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KINO: Ghostwriterin bastelt sich eine «wahre Geschichte»

Literaturverfilmungen leiden oft darunter, dem Stoff in ihrer verkürzten Form nicht gerecht ­ zu werden. So auch Roman Polanskis «D’après une histoire vraie». Und doch ist es ein solider Psychothriller.
Emmanuelle Seigner (links) durfte wählen und entschied sich für die Rolle der Delphine de Vigan. Eva Green spielt L. (Bild: Carole Bethuel)

Emmanuelle Seigner (links) durfte wählen und entschied sich für die Rolle der Delphine de Vigan. Eva Green spielt L. (Bild: Carole Bethuel)

Alles dreht sich um das «heimliche Buch» – «ton livre caché» –, das die Bestsellerautorin Del­phine de Vigan (Polanskis Ehefrau Emmanuelle Seigner) laut ihrer neuen Freundin «L.» («Elle», Eva Green) schreiben müsse, sich aber (noch nicht) zu schreiben getraue. Die Geschichte beginnt nach einer zermürbenden Autogrammstunde, welche die Promotour für de Vigans jüngsten autobiografischen Roman beendet.

Die ausgelaugte Schriftstellerin und die mysteriöse Schöne treffen sich auf einer Party und werden schnell beste Freundinnen. Nur zu dankbar ist die Autorin über die Fürsorge der Ghostwriterin, die sie nicht nur emotional unterstützt, sondern für de Vigan auch immer mehr Aufgaben übernimmt, wie das Beantworten von E-Mails. Es dauert zu lange, bis sich de Vigan eingesteht, wie sehr L. die Kontrolle über ihr Leben gewonnen hat. Sie wurde sukzessive ausgeschaltet.

Mit «D’après une histoire vraie» verfilmte Roman Polanski den gleichnamigen Bestseller von Delphine de Vigan aus dem Jahr 2015. Der Regisseur hält sich zwar exakt an die Vorgabe, was die äussere Handlung anbetrifft. Aus der 484-seitigen, in der Ich-Form geschriebenen Reflexion über den Wahrheitsbegriff in der Kunst macht Altmeister Polanski einen routinierten Thriller. Blendet aber die wesentliche und interessante Frage, die das Buch aufwirft, weitgehend aus – nämlich: Wie verhält es sich mit dem Label «nach einer wahren Geschichte», dessen Stempel Bücher und vor allem auch Filme inflationär tragen?

Buch um einiges ­vielschichtiger

Während die Ich-Erzählerin im Roman gegenüber L. daran festhält, dass ein fiktiver Stoff ebenso eine Wahrheit transportieren könne, fokussiert der Film auf dem Prozess der durchexerzierten Manipulation bis hin zum Verlust des eigenen Selbst. Die innere Weigerung der Autorin, die äusseren Zeichen dafür wahrzunehmen, lässt sich nur unzulänglich in Bilder übersetzen. Auch wirken die Dialoge manchmal wie heruntergerattert.

Für diejenigen, die den Roman nicht kennen, mag «D’après une histoire vraie» ein solider psychologischer Thriller sein (so schlecht wie die Kritiken ist der Film nicht) – und eine Anregung, Delphine de Vigans Roman zu lesen. Vom Erotikthriller, wie der Film auch etikettiert wird, ist er weit entfernt, auch wenn er da ein kleines Bisschen weiter geht als das Buch.

Regina Grüter

regina.grueter@luzernerzeitung.ch

Hinweis

«D’après une histoire vraie» läuft ab morgen im Kino Capitol (Luzern).

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