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Kino: «Es gibt nichts Sonderbares in der Sexualität, sondern nur Gefährliches»

Der Film «Touch Me Not», Gewinner des Goldenen Bären der Berlinale, iriitiert mit seinen radikalen Einblicken in die Sexualität von Laiendarstellern. Das ist verstörend, aber nie pornografisch.
Regina Grüter
Laura Benson und Hanna Hofmann. (Bild: Xenix)

Laura Benson und Hanna Hofmann. (Bild: Xenix)

«Fühlst du dich wohl in deiner Haut?» lautet die entscheidende Frage im semidokumentarischen Film «Touch Me Not». Jener, der sie stellt, ist der körperlich schwerbehinderte Christian Bayerlein. Er tut es. Auch Tómas hat seinen haarlosen Körper akzeptiert, hat aber Mühe damit, Christian zu berühren. Laura hat Angst vor ihrer Sexualität, sie kennt ihren Körper nicht. Sie sucht Hilfe bei Leuten, die sich mit Sex auszukennen scheinen.

So langsam, wie die rumänische Filmemacherin und bildende Künstlerin Adina Pintilie die Darsteller zusammenführt, verwischen zusehends die Grenzen zwischen der jeweiligen Figur und der realen Person. Und so experimentell der umstrittene Berlinale-Sieger auch sein mag, erzählt Pintilie doch einfach Geschichten von Menschen, die sich begegnen, weil sie mehr über ihren Körper und ihre sexuellen Begehren erfahren wollen. Sie wählt dafür sehr bewusste Einstellungen, immer an der Vertikale ausgerichtet, und spielt mit Nähe und Distanz, mit der Rolle des Beobachters, ihrem Blick, und des Beobachteten. Pintilie ist aber auch aktiver Teil des Films und wagt sogar den Schritt vor die Kamera.

Ja, man sieht viel nackte Haut, auch Geschlechtsorgane, aber pornografisch ist «Touch Me Not» nicht. Es wird auch niemand zum Seelenstriptease gezwungen. Es gibt viel Wärme und Zärtlichkeit in diesem Film, der nicht selten sogar lustig ist. Man spürt deutlich das Vertrauen zwischen der Regisseurin und ihrem Cast aus professionellen und Laiendarstellern. Sie alle haben sich bereit erklärt, sich auf eine Reise zu begeben, von der sie nicht wussten, wohin sie sie führen wird.

Und so ist der Film auch für den Zuschauer eine Erfahrung, die teilweise vielleicht Ekel oder Unverständnis hervorrufen wird, aber nicht Wut oder Angst. Die Schauspieler Laura Benson («Dangerous Liaisons») und Tómas Lemarquis («Nói albinói») stehen quasi für den Zuschauer, der anfängliche Widerstände überwinden muss. Nur müssen sie wirklich nach innen schauen: Woher rühren meine Berührungsängste? Bin nicht eigentlich ich es, der verklemmt ist?

Alles ist möglich, solange man Grenzen respektiert

Adina Pintilie ist so radikal ehrlich, dass man sie dafür bewundern muss. Ein Befreiungsschlag nicht nur für die weibliche Sexualität wie «#Female Pleasure» – und man möchte nicht wieder von #MeToo reden –, sondern für jegliche Form von Intimität, die den Beteiligten guttut. Wie sagt es die Transsexuelle Hanna Hofmann im Film?: «Es gibt nicht Sonderbares in der Sexualität, nur Gefährliches.»

Solange man dem anderen nicht wehtut und dessen Grenzen respektiert, alles einvernehmlich geschieht, soll jeder seine Lust so ausleben dürfen, wie er will. Also verabschieden wir uns von Prüderie und Intoleranz und fragen uns besser, was solche Reaktionen mit uns selbst zu tun haben. Genau das macht Adina Pintilie.

«Touch Me Not» läuft am Freitag und Samstag je 20 Uhr im Stattkino, Luzern.

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