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KINO: Ein bewegendes Porträt von Robert Frank

Robert Frank (91) ist einer der wichtigsten Schweizer Fotografen und Filmemacher. Normalerweise hasst er Interviews. Ausser im faszinierenden Porträtfilm «Don’t blink – Robert Frank».
Robert Frank (91) in seinem Atelier. Seine Cutterin Laura Israel hat jetzt ein feines filmisches Porträt über ihn gemacht. (Bild: PD)

Robert Frank (91) in seinem Atelier. Seine Cutterin Laura Israel hat jetzt ein feines filmisches Porträt über ihn gemacht. (Bild: PD)

Er sei kein Mann von Worten, sagt Robert Frank – «es ist alles in den Bildern – hoffe ich». Und in einem Fernsehinterview von 1984, aus dem man Ausschnitte mit einem etwas grantigen Frank zu sehen bekommt, sagt er: «Ich hasse Interviews.»

Wer also heutzutage einen Porträtfilm über den 91-jährigen Fotografen im Sinn hat, wird bei ihm normalerweise wohl auf Granit beissen. Doch Laura Israel hatte einen grossen Vorteil: Seit den frühen 90er-Jahren hat sie als Cutterin oft mit ihm zusammengearbeitet. Die freundschaftliche Verbundenheit ist zu spüren im Film, der liebevoll auf das bewegte Leben und eindrucksvolle Werk von Frank blickt.

Adäquate Form

Laura Israel folgt mit «Don’t blink» nicht gängigen Porträtfilmen. Auch der Unterschied zum Film «Das Salz der Erde» von Wim Wenders über den Fotografen Sebastiao Salgado könnte kaum grösser sein. Doch ebenso wie Wenders bei Salgado findet auch Israel für die herausragende Fotografie von Frank eine adäquate filmische Form. Der in Zürich aufgewachsene Robert Frank war früh in die USA ausgewandert und gilt als Erfinder der subjektiven Dokumentarfotografie. Sein humanistischer Blick lebt von Spontanität, Empathie und Aufmerksamkeit für Menschen und ihre Situation.

Laura Israel spricht mit Frank über seine wichtigsten Stationen im Leben, seine Freunde, Familie und die teils schwierigen Bedingungen, in denen seine Arbeiten entstanden sind – aber sie folgen nur grob der Chronologie. Immer wieder mal schweifen sie ab, lässt der Film Weggefährten und Freunde in alten und neuen Interviews zu Wort kommen. Insbesondere seine Frau und Künstlerin June Leaf, aber auch Kameramann Ed Lachman oder den Dunkelkammer-Meister Sid Kaplan.

Die zahlreichen Archivaufnahmen, kurzen Ausschnitte aus den Filmen und Einblendungen von Fotografien Franks geben dem rund 80 Minuten kurzen Porträt etwas Unstetes, Rohes. Doch genau das ist die Absicht, um dem künstlerischen Stil und Charakter von Robert Frank gerecht zu werden. Daraus entwickeln sich wunderbar spontane Situationen. Beispielsweise, wenn Laura Israel sich mit Frank auf eine Autofahrt durch New York aufmacht, oder wenn er im Archiv wühlt und beliebig Fotos und Dokumente hervorzieht.

Kaum Zeit für Fotos

Man kann bedauern, dass «Don’t blink» einem keine Zeit lässt, die Fotografien anzusehen, die oft nur kurz aufscheinen. Dafür gelingt es Laura Israel umso mehr, dem Menschen Robert Frank ungewohnt nahe zu kommen, seine Arbeitsweise und künstlerische Haltung deutlich zu machen.

Derzeit läuft auch noch eine Ausstellung in der Ziegelhütte Appenzell, die Franks Schaffen als Fotograf und Filmer gewidmet ist. Eine schöne Ergänzung zu diesem intimen Porträtfilm.

Andreas Stock

Hinweis

«Don’t blink – Robert Frank» läuft ab Donnerstag im Stattkino (Luzern).

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