KINO: Ein ästhetisches Fest

Daphne du Mauriers obsessive Liebesgeschichte «My Cousin Rachel» von 1952 hat «Notting Hill»-Regisseur Roger Michell fürs Kino neu entdeckt. Mit einer bildschönen Rachel Weisz in der Titelrolle.

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Dank ihrer romantischen, mysteriösen und abenteuerlichen, ­dabei stets sehr englischen Erzählungen war sie zu ihrer Zeit weltweit eine heissgeliebte Schriftstellerin. Und eine der am meisten verfilmten: Nach Büchern von Daphne du Maurier (1907–1989) schuf ihr Landsmann Alfred Hitchcock etwa seine Wahnsinnserfolge «Rebecca» (1940) und «Die Vögel» (1973). Und auch Nicolas Roegs «Wenn die Gondeln Trauer tragen» von 1973 mit Donald Sutherland und Julie Christie geriet zum Kultfilm.

Unvergessen bei älteren Filmfans ist ausserdem Henry Kosters Romanadaption «My Cousin Rachel» aus dem Jahr 1952 mit den damaligen Superstars Olivia de Havilland und Richard Burton. In den Achtzigern machte die BBC aus dem Stoff eine Mini-Fernsehserie.

Ein unbeschriebenes Blatt im Wind

Bis heute scheint die Faszination der abgründigen Lovestory der du Maurier – im wahren Leben Lady Browning mit drei Kindern und verschwiegenen bisexuellen Neigungen – nicht erloschen: Nach dem Skript und unter der Regie des «Notting Hill»-Machers Roger Michell kommt «My Cousin Rachel» mit der verführerisch schönen Rachel Weisz in der Titelrolle erneut in die Kinos.

Der Film ist ein ästhetisches Fest für die Freunde britischer historischer Literaturverfilmungen. Mit viel Geschmack und Feinsinn setzt Michell das Ambiente des Landlebens im frühen 19. Jahrhundert um. Mit prachtvollen Landhäusern und malerischer Landschaft, aber auch der harten Arbeit der Bevölkerung und einer Kargheit, die selbst auf noblen Herrensitzen herrschte.

Die Geschichte lebt von den schwankenden Zweifeln, die der blutjunge Gutsbesitzer Philip (Sam Claflin, «The Hunger Games») an der von ihm angebeteten reiferen Verwandten Rachel hegt. Hat die Halbitalienerin etwa in Florenz seinen reichen Vormund Ambrose ermordet?

Ist sie Berechnung pur? Will sie sich nun auch an seinem Besitz vergreifen? Von solchen Fragen wird der unerfahrene Philip, der bei Claflin denn auch wie ein unbeschriebenes Blatt wirkt, gequält. Er nimmt sich vor, die Frau zu hassen, als sie sich zum Besuch bei ihm in Cornwall ansagt.

Stattdessen verfällt er der selbstbewussten und freizügigen Rachel immer wieder – und schenkt ihr Werte, die ihm noch nicht einmal gehören. Sehr zum Kummer der hübschen Nach­barstochter Louise (Holliday Granger, «Cinderella»), die ihn liebt. Bis Philip eines Tages plötzlich und unerklärlich erkrankt.

Ganz anders als sein Vorgänger Koster prunkt der Regisseur bei alledem nicht mit Melodramatik. Michell erzählt seine Du-Maurier-Version eher nüchtern, fast modern. Statt emotionaler Paukenschläge erlebt der Kinobesucher eine Abfolge von Alltagsszenen und Begegnungen, die erotische Spannung sowie das aufgewühlte Innenleben Philips meist nur andeuten.

So dürfte es vor allem am Betrachter und dessen Fantasie liegen, ob er sich von dem Geschehen packen lässt oder nicht.

Ulrike Cordes (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch

Hinweis

Läuft in den Kinos Cinema Leuzinger (Altdorf), Maxx (Emmenbrücke), Cinema 8 (Schöftland), Cinepol (Sins) und Gotthard (Zug).