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KINO: Ein französischer Fall «Carlos»

«La tete haute» eröff­nete dieses Jahr das Festival von Cannes. Das Sozialdrama zeigt eine erstaunlich mütterliche Catherine Deneuve und einen überragenden Jungstar.
Eine Ruhe, die trügt: Rod Paradot als aggressiver Jugendlicher, Sara Forestier als seine überforderte Mutter. (Bild: PD)

Eine Ruhe, die trügt: Rod Paradot als aggressiver Jugendlicher, Sara Forestier als seine überforderte Mutter. (Bild: PD)

Geri Krebs

Bereits mit sechs Jahren, kurz nachdem er in die erste Klasse einer Primarschule in der französischen Provinz gekommen ist, fällt Malony durch seine Aggressivität auf und verweigert sich jeglichen Regeln. So muss er schon im zarten Jugendalter zusammen mit seiner alleinerziehenden Mutter Sévérine, die völlig überfordert ist, ein erstes Mal vor dem Jugendgericht erscheinen.

Angemessenes Strafmass?

Hier trifft er auf Florence (Catherine Deneuve), eine Jugendrichterin mit grosser Erfahrung und viel Einfühlungsvermögen. Jahre später hat sich die Situation verschärft: Malony raucht, säuft und klaut Autos, nun landet er in Jugendheimen, während die immer noch gleiche Jugendrichterin ein angemessenes Strafmass für ihn zu finden sucht. Es ist eine Geschichte, wie sie in hiesigen Gefilden durch den als «Carlos» bekannten Jugendlichen in den letzten zwei Jahren immer wieder medial präsent war.

Immer wieder Delikte

Doch der jahrelange Goodwill der Jugendrichterin scheint nichts zu bringen, Malony delinquiert immer wieder. Etwas Besserung kommt erst auf, als er in einem Heim Tess, die Tochter einer Heimerzieherin, kennen lernt. Das Mädchen zeigt sich fasziniert von dem aggressiven Jungen mit dem rauen Charme, die beiden verlieben sich ineinander. Doch Malony baut trotz dieses Rückhalts weiter Mist, und so droht er mit 17 ins Gefängnis zu wandern.

Zwei Jahre nach «Elle s’en va», jener ersten Zusammenarbeit zwischen Regisseurin Emanuelle Bercot und Catherine Deneuve, bei der Bercot der grossen Diva des französischen Kinos gewissermassen eine Rolle auf den Leib geschneidert hatte, erlebt man in «La tete haute» eine überraschend mütterliche Catherine Deneuve als unermüdliche und von ihrer Mission überzeugte Jugendrichterin Florence. Sie erweist sich als ruhender Pol eines Films, der mit Benoît Magimel (als Bewährungshelfer mit ähnlicher Vergangenheit wie Ma­lony) und Sara Forestier (als überforderte Mutter) mit zwei weiteren Stars des französischen Kinos aufwartet.

Ständig unter Strom

Doch die grosse Entdeckung ist der 19-jährige Debütant Rod Paradot, der die Figur des scheinbar ständig unter Strom stehenden Malony (als Teenager) mit unglaublicher Präsenz verkörpert. Unterschwellig ist stets zu spüren, wie dieser vermeintlich unverbesserliche Chaot nach Orientierung sucht, und so hegt man in einigen Szenen durchaus Verständnis und sogar eine gewisse Sympathie für den emotionalen Berserker.

Man hat eine ähnliche Figur eines hyperaggressiven Jugendlichen zu Beginn dieses Jahres auch in Xavier Dolans «Mommy» gesehen, wobei dort mehr die Beziehung zwischen Mutter und Sohn im Zentrum stand. Derweil es sich hier vielmehr um ein kraftstrotzendes Sozialdrama handelt, dessen eher einfache, lineare Erzählweise einen in seiner rauen Emotionalität zwar jederzeit zu packen vermag. Aber auch zeigt, dass Regisseurin und Drehbuchautorin Emanuelle Bercot – die ihre Karriere als Schauspielerin begonnen hat – sich ganz auf die Kraft ihres hervorragenden Ensembles von Darstellerinnen und Darstellern verlässt.

Bewertung: 4 von 5 Sternen.

Hinweis

«La tete haute» startet am Donnerstag im Stattkino Luzern.

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