KINO: Eros verbindet Welten

Drei besondere Liebesgeschichten entwickeln sich während der Osterwoche in Athen. ­ Der griechische Film «Worlds Apart» spielt während der Wirtschafts- und Flüchtlingskrise.

Peter Mosberger
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Der deutsche Professor Sebastian (J. K. Simmons) und die Hausfrau Maria (Maria Kavoyianni) kommen sich näher – am Ort ihrer ersten Begegnung.

Der deutsche Professor Sebastian (J. K. Simmons) und die Hausfrau Maria (Maria Kavoyianni) kommen sich näher – am Ort ihrer ersten Begegnung.

Peter Mosberger

kultur@luzernerzeitung.ch

Da lernt Daphne (Niki Vakali), eine Studentin um die zwanzig, durch einen eher unglücklichen Zufall den jungen syrischen Flüchtling Farris (Tawfeek Barhom) kennen, und beide sind bald unsterblich verliebt. Der von seiner Frau getrennt lebende Giorgos (Christopher Papakaliatis) arbeitet in einem internationalen Unternehmen und muss, wie viele seiner Bürokollegen, um den Job bangen – vor allem seit der Ankunft einer energischen Personalchefin (Andrea Osvàrt) aus Schweden, die für solche Restrukturierungsmassnahmen eingeflogen worden ist.

Als sich Giorgos eines Abends in einer Bar in die attraktive Elise verguckt, weiss er allerdings noch nicht, dass ausgerechnet sie diese neue Managerin in seiner Firma ist. Vor einem Supermarkt leistet schliesslich die gestandene Hausfrau Maria (Maria Kavoyianni) dem pensionierten deutschen Professor Sebastian (J. K. Simmons) in einer unangenehmen Situation Erste Hilfe; ihre Bekanntschaft vertieft sich trotz Verständigungsproblemen in den folgenden Tagen, da der freundliche Professor sie zu weiteren Treffen überreden kann.

Drei Liebespaare ­ aus drei Generationen

Erst am Schluss des Films wird deutlich, dass die Schicksale dieser Paare aus verschiedenen Generationen und Kulturen mehr miteinander verbindet, als es den Anschein hat. «Worlds Apart» heisst der sinnreiche Titel dieses einnehmend gestalteten und in seiner griechischen Heimat sehr erfolgreichen Episodenfilms von Christopher Papakaliatis (der auch in der Rolle von Giorgos zu sehen ist und zudem für das Drehbuch verantwortlich zeichnet).

Durch Welten getrennt scheinen auf den ersten Blick die Studentin und der Flüchtling, die biedere Hausfrau und der weltläufige Professor wie auch der gestresste südländische Angestellte und seine beinharte Vorgesetzte aus dem hohen Norden. Und doch: In der schwierigen, einprägsam dargestellten griechischen Gegenwart (Not der Kleinbürger, Massenentlassungen, Flüchtlingsströme, faschistische Tendenzen in der Gesellschaft) finden sie irgendwie, wenn auch vielleicht nur befristet, zusammen.

Diese hoffnungsvolle Botschaft kommt trotz des verschachtelten Aufbaus klar durch und mag manchen bisweilen an Wunschdenken gemahnen.

Abwechslungsreich ­ und gut gespielt

Dass der Film gleichwohl fasziniert, liegt nicht zuletzt am Humor, am Einfallsreichtum und der spürbaren Zuversicht oder der spürbaren Trotzhaltung des Regisseurs angesichts der Krisenphänomene in seiner Heimat: «Es war meine Absicht, einen Liebesfilm in einer harten und herzlosen Umgebung zu realisieren. In jeder Liebesgeschichte gibt es eine Hürde. Ich beschloss, dass in diesem Film die politische und soziale Krise, die Griechenland und auch den Rest Europas durchrüttelt, die Hürde sein würde.»

Und als geschichtsbewusster Grieche mag er es dabei auch nicht unterlassen, bei Gelegenheit die antike Mythologie zu zitieren. Recht eigentlich in Erinnerung bleiben wird aber wohl vor allem der – mit Ausnahme von Oscar-Preisträger J. K. Simmons («Whiplash») – wenig bekannte Cast. Er gestaltet diese unterschiedlichen Liebesbegegnungen mit viel Feingefühl und Witz.

«Worlds Apart» mag wegen seines lehrstückhaften Charakters in erster Linie wie ein Zeitdokument wirken – ein packender Film aus der spannungsvollen Gegenwart für Menschen dieser Gegenwart –, sehenswert ist er auf jeden Fall.

Bewertung: 3 von 5 Punkten