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KINO: Frauen werden die Regeln eingetrichtert

Der iranische Spielfilm «Paradise» gewann 2015 in Locarno einen Preis. Sina Ataeian Dena schildert mit fast dokumentarischem Blick die Unterdrückung der Frauen.
Andreas Stock
Die junge Hijab rebelliert nicht, sondern hat das repressive System längst verinnerlicht und trägt es ihrerseits mit. (Bild: Frenetics, PD)

Die junge Hijab rebelliert nicht, sondern hat das repressive System längst verinnerlicht und trägt es ihrerseits mit. (Bild: Frenetics, PD)

Andreas Stock

Es beginnt mit einem Bewerbungsgespräch vor schwarzer Leinwand. Eine Frau befragt eine andere nach Verhaltens- und Kleiderregeln in der Öffentlichkeit. Beispielsweise, wann sie wie ihre Kopfbedeckung, den Hijab, zu tragen hat oder ob ihre Fussfesseln zu sehen sein dürfen. Die Antworten der jungen weiblichen Stimme sind zögerlich und unsicher. Und so endet das Gespräch für die junge Frau unbefriedigend. Sie müsse ein zweites Mal kommen, und man rät ihr, sie solle künftig «vorsichtig sein».

Bürokratie und Opportunismus

Die Frau, der hier eine neue Stelle verwehrt wird, ist Hanieh. Die 24-Jährige ist Lehrerin und lebt seit dem Unfalltod ihrer Eltern vor einem Jahr bei ihrer Schwester und deren Mann, die bald ihr erstes Kind erwarten. Hanieh hat von der Wohnung der Schwester jeden Tag einen langen Weg von Teheran in die Vorstadt zu einer Mädchen-Primarschule, an der sie angestellt ist. Darum versucht sie seit längerem, eine Versetzung in die Stadt zu erhalten. Das ist mit vielen Hürden in einer undurchsichtigen Bürokratie verbunden.

Zwar erzählt Regisseur Sina Ataeian Dena sein «Paradise» – den ersten Teil einer geplanten Trilogie über Gewalt – aus Haniehs Perspektive. Dennoch ist es kein Film über diese Frau, die in zahlreichen Situationen immer wieder irritierend apathisch scheint. Vielmehr versucht Hanieh, mit einem gewissen Opportunismus innerhalb des Systems zu leben. Sie hält sich so stark an die Regeln, wie es eben gerade nötig ist.

Ein Teil des Systems

Zentraler ist die Zeichnung des Schulalltags. Jeden Morgen müssen sich die Mädchen auf dem Hof versammeln, wo sie von der Vorsteherin der Schule für ihre Vergehen kritisiert und belehrt werden. Die Schulleiterin ist genauso Teil des Systems wie Hanieh, wie sich in einer nächsten Szene zeigt, in der sich letztere sich als gestrenge Lehrerin erweist. Sie will ein Mädchen bestrafen, das mit lackierten Fingernägeln zur Schule kommt.

Regisseur Sina Ataeian nimmt in seinem Erstlingswerk ganz die Sicht der Frauen in der iranischen Gesellschaft ein; er schildert, wie bereits die jungen Mädchen rigide auf die Regeln einer patriarchal-islamischen Gesellschaft getrimmt werden. «Der Hijab ist ein Schutz und keine Einschränkung» steht beispielsweise auf einem Plakat. Die Unterdrückung der Frauen wird von den Frauen selbst fortgesetzt.

«Ein mutiges Werk»

Diese Gesellschaftskritik ist vielleicht weniger direkt als in anderen iranischen Filmen, sondern eher in einem poetischen Realismus aufgehoben.

Sina Ataeian Dena schildert auch witzige Szenen – Momente, die wie kleine Akte der Befreiung erscheinen. Beispielsweise, als überraschend ein Fussball auf den Pausenplatz fliegt. Tr

otz aller Rufe und Drohungen kann die Schulvorsteherin nicht verhindern, dass die Mädchen dem Ball nachrennen und ihn treten – was ihnen untersagt ist.

«Paradise» gewann 2015 in Locarno den Preis der ökumenischen Jury, die ihn als «ein starkes und mutiges» Werk lobte. Sina Ataeian Dena hatte keine Erlaubnis für den Film und musste heimlich drehen. Mitproduziert wurde sein Erstling von einem, der Erfahrung damit hat, die Filmzensur zu umgehen: Yousef Panahi, der Bruder von Jafar Panahi («Taxi Teheran»), hat immer wieder mit dem Regisseur gearbeitet, dem von den Behörde gar verboten wurde, Filme zu drehen. •••••

Hinweis

«Paradise» läuft im Stattkino Luzern.

Die Trailer zu allen Filmen finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/kino

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