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KINO: Es wird dir geholfen, so helfe auch du

Für eine bessere Zukunft der Tochter tut ein Vater alles – sogar entgegen seinen Prinzipien. Der ­ rumänische Regisseur Cristian Mungiu wirft in «Graduation» erneut brisante Fragen auf.
Regina Grüter
Vater und Tochter (Adrian Titieni und Maria Dragus). (Bild: Filmcoopi)

Vater und Tochter (Adrian Titieni und Maria Dragus). (Bild: Filmcoopi)

Korruption. Sie nennen es «Freundschaftsdienst». Sobald man einen solchen in Anspruch genommen hat, ist man jemandem etwas schuldig. «Wir müssen ihm helfen, er hat uns auch geholfen», heisst es dann. Solange man kein Geld annimmt, ist es nicht schlimm.

Romeo (Adrian Titieni) und Magda Aldea (Lia Bugnar) haben andere Prinzipien. Das Paar mittleren Alters war einst aus dem Exil in ihre Heimat Rumänien zurückgekehrt, um etwas zu verändern. Die Tochter Eliza (Maria Dragus) steht kurz vor dem Abschluss am Gymnasium. Mit den entsprechenden Noten ist ihr ein Stipendium in London in Aussicht gestellt.

Ein Ereignis bricht sich seinen Lauf

«Graduation» («Bacalaureat») ist ein Film über Rumänen, wie jüngst auch Cristi Puius «Siera­nevada». Auf inhaltlich und stilistisch sehr unterschiedliche Weise setzen sie sich mit der Familie im Kleinen und der Gesellschaft dieses Landes im Grossen auseinander. Die beiden gelten als wichtige Exponenten der rumänischen neuen Welle, Puiu mit «Der Tod des Herrn Lazarescu» (2005) gar als deren Vaterfigur. Ihre jüngsten Werke liefen letztes Jahr in Cannes im Wettbewerb, wo Mungiu (48) vor zehn Jahren für «4 Monate, 3 Wochen und 2 Tage» die Goldene Palme und nun den Regiepreis gewonnen hat.

Das neue rumänische Kino inszeniert Menschen in einem realistischen Alltagssetting, das durch ein aussergewöhnliches Ereignis – eine ungewollte Schwangerschaft oder einen medizinischen Notfall – durcheinandergerät. Den schwarzen Humor von Cristi Puiu findet man bei Cristian Mungiu indes selten.

Jahrzehntelange Diktatur und Misswirtschaft, davon konnte sich Rumänien nach dem Ende des Kommunismus nur langsam erholen. Die Freiheit hatte sich das osteuropäische Land durch eine gewaltreiche Revolution erkämpft. Seit 2007 EU-Mitglied, suchen nach wie vor viele Rumänen Arbeit im Ausland.

Wie weit ­ darf man gehen?

Und hier setzt «Graduation» an. Der Arzt Romeo sieht im eigenen Land keine Zukunft für seine Tochter. Vor einer wichtigen Prüfung setzt er sie vor der Schule ab, als Dramatisches geschieht: Eliza wird von einem Unbekannten überfallen. Für Romeo aber zählt nur eines: Wird sie es durch die Matura schaffen? Wie er sich fortan immer tiefer in unlautere Machenschaften verstrickt, ist derart stringent und plausibel und mit einem unglaublich guten Hauptdarsteller erzählt, dass man als Zuschauer für gut zwei Stunden in Romeos Welt abtaucht.

«Graduation» handelt von Eltern und überbehüteten Kindern. Die Gründe mögen ähnlich sein wie im Westen, die Voraussetzungen jedoch sind andere. Gleichsam stellt sich die Frage: Kann und darf man sein Kind vor dem eigenen Leben, vor eigenen Entscheidungen beschützen? Wie weit soll man dabei gehen? Diese Fragen gehen weit über den Landeskontext hinaus.

Die depressive Mutter argumentiert ideologisch, setzt sich aber letztlich nicht für ihre Prinzipien ein. Und Romeo erklärt der Tochter: «Das ist die Welt, in der wir leben. Wir müssen sie mit ihren eigenen Waffen schlagen.»

Bewertung: 5 von 5 Punkten

Regina Grüter

regina.grueter@luzernerzeitung.ch

Nach dem Überfall ist die heile Welt dahin. (Bild: outnow.ch/PD)

Nach dem Überfall ist die heile Welt dahin. (Bild: outnow.ch/PD)

Vater Romeo will seine Tochter trotzdem durch die Abschlussprüfungen bringen. Dafür ist ihm fast jedes Mittel recht. (Bild: outnow.ch/PD)

Vater Romeo will seine Tochter trotzdem durch die Abschlussprüfungen bringen. Dafür ist ihm fast jedes Mittel recht. (Bild: outnow.ch/PD)

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