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KINO: Einst waren sie Reiter

«Centaur» handelt von Entwurzelung und dem Verlust traditioneller Lebensart. Der Kirgise Aktan Arym Kubat erzählt bildgewaltig, metaphorisch und mit sanfter Ironie.
Szene aus dem Film Centaur. (Bild: PD)

Szene aus dem Film Centaur. (Bild: PD)

Pferde seien die Flügel des Menschen, besagt ein altes Sprichwort aus Kirgisien. Das im Vergleich zu seinen Nachbarländern China, Kasachstan und Usbekistan kleine zentralasiatische Land gehörte bis 1991 zur Sowjetunion. In den Jahrhunderten davor war das Land, das Kirgistan oder Kirgisistan genannt wird, durch die nomadische Lebensweise seiner vom Mongolenfürst Dschingis Khan abstammenden Bewohner geprägt. Pferde waren in dieser Kultur das Ein und Alles.

Mit dem nächtlichen Diebstahl eines teuren Rennpferdes beginnt «Centaur». Man sieht, wie im Dunkel eine Gestalt das Tier aus dem Stall holt und triumphierend mit ihm in den anbrechenden Tag einer grandiosen Berglandschaft davon reitet – glücklich und fest im Sattel sitzend, die Arme wie Flügel ausgebreitet. Es ist das Bild eines Zentauers, das Regisseur Aktan Arym Kubat hier vermittelt, jenes aus der griechischen Mythologie stammende Fabelwesen zwischen Pferd und Mensch. «Du behauptest also, wir Kirgisen stammten von Zentauern ab», necken später zwei Arbeitskollegen auf der Baustelle den Mann, den alle nur Centaur nennen, weil er immer Geschichten über Pferde zu erzählen weiss. Und fügen lachend an: «Du vielleicht schon, denn du bist ja so ein Hengst, du lässt keine Frau aus.» Kurz davor hat man Centaur auf dem Markt gesehen, wie er mit einer Teeverkäuferin flirtete, argwöhnisch beobachtet von einer anderen Marktfrau.

Der sechzigjährige Aktan Arym Kubat spielt die Figur des verträumten Centaur, der es faustdick hinter den Ohren hat, selber – so wie er bereits 2010 in seinem vorherigen Film «The Light Thief» einen kauzigen Elektriker in einem kirgisischen Dorf verkörpert hatte.

Aus dem Kino wurde eine Moschee

In «Centaur» ist er nun nicht nur verträumt und listig, sondern verheiratet mit einer schönen, viel jüngeren, taubstummen Frau. Zusammen haben sie einen kleinen Sohn, der nicht sprechen will. Früher, in besseren Zeiten, war Centaur einmal Filmvorführer gewesen. Das Kino in einem Vorort der kirgisischen Hauptstadt Bischkek wurde in eine Moschee umgewandelt.

Frömmelnde Islamisten, die den Leuten ihre Lebensweise vorschreiben wollen, und neureiche Abzocker, für die alles, auch die Pferde, nur noch Rendite ist: das sind die beiden Seiten einer Welt, in der einer wie Centaur einen schweren Stand hat. Doch es gibt sie noch, die Kraft der Träume; dazu gehören nicht nur die alten Mythen, dazu gehört auch das Kino. Immer wieder mal verweilt die Kamera auf einem Filmplakat von «Der rote Apfel» des sowjetisch-kirgisischen Regisseurs Tolomusch Okejew aus dem Jahr 1975. Und als man dann einmal einen bezaubernden Ausschnitt aus diesem Klassiker des Sowjetkinos sieht, möchte man gerne noch tiefer eintauchen in diese Welt.

Geri Krebs

Ab morgen im Stattkino Luzern.

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