KINO: Einblick ins Labor, wo Kinder auf Wunsch entstehen

Nachwuchs machen, wann immer man will? Die Regisseurin Barbara Burger spürt mit ihrem Film der Reproduktionsmedizin nach. Und öffnet Türen zu einer Welt, die seit jeher ethisch-moralische Fragen aufwirft.

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Leben entsteht: Im Labor wird die Eizelle erst aufgetaut. Danach kann sie mit Spermien künstlich befruchtet werden. (Bild: PD)

Leben entsteht: Im Labor wird die Eizelle erst aufgetaut. Danach kann sie mit Spermien künstlich befruchtet werden. (Bild: PD)

Künstliche Fortpflanzung – ein ethisch stark aufgeladenes Thema, bei dem sich vielen auch eine Palette an moralischen Fragen stellt. Erst recht, wenn die Thematik auch noch mit ­religiösen Überzeugungen kollidiert. Und doch ist die moderne Reproduktionsmedizin für viele Paare eine Option, wenn die Erfüllung des Kinderwunsches nicht auf natürlichem Weg erfolgen kann – oder soll.

Mit ihrem Film «Kinder machen» taucht die Schweizer Regisseurin Barbara Burger in die Welt der modernen Reproduktionsmedizin ein. Anstoss war die Anzeige einer Fruchtbarkeitsklinik, welche suggerierte, dass die moderne Frau ihr Kind kriegen kann, wann immer sie will. Und doch kennt Barbara Burger auch ein ganz anderes Bild aus ihrem Freundes- und Bekanntenkreis: dass eben nicht jede Frau nach Lust und Laune schwanger wird und dass diese Tatsache mit viel Verdruss, Trauer und Wut einhergeht.

Wie weit ist es verantwortbar?

Mit ihrer Kamera spürte sie dem so genannten «Social freezing» nach, für was die besagte Anzeige geworben hatte. Der neudeutsche Begriff beschreibt das Einfrieren von Eizellen, welche «bei Bedarf» künstlich befruchtet werden können, wonach neues Leben entsteht – im Labor. Vor Ort dokumentiert die Filmemacherin in Bild und Ton, wie aufgetaute Eizellen mit Spermien befruchtet werden. Fasziniert von diesem medizintechnischen Wunder, fing sie gleichzeitig an, die Methoden zu hinterfragen. Aus eigener Erfahrung weiss sie, wie gesunde und muntere Kinder in einem harmonischen Umfeld mit Liebe und Körperlichkeit gezeugt werden. Im Labor hingegen ist nichts davon zu spüren. Auch die ethischen Aspekte drängten sich ihr auf: Wie weit ist es verantwortbar, dass die Wissenschaft Hand anlegt an die menschlichen Zellen, welche für das ­Entstehen von Leben verantwortlich sind? Werden da nicht Grenzen überschritten?

Barbara Burgers Motiv war es, mit «Kinder machen» einen Film aus Sicht von Betroffenen zu drehen, deren Kinderwunsch bislang unerfüllt geblieben ist. Sie versucht, die Gedanken und Entscheidungen dieser Leute nachvollziehbar zu machen, und lässt sie im Gegenzug mit ihrer Dokumentation hinter die Kulissen der Reproduktionsmedizin schauen. Sie hat Handgriffe der Labormitarbeiterinnen und -mitarbeiter festgehalten, welche der Gesellschaft normalerweise verborgen bleiben.

Denkanstoss zur Diskussion

Stehen auf der einen Seite die ethischen Aspekte und moralische Bedenken, so hebt Burger auf der anderen Seite auch das schon immer da gewesene Streben der Menschheit nach wissenschaftlichem Fortschritt und neuen Erkenntnissen hervor – auch wenn dabei immer wieder Grenzen überschritten werden.

Barbara Burgers mit dem Berner Filmpreis 2017 ausgezeichnete Dokumentation will weder polarisieren noch urteilen, geschweige denn verurteilen. Unvoreingenommen, sachlich und verständlich zeigt die Filme­macherin auf, welche komplexen medizintechnischen Vorgänge hinter dem Entscheid, ein Kind durch künstliche Befruchtung zu kriegen, stehen. «Kinder machen» soll zudem Denkanstoss sein, über die kontroverse Thematik zu diskutieren – ob in der Öffentlichkeit oder innerhalb von Freundeskreis und Familie. (fae)

Hinweis

Der Fliz Filmclub zeigt «Kinder machen» am Montag, 9. April, 20 Uhr im Kino Gotthard, Zug. Regisseurin Barbara Burger ist anwesend.