KINO: Ein paar gefährliche Sonderlinge

Zwei grossartige Schauspieler in einem grossen Drama: «Trespass Against Us» zeigt Brendan Gleeson und Michael Fassbender als Vater und Sohn, deren enges Verhältnis Risse bekommt.

Wolfgang Marx (dpa)
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Michael Fassbender (links) und Brendan Gleeson als Chad und Colby Cutler. (Bild: PD)

Michael Fassbender (links) und Brendan Gleeson als Chad und Colby Cutler. (Bild: PD)

Wolfgang Marx (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch

Die sind doch alle komplett durchgedreht. Wer rast schon mit seinem Schrottauto quer übers Feld und jagt einen Hasen? Nun, Chad Cutler (Michael Fassbender) hat jedenfalls mächtig Spass daran. Und seinem sechsjährigen Sohn überlässt er das Lenkrad.

Ein verrückter Kerl. Eine verrückte Familie. Am Rande der Gesellschaft und jenseits aller bürgerlichen Regeln lebt Cutler wie ein moderner Outlaw mit einer Handvoll Aussenseiter in einer Wagenburg aus heruntergekommenen Vans. Mit dem romantischen Hippie-Ideal eines freien, ungebundenen und selbstbestimmten Lebens aber hat das nur wenig zu tun.

Vater herrscht unbarmherzig über sein kleines Reich

Denn das hier ist nicht Robin Hood mit seiner Bande im Sherwood Forest, das hier sind ein paar durchaus gefährliche Sonderlinge. Chef des schrägen Haufens ist Chads Vater Colby Cutler (Brendan Gleeson), der im Jogginganzug (mal mit gelben und mal mit roten Streifen) auf einem zerschlissenen Sessel thront und unbarmherzig über sein kleines Reich herrscht: «Apocalypse Now» in Gloucestershire, wo sich die Cutlers niedergelassen haben.

Denn Colby ist ähnlich durchgeknallt wie Oberst Kurtz, den Marlon Brando einst im Klassiker «Apocalypse Now» verkörperte. Wenn dieser Mann, der seine Weltanschauung religiös unterfüttert hat, behauptet, die Erde sei flach, dann ist das nicht wirklich ein Scherz. Über die Evolutionstheorie weiss er auch Bescheid: «Ich stamme von keinem Affenarsch ab», sagt der Mann, mit dem nicht gut Kirschen essen ist. «Das Gesetz der Familie», wie der Film auf Deutsch heisst, das ist er, der Pate.

Jenseits aller bürgerlichen Normen hat der Cutler-Clan mit normaler Arbeit nichts am Hut. Die Bande finanziert sich durch Einbrüche. Und aus dieser archaisch anmutenden rauen Rebellenwelt heraus erwächst ein klassischer Vater-Sohn-Konflikt, bei dem weiss Gott noch nicht ausgemacht ist, wer seinen Kopf durchsetzt. Womöglich gibt es am Ende auch nur Verlierer.

Dieses Leben in einer Parallelwelt ist nichts mehr für Chad Cutler, der Frau und Kindern ein Stück Normalität bieten möchte. Doch dafür muss er endlich auf eigenen Füssen stehen. Bisher hat er sein Sein, sein Dasein nie in Frage gestellt, jetzt aber beginnt er, seine Existenz grundlegend zu hinterfragen. Wird er sich vom Vater lösen können?

Sozialstudie und Actionfilm zugleich

Es ist eine trostlose und zerschlissene Welt, in der die Farben ganz ausgewaschen erscheinen und in der nur selten die Sonne scheint. Aber auf eine reine Sozialstudie mit einem Familiendrama im Zentrum hatte Regisseur Adam Smith in seinem Spielfilmdebüt offenbar keine Lust.

Der Mann, der sich seine ersten Sporen etwa mit Videoclips für die Chemical Brothers verdiente, rhythmisiert sein düsteres Drama mit einem Haufen erstklassiger Verfolgungsjagden. Die machen «Trespass Against Us» zu einem atemlosen Werk zwischen einer präzise gezeichneten Milieustudie und einem Actionfilm, das von zwei grossen Charakterdarstellern getragen wird.

Hinweis

«Trespass Against Us» läuft im Kino Bourbaki Luzern.