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KINO: Ein Film aus 65 000 Ölbildern

Visuell berauschend: Das Regie-Duo Dorota Kobiela und Hugh Welchman erschaffen den ersten in Öl ­gemalten Animationsfilm. «Loving Vincent» ist ein Krimi um den mysteriösen Tod des Malers Vincent van Gogh.
Walter Gasperi
Der komplett von Hand gemalte Langfilm erweckt die Kunstwerke Vincent van Goghs zum Leben – einer der interessantesten Animationsfilme der letzten Jahre. (Bilder: Praesens Films)

Der komplett von Hand gemalte Langfilm erweckt die Kunstwerke Vincent van Goghs zum Leben – einer der interessantesten Animationsfilme der letzten Jahre. (Bilder: Praesens Films)

Walter Gasperi

Beliebt sind Filme über Künstler derzeit, völlig neue Wege schlagen die Polin Dorota Kobiela und ihr britischer Ehemann Hugh Welchman aber mit ihrem Animationsfilm ein. Über sechs ­Jahre arbeiteten sie an dem mit dem Europäischen Filmpreis ­ausgezeichneten Werk «Loving Vincent».

Zunächst filmten sie echte Schauspieler, die in Sets agierten, welche nach Gemälden Vincent van Goghs nachgebaut wurden, oder vor einem Green Screen. Anschliessend malten 125 speziell ausgebildete Künstler nach diesen Aufnahmen aber 65 000 Einzelbilder in Öl. Sie kopierten nicht nur die Maltechnik von ­Vincent van Goghs, sondern auch 100 seiner Gemälde.

Etwas wenig Spannung und Emotionalität

Ganz auf der Basis von realen Gemälden wird so die fiktive Haupthandlung erzählt, die ein Jahr nach dem Tod des am 29. Juli 1890 verstorbenen Künstlers spielt: Als ein nie abgeschickter Brief van Goghs auftaucht, soll der junge Armand Raulin diesen Vincents Bruder Theo überbringen. Als Raulin erfährt, dass Theo auch schon verstorben ist, möchte er den Brief dem Arzt Gachet übergeben, der mit dem Maler befreundet war. Er reist von Paris zu van Goghs letztem Aufenthaltsort Auvers-sur-Oise. Weil Gachet vorübergehend abwesend ist, quartiert sich Raulin im Dorf­gasthaus ein, in dem auch van Gogh wohnte. In Gesprächen mit der Tochter der Wirtin, dem ­Polizisten des Ortes, einem Boots­verleiher, der Haushälterin Gachets und dessen Tochter wird dabei nicht nur die widersprüchliche Wahrnehmung van Goghs durch seine Umwelt sichtbar. In Raulin wächst auch der Verdacht, dass der Künstler nicht Selbstmord beging, sondern ermordet wurde.

Reine Spekulation ist diese Krimihandlung, die nur wenig Spannung und Emotionalität entwickelt. Es bleibt stets spürbar, dass Figuren und Story nur Trägerfunktion haben, um den Zuschauer in die künstlerische Welt van Goghs zu entführen. Letzteres gelingt Kobiela und Welch­man aber auf grandiose Weise.

Berauschende Bilder, ­flirrende Farben

Mit der für van Gogh typischen Leuchtkraft seiner Farben, mit seinem breiten Pinselstrich, dem berauschenden Gelb der Weizenfelder und dem Blau des Nachthimmels, mit klassischen Motiven und den weltberühmten Porträts wird die einzigartige Bilderwelt zum Leben erweckt. Fast greifbar wird auch die Rauheit der ­Öl­farben. Eine Faszination ent­wickeln diese Bilder auch dadurch, dass sie fast nie ruhen, sondern sich der Strich immer wieder ändert und die Farben der Kleider und Felder flirren.

In scharfem Kontrast zu den Ölbildern stehen die in Schwarz-Weiss gehaltenen Rückblenden. Gekonnt lassen Kobiela und Welch­man mit diesen beiden Ebenen auch Malerei und filmisch-fotografische Welt aufeinandertreffen. Zugleich vermittelt dieser Kontrast aber auch die sensationelle Wirkung der Bilder van Goghs noch intensiver, bewahrt er doch «Loving Vincent» davor, den Zuschauer mit einem durchgängigen 90-minütigen Bilder- und Farbenrausch abzustumpfen.

Hinweis

Ab heute in den Kinos Bourbaki (Luzern), Engelberg, Seehof (Zug).

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