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KINO: Gepflegter Grusel in Schweizer Sanatorium

Ein erfolgsverwöhnter US-Regisseur jongliert mit Motiven von Martin Scorsese, Stanley Kubrick und Thomas Mann. Das ergibt zweieinhalb Stunden hochklassigen Grusel. Ein junger Schauspieler beeindruckt dabei besonders.
Matthias von Viereck, dpa
Erinnert an Leonardo DiCaprio in «Shutter Island»: Jungstar Dane DeHaan begeistert in «A Cure For Wellness». (Bild: Twentieth Century Fox)

Erinnert an Leonardo DiCaprio in «Shutter Island»: Jungstar Dane DeHaan begeistert in «A Cure For Wellness». (Bild: Twentieth Century Fox)

Matthias von Viereck, DPA

kultur@luzernerzeitung.ch

Regisseur Gore Verbinski steht für eine der erfolgreichsten Kinoreihen: die legendären «Pirates of the Caribbean»-Filme mit Johnny Depp. Die ersten drei Teile der Piratensaga, entstanden unter seiner Ägide, spielten weltweit zusammen mehr als 2,5 Milliarden US-Dollar ein.

Zuerst aber hatte der Regisseur vor 15 Jahren mit der Neuverfilmung eines japanischen Horrorwerks international auf sich aufmerksam gemacht: Sein «Ring» mit Naomi Watts war ein weltweiter Hit. Nun beweist der Amerikaner mit «A Cure For Wellness» erneut, dass er ein Händchen für Grusel-Stoffe hat.

Auftrag im vermeintlichen Alpenparadies

Verbinski, der auch am Drehbuch beteiligt war, nennt seinen Pro­tagonisten schlicht Mr. Lockhart. Der ist ein so hochstrebender wie ermatteter Investmentbanker. Aus einem düsteren, sämtlicher Farben beraubten New York wird er in ein sonniges Alpenparadies geschickt – nur ein vermeintliches Paradies, wie sich herausstellt.

Lockhart soll den Chef seiner Firma zurück in die Staaten holen. Es geht um eine schwierige Fusion, da darf der Boss nicht fehlen. Dieser aber möchte (oder darf) das idyllisch gelegene Sanatorium nicht verlassen.

Als Lockhart merkt, wie wenig seine Überzeugungskunst bei der Leitung der Heilanstalt fruchtet, will er abreisen. Ein Unfall hindert ihn daran. Mit eingegipstem Bein findet er sich im Sanatorium wieder. Lockhart muss erkennen, dass man auch ihn nicht so rasch entlassen wird. Dem New Yorker Jungspund dämmert, dass es den höflichen Ärzten in ihren schneeweissen Unschuldskitteln weit weniger um die Genesung der Patienten geht, als sie vorgeben.

Die deutsch-amerikanische Koproduktion mutet wie ein unentwegt sich drehendes Zitaten-Karussell an. Immer wieder fühlt man sich an frühere Filme erinnert, muss mal an Martin Scorseses Psychothriller «Shutter Island», mal an einen der Gruselklassiker schlechthin denken: Stanley Kubricks «The Shining». Wenn Lockhart sich in den Gängen des Sanatoriums verliert, weckt das Erinnerungen an das in den Bergen von Colorado gelegene Hotel mit einem Axt schwingenden Jack Nicholson.

Am klarsten, neben kafkaesken «Schloss»-Momenten, sind die Verweise auf Thomas Manns «Zauberberg». Wie Hans Castorp in dem 1924 veröffentlichten Roman wird Lockhart viel länger im Schweizer Sanatorium bleiben als geplant. Wie im «Zauberberg» werden auch bei Verbinski die Toten des Sanatoriums heimlich entsorgt. Einmal gar hält ein Klinik-Mitarbeiter eine «Zauberberg»-Ausgabe in der Hand.

Atemberaubende Bildkompositionen

Vieles, was hier passiert, ist obskur und skurril; vor allem gegen Ende des Zweieinhalbstünders. Und doch fesselt der Streifen über die ganze Länge, was auch an der exquisiten Bildgestaltung liegt. In den letzten Jahren gab es wohl keinen Gruselfilm mit derart elegant komponierten Bildkompositionen, darunter atemberaubende Bergpanoramen.

Partiell bemerkenswert sind auch die schauspielerischen Leistungen. Wobei vor allem das eindringliche Spiel von Dane DeHaan nachklingt, dessen Lockhart an einen Leonardo DiCaprio erinnert. Der 31-Jährige empfiehlt sich hier als einer der interessantesten jüngeren Darsteller Hollywoods. DeHaans zwischen Arroganz und Verzweiflung changierenden, aus stahlblauen und blutunterlaufenen Augen kommenden Blick schüttelt man so schnell nicht wieder ab.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

Wie bald Lockhart dem Geheimnis wohl auf die Schliche kommt? (Bild: outnow.ch/PD)

Wie bald Lockhart dem Geheimnis wohl auf die Schliche kommt? (Bild: outnow.ch/PD)

Trotz beeindruckender Kulisse verheisst der Weg zum «Wellness»-Zenter in den Schweizer Alpen nichts Gutes. (Bild: outnow.ch/PD)

Trotz beeindruckender Kulisse verheisst der Weg zum «Wellness»-Zenter in den Schweizer Alpen nichts Gutes. (Bild: outnow.ch/PD)

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