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KINO: Ein Ehepaar geht auf seinen letzten Roadtrip

Der italienische Regisseur Paolo Virzì dreht mit Helen Mirren und Donald Sutherland ein amerikanisches ­Roadmovie. Wie immer umschifft er gekonnt Seichtheit und Sentimentalität. Auch mit Humor.
Ella und John lieben sich seit 50 Jahren. (Bild: Filmcoopi)

Ella und John lieben sich seit 50 Jahren. (Bild: Filmcoopi)

Ihr Wohnmobil ist eine Klapperkiste – die Familiengeschichte auf vier Rädern sozusagen. Ella und John sind alt und krank, die beiden Kinder längst erwachsen. Sohn Will kümmert sich um die krebskranke Mutter und den dementen Vater. Bis eines Morgens keine Spur mehr von den beiden zu finden ist. Auch das Wohnmobil ist verschwunden. Will macht sich Sorgen. Doch wann wird Fürsorge zu Bevormundung? Verliert man jemals das Recht auf Selbstbestimmung?

Für Ella (Helen Mirren) und John (Donald Sutherland) beginnt ein Roadtrip, der bei Ernest Hemingways Haus nahe Key West in Florida enden soll. Damit möchte Ella ihrem Mann, einem früheren Literaturdozenten, einen Traum erfüllen. Und auf einer letzten Reise eintauchen in Erinnerungen einer 50-jährigen Ehe. Abends stellt Ella auf irgendeinem Campingplatz eine Leinwand auf und zeigt Dias aus ihrer gemeinsamen Geschichte, um Johns Gedächtnis bei einem Glas Whisky auf die Sprünge zu helfen. Es ist eine Suche nach Freiheit und Identität, wie sie in dem in den 60er-Jahren entstandenen amerikanischen Roadmovie begründet liegt.

Dass sich nun mit Paolo Virzì ein Italiener der Romanvorlage von Michael Zadoorian («The Leisure Seeker») annimmt, verspricht eine neue Sicht auf das uramerikanische Genre. «Ella & John» ist der erste englischsprachige Film von Virzì. Mit «La pazza gioia» um zwei Ausreisserinnen, die ob der Welt «verrückt» geworden sind, hatte der Regisseur eine wunderbare italienische Version des Roadmovies geschaffen. In «Ella & John» gibt es die Tankstelle, den Polizisten und den Überfall. Und da ist Janis Joplin und andere Musik aus der Zeit, als die beiden ein Paar wurden. Und man begibt sich mit Virzì und seiner Crew auf Sightseeingtour und sieht das Amerika kurz vor den Präsidentenwahlen mit Touristenaugen. Oder naiv wie John.

Die meiste Zeit ­ amüsieren sie sich prächtig

Virzì erklärte sich bereit, die Verfilmung des Romans zu übernehmen, falls Donald Sutherland und Helen Mirren mitmachen würden – und hoffte, dem Projekt ­damit jegliche Chancen auf Realisierung genommen zu haben. Es kam anders. Der 82-jährige Kanadier und die um zehn Jahre jüngere Engländerin sind eine Klasse für sich. «Er macht Filme über Leute, mit denen wir uns identifizieren können, weil er sie mit grösster Menschenliebe ­ansieht», sagt Helen Mirren.

So schlägt die Liebe manchmal in Zorn um. «Was geht nur in deinem leeren Kopf vor?», fragt Ella frustriert. Sutherlands ­Gesichtsausdruck verändert sich sekundenschnell. Im einen Moment ist John klar und eloquent, im nächsten ängstlich und erschrocken, und er weiss nicht, was mit ihm geschieht. Auch brechen alte familiäre Konflikte wieder auf. Meist aber amüsieren sie sich prächtig, die demonstrativ gut gelaunte Quasselstrippe und der distinguierte Intellektuelle.

«Diese beiden waren vielleicht der beste Grund, nach Amerika zu fahren, um dort einen Film zu drehen.» Und sie sind vielleicht auch der beste Grund, ins Kino zu gehen und zu sehen, was Virzì mit ihnen angestellt hat. Und doch wünscht man sich, er würde seinen nächsten Film ­wieder in Italien drehen. Wie Luca Guadagnino, dessen Oscar-nominierter «Call Me By Your Name» trotz internationalem Cast doch so italienisch ist. Das italienische Kino braucht gute Regisseure, die in ihrer Heimat arbeiten. Guadagnino und Virzì gehören zu den besten.

Regina Grüter

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