wenn im realen Leben kaum noch jemand raucht.