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KINO: «Eva Hesse» – das kurze Leben einer bedeutenden Künstlerin

Der Dokfilm «Eva Hesse» von Marcie Begleiter zeichnet Leben und Werk der bedeutenden US-Künstlerin (1936–1970) nach. Hesse musste sich in einer von Männern dominierten Kunstwelt durchsetzen.
Eva Hesse auf einer privaten Aufnahme im Jahre 1963. (Bild: PD)

Eva Hesse auf einer privaten Aufnahme im Jahre 1963. (Bild: PD)

Anlass für die deutsch-amerikanische Koproduktion war 2013 eine der Künstlerin gewidmete Ausstellung in Hamburg. Für Marcie Begleiter, eine bekannte amerikanische Designerin, Illustratorin und Kunsthochschuldozentin, die schon ein Theaterstück über Eva Hesse verfasst hat, war das Filmprojekt ein persönliches Anliegen, hat sie doch mit der Künstlerin die deutsch-jüdischen Wurzeln gemeinsam.

1936 in Hamburg geboren, emigriert Eva mit ihrer Schwester und ihren Eltern 1939 unter dem Druck der Judenverfolgung nach New York, wo sie schon als Kind weiss, dass sie Künstlerin werden will. Nach dem Studium arbeitet sie für eine Firma als Textildesignerin; daneben entstehen erste Zeichnungen und Gemälde. Zwei junge Künstler, die sie in dieser Zeit kennen lernt, bilden wichtige Bezugspunkte in ihrem Leben: Mit Sol LeWitt verbindet sie eine lebenslange Freundschaft, den Bildhauer Tom Doyle heiratet sie 1961.

Ausstellungen mit berühmten Künstlern

In New York macht sie sich bald einen Namen; der eigentliche Durchbruch gelingt ihr jedoch etwas später, als sie und ihr Mann auf Einladung eines deutschen Industriellen 15 Monate in Europa, vorwiegend in Deutschland, verbringen. Nach ihrer Rückkehr stellt sie in New York erste frei stehende Skulpturen aus und beginnt mit neuen Materialien wie Latex, Glasfaser und Polyester zu experimentieren.

Ihre Werke werden nun zusammen mit jenen der Berühmtheiten der Szene wie Donald Judd oder Roy Lichtenstein gezeigt. 1969 hat Eva Hesse auch in der Kunsthalle Bern eine von Harald Szeemann kuratierte Einzelausstellung. Im gleichen Jahr wird bei ihr jedoch ein Gehirntumor diagnostiziert, dem sie schliesslich 1970 im Alter von erst 34 Jahren erliegt.

Marcie Begleiters Film gelingt es recht gut, Leben und Persönlichkeit Eva Hesses anhand des bescheidenen Archivmaterials oder anhand der Schilderungen von noch lebenden Zeuginnen und Zeugen nahezubringen; Beschreibung und Analyse ihres originellen Werks erschöpfen sich dagegen oft in etwas unverbindlich wirkendem Lob – was angesichts des frühen Tods der Künstlerin, die sich gewissermassen gerade am Anfang ihrer Eigenständigkeit befand, aber auch ein wenig verständlich ist.

Kämpferische Aussenseiterin

Hesses der abstrakten Kunst, insbesondere der Minimal Art verpflichteten Werke trugen etwa Gattungsnamen wie «Maschinenzeichnungen» oder «Materialbilder» und wurden in Ausstellungen unter Titeln wie «Eccentric Abstraction» oder «Made of Plastic» präsentiert.

Der Film akzentuiert auch zu Recht Eva Hesses Aussenseitertum als Frau in einer vorwiegend männlichen Künstlergemeinde. Für die Regisseurin ist sie nicht nur als bedeutende Künstlerin, sondern auch als Kämpferin für die Anerkennung der Frauen in einer von Männern dominierten Branche zu sehen. Ein Zitat aus dem letzten Lebensjahr belegt diesen, bei aller Verletzlichkeit manifesten Durchsetzungswillen von Eva Hesse: «Ich will meinen eigenen Weg finden. Es macht mir nichts aus, Meilen von jedem anderen entfernt zu sein; die besten Künstler waren die, die alleine standen.»

Bewertung: 3 von 5 Punkten

Peter Mosberger
kultur@luzernerzeitung.ch

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