KINO: Gähwilers haben einen Afrikaner im Haus

Martin Guggisbergs Kinodebüt «Usgrächnet Gähwilers» ist eine Politkomödie. Der Film erzählt von einem Bünzli-Ehepaar, dessen Idylle ein Sudanese gehörig ins Wanken bringt.

Annina Hasler, sda
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Thérèse Gähwiler (Ruth Schwegler) und Ngundu (David Wurawa) verstehen sich. Also heuert sie ihn zur Schwarzarbeit als Gärtner an. Wieso auch nicht? (Bild: PD/outnow.ch)

Thérèse Gähwiler (Ruth Schwegler) und Ngundu (David Wurawa) verstehen sich. Also heuert sie ihn zur Schwarzarbeit als Gärtner an. Wieso auch nicht? (Bild: PD/outnow.ch)

Das Ehepaar Gähwiler sitzt in der Tinte: Ausgerechnet in der heissesten Phase des Wahlkampfs nistet sich ein Afrikaner in ihrem schönen Zuhause ein. Die freche Politkomödie «Usgrächnet Gähwilers» von Martin Guggisberg feierte am Samstag an den 52. Solothurner Filmtagen Premiere.

Ralph und Therese Gähwiler sind die Karikatur schlechthin des spiessbürgerlichen Schweizer Ehepaars. Er, Schnauz, Stirnglatze, anbiederndes Lächeln, kandidiert als ambitionierter FDP-Lokalpolitiker mit dem sinnfreien Slogan «Kompetent. Entschieden. Klar» für den Gemeinderat von Muri-Gümligen. Sie, Haus, Garten und Frisur in selbem Masse gepflegt, vertreibt sich den Tag mit Spaziergängen mit dem Dackel und einer eigenen Galerie – in eben dieser Reihenfolge.

Gerne verbringt man die Ferien an exotischen Orten, um mit Begegnungen mit «Eingeborenen» bei den Bekannten angeben zu können. Jüngst reiste das Paar nach Namibia. Vom idyllischen Zuhause soll das Fremde aber bitte fernbleiben.

Aktuell aber ist Gähwilers Zuhause alles andere als ein Ort der Idylle: Denn der Sudanese, den Therese – ohne Absprache mit Ralph – schwarz als Gärtner eingestellt hatte, ist schwer verletzt. Blutend liegt er im teuer eingerichteten Wohnzimmer. Eine Ambulanz kommt für alle nicht in Frage, denn Ngundu weilt illegal in der Schweiz. Also muss ein befreundeter Veterinär erste Hilfe leisten.

Um den unliebsamen Gast loszuwerden, lassen die Gähwilers den halbwegs genesenen Ngundu nach einem Ausflug allein in den Bündner Bergen zurück. Doch dieser taucht bald wieder auf – nicht allein. Und bald ist Ralph Gähwiler nicht mehr Herr im eigenen Haus.

Nomination für den Prix du Public

Der gebürtige Berner Martin Guggisberg hat mit «Usgrächnet Gähwilers» seinen ersten Kinofilm gedreht und damit gleich eine Nomination für den Prix du Public errungen. Als Ehepaar Gähwiler verpflichtete Guggisberg Philippe Nauer und Ruth Schwegler, die schon in seinem skurrilen Kurzfilm «Buumes» ein Ehepaar mimten.

Guggisberg lässt nicht nur Ralph laufend politisch inkorrekte Gemeinplätze von sich geben, auch die gelangweilte Nachbarin der Gähwilers, Monika (Sonja Riesen), und ihr Mann und Ralphs Parteifreund Peter (Matthias Hungerbühler) sind nie um träfe Sprüche verlegen – die sie aber ganz so meinen.

Das Leid von Flüchtlingen wie Ngundu (gespielt von David Wurawa) interessiert Gähwiler und seine Nachbarn nicht im Geringsten. Einzig bei Therese macht sich hie und da das schlechte Gewissen bemerkbar. Mit seiner Parodie wolle er dem Publikum einen Spiegel vorhalten, erklärt der Regisseur.

Leider kann der Film das anfänglich angeschlagene Tempo der Handlung und der Komik nicht immer aufrechterhalten – es kommt zu gelegentlichen Durchhängern. Und wenn es zu ernsten Szenen kommt, funktionieren die Figuren nicht mehr.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Annina Hasler, SDA

kultur@luzernerzeitung.ch

Der Gärtner ist verunfallt! Nach dem verzweifelten Anruf seiner Frau eilt der konservative Lokalpolitiker Ralph Gähwiler (Philippe Nauer) nach Hause. (Bild: PD/outnow.ch)

Der Gärtner ist verunfallt! Nach dem verzweifelten Anruf seiner Frau eilt der konservative Lokalpolitiker Ralph Gähwiler (Philippe Nauer) nach Hause. (Bild: PD/outnow.ch)

Politisch höchst inkorrekt: Niemand darf den sich illegal in der Schweiz aufhaltenden Ngundu mit den Gähwilers in Verbindung bringen. Also versorgt der befreundete Tierarzt den Verletzten. (Bild: PD/outnow.ch)

Politisch höchst inkorrekt: Niemand darf den sich illegal in der Schweiz aufhaltenden Ngundu mit den Gähwilers in Verbindung bringen. Also versorgt der befreundete Tierarzt den Verletzten. (Bild: PD/outnow.ch)