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KINO: Ein Muss für Moby-Dick-Fans

Mit «In The Heart of The Sea» erzählt Regisseur Ron Howard die Geschichte einer unglaublichen Walfangmission. Inspiriert von einer wahren Begebenheit.
Rauer Seemannswind weht durch Howards Film, der den Menschen ganz klein werden lässt. (Bild: Warner Bros./PD)

Rauer Seemannswind weht durch Howards Film, der den Menschen ganz klein werden lässt. (Bild: Warner Bros./PD)

Matthias von Viereck, dpa

Der weisse Pottwal Moby-Dick gehört zu den grossen Mythen der Weltliteratur. Herman Melville setzte ihm mit seinem gleichnamigen Roman einst ein Denkmal. Nun berichtet Regisseur Ron Howard von einer tatsächlichen Begebenheit in der Geschichte: dem Untergang des Walfangbootes «Essex» zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

«In The Heart of The Sea» ist ein zweistündiger imposanter Abenteuerfilm, in einer Hauptrolle besetzt mit Chris Hemsworth, bekannt durch Actionfilme wie «Thor» und «Marvel’s The Avengers». Dargestellt werden die Ereignisse in Rückblenden: Melville, verkörpert von Ben Whishaw («Das Parfum – Die Geschichte eines Mörders»), lässt sich im Film die Geschichte von einem der wenigen Überlebenden des Unglücks erzählen.

Überzeugende Darsteller

Auf der Neuengland vorgelagerten Insel Nantucket bereitet sich im Jahr 1820 eine 20-köpfige Crew auf einen mehrjährigen Einsatz vor: Zurückkehren soll das Segelschiff «Essex» mit so viel Walöl wie möglich. Kapitän Pollard stammt aus einer Walfängerdynastie, Steuermann Chase (Hemsworth) hat sich mühsam auf See seine Meriten verdient.

Die «Essex» ist ein für den Walfang nicht eben grosses Schiff, nach kurzer Zeit gerät die Mannschaft in einen gefährlichen Sturm; immer stärker treten zudem Differenzen zwischen Pollard und Chase zu Tage.

Monate vergehen bis zur ersten Walsichtung, schliesslich hört die Crew von einem neuen Jagdgebiet. Dass sich dort auch ein riesiger Pottwal aufhält, der der «Essex» bald den Garaus machen soll, kann die euphorisierte Besatzung nicht ahnen – von Rettungsbooten aus müssen Pollard und Chase später den Untergang ihres Schiffes mit ansehen.

Chris Hemsworth gehört nicht unbedingt zu den Charaktermimen seiner Generation. Dass er aber über eine durchaus beeindruckende körperliche Präsenz verfügt, macht er auch in diesem Werk unmittelbar deutlich: Sein Chase ist nicht nur muskelbepackt, er ist der Macher auf der «Essex».

Ganz im Gegensatz zu Kapitän Pollard (Benjamin Walker), der sich die Zumutungen der offenen See gern in der Kajüte vom Leibe hält. Ben Whishaw gibt überzeugend Autor Melville, und auch Cillian Murphy («Inception») gehört zur an schillernden Figuren reichen Crew der «Essex».

Die Kraft des Meeressäugers

Ron Howards bildgewaltiges Epos, das auch in 3-D in die Kinos kommt, ist ein imposantes Stück klassischer Filmunterhaltung. Es geht nicht nur um das historische Thema des Walfangs zu Beginn des 19. Jahrhunderts. Auch der Gegensatz von Wahrheit und Fiktion respektive Lüge wird behandelt. Oder ethische Fragen – wie weit darf man als Mensch gehen, um das eigene Überleben zu gewährleisten?

Mit grandios fotografierten, immer wieder auf verschiedene Perspektiven setzenden Ansichten arbeitet der Regisseur zudem die Fragilität des Menschen im Angesicht der Naturgewalten heraus. Wenn Howard uns etwa nach dem Sinken der «Essex» die drei mickrigen Boote, in denen die Crew zu überleben sucht, aus einer Vogelperspektive im direkten Vergleich mit der imposanten Grösse des Wales zeigt, dann scheint aus diesem Bild eine tiefe, fast spirituelle Demut vor der Kraft des Meeressäugers zu sprechen.

Für Freunde von Melvilles umfangreichem Opus Magnum «Moby-Dick» ist «In The Heart of The Sea», dieses über weite Strecken sehr kurzweilige und doch reflektierte Kinoabenteuer, ohnehin ein Muss. •••••

Hinweis

«In The Heart of The Sea» startet morgen in den Kinos Capitol (Luzern), Maxx (Emmenbrücke), Seefeld (Sarnen), Cinema 8 (Schöftland).

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