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KINO: Eine Gesellschaft im dämmrigen Zwielicht

In einem chaotischen Istanbul gerät ein naiver Polizei-Spitzel zwischen alle Fronten. Im Drama «Abluka» von Emin Alper herrscht kafkaeske Endzeitstimmung.
Ahmet (Berkay Ates) hat die Aufgabe gefasst, streunende Hunde zu erschiessen. (Bild: PD)

Ahmet (Berkay Ates) hat die Aufgabe gefasst, streunende Hunde zu erschiessen. (Bild: PD)

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In einem imaginierten Istanbul der nahen Zukunft herrscht Chaos. Terroristische Gruppen verüben brutale Anschläge, um die Kontrolle über die ärmeren Stadtviertel zu erlangen, und die Polizei reagiert mehr oder weniger hilflos.

In dieser Situation kann der Häftling Kadir (Mehmet Özgür) ein besonderes Angebot nutzen: Er wird vorzeitig aus der Haft entlassen, nachdem er sich bereit erklärt hat, für den Staat als Informant zu arbeiten. Seine vordergründige Aufgabe besteht darin, den Abfall auf den Strassen nach Bestandteilen von Sprengsätzen zu durchsuchen. Daneben soll er das Verhalten der Leute aus seiner Umgebung beobachten und protokollieren.

Suche nach Vertrauenspersonen

Kaum in Freiheit, sucht Kadir seinen jüngeren Bruder Ahmet (Berkay Ates) auf, der für die Stadtverwaltung streunende Hunde abschiesst. Gerade erst von seiner Frau verlassen, vermittelt der psychisch angeschlagene Ahmet dem älteren Bruder eine Unterkunft beim befreundeten Paar Meral (Tülin Ezel) und Ali (Ozan Akbaba).

Auf seinen Dienstrunden glaubt Kadir mehrmals, den vor Jahren untergetauchten dritten Bruder auf einem Motorrad wiedererkannt zu haben. Ahmet zweifelt daran, verliert aber angesichts der regelmässig zu hörenden Explosionen und Polizeisirenen langsam die Nerven. Der einst kaltblütige Hundejäger nimmt nun sogar ein herrenloses Tier bei sich auf und verbarrikadiert sich regelrecht in seinem Haus. Auch der leicht beeinflussbare Kadir, der sich in Meral verliebt hat, sie aber gleichzeitig pflichtbewusst bespitzelt, trifft schliesslich eine fatale Entscheidung, die in einer tragischen Gewaltspirale mündet.

Düsteres Stadtporträt

«Abluka» lässt sich mit «Wahn» übersetzen und die düstere, atmosphärisch dichte Produktion des türkischen Regisseurs Emin Alper illustriert mit ihren Szenen gewissermassen verschiedene Formen des Wahns. Erzähltechnisch unterstützt wird die kafkaeske Endzeitstimmung des Films, in dem die Begriffe «Schuld» und «Unschuld» keine klaren Konturen mehr haben, durch Bilder von heruntergekommenen Strassen und Häusern, auf die kaum je das Licht der Sonne fällt, durch eine dräuende Musik auf der Tonspur, sowie durch wiederholte Wechsel der Erzählperspektive: Dieselben Ereignisse werden zum Teil aus dem Blickwinkel von verschiedenen Personen gezeigt.

Die türkische Produktion ist keine leichte Kost. Zudem trägt die überdeutliche Symbolik zu einer gewissen Schwerfälligkeit bei. Als negative Utopie funktioniert «Abluka» durch die stimmige Inszenierung dennoch gut; der Film hinterlässt einen nachhaltigen Eindruck von einer Grossstadt und einer Gesellschaft im dämmrigen Zwielicht.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Peter Mosberger

«Abluka» läuft im Stattkino Luzern.

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