Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KINO: Günstling einer Königin

Regisseur Stephen Frears hat der Freundschaft der britischen Monarchin mit ihrem indischen Privatlehrer ein schwelgerisches Denkmal gesetzt: «Victoria und Abdul».
Daniel Kothenschulte
Königlicher Privatlehrer: Judi Dench und Ali Fazal. (Bild: Focus Features)

Königlicher Privatlehrer: Judi Dench und Ali Fazal. (Bild: Focus Features)

Daniel Kothenschulte

Fast 64 Jahre sass Königin Viktoria auf ihrem Thron, warum sollte eine Schauspielerin wie Judi Dench sie da nicht gleich zweimal im Abstand von zwanzig Jahren spielen? Überraschend ist eher, dass es sogar dieselbe Facette ihrer Persönlichkeit ist, die sie abermals verkörpert. «Ihre Majestät: Mrs. Brown» hiess damals John Maddens dezent-roman­tische Geschichte von der Queen und ihrem Stallburschen.

Nun also «Victoria und ­Abdul» – die Beinahe-Liebesgeschichte zu einem muslimischen Inder, der ihr 1887 ein symbolisches Geschenk aus der Kolonie nach England brachte.

Der indische Filmstar Ali Fazal verkörpert ihn als gewitzten Glücksritter, als frechen, aber auch glaubhaft treuen Vertrauten ihrer Majestät.

Es war keine «gefährliche Liebschaft»

Die Liebe der Königin zum entlegenen Teil ihres Empires, den sie nie betreten durfte, ist lange bekannt, und von ihrer Wertschätzung zu Abdul künden mehrere Porträts in ihrem Auftrag. «Der Munchi» heisst eines, das der Maler Laurits Tuxen noch im Jahr seiner Ankunft fertigte – ein typisches Beispiel für den schwärmerischen Orientalismus jener Zeit mit einem attraktiven Turbanträger in impressionistischem Licht.

Zum «Munchi», zum Privatlehrer, hatte die Königin den früheren Gerichtsschreiber gemacht und damit die Eifersucht des Hofstaates provoziert. Auch das war stets bekannt, doch erst das gleichnamige Buch der indischen Journalistin Shabani Basu (deutsch im Goldmann-Verlag erschienen) lüftete sein Geheimnis. Von früheren Biografen als Schwindler aus kleinen Verhältnissen abgetan, unterrichtete er die Königin dreizehn Jahre lang offenbar sehr erfolgreich in seiner Muttersprache Urdu. Ebenso viele handschriftliche Kladden Victorias fand die Journalistin un­geöffnet vor; später entdeckte sie sogar die Tagebücher Abduls im Besitz von Nachfahren in Karachi.

Auch wenn sich aus all dem keine «gefährlichen Liebschaften» herauslesen lassen, findet der britische Regisseur Stephen Frears doch genug Stoff für einen altmodischen Kostümfilm von gemächlich perlendem Charme.

Harmloses Kino, das wie ein Statement erscheint

Leicht könnte die Problematik des Kolonialismus in den hübschen Dekors verloren gehen, doch auch die politischen Begleitumstände bindet Frears geschickt ein: Ein zweiter Inder, der Abdul tatsächlich begleitete, jedoch in England starb, bringt die Themen immer wieder auf und fühlt dem Günstling damit auf den Zahn. Dagegen steht die unschuldige Liebesgeschichte, die Victoria für Abdul entwickelt; für den naiven Exotismus ihrer Zeit, der die wirtschaftliche und kulturelle Ausbeutung zum Liebesdienst verklärte. Als absolut ehrenwert muss man dagegen das Interesse der Königin am Islam betrachten, das offenbar aus ihren Handschriften belegbar ist. Und dies allein verschafft diesem sympathischen, aber auch obskuren Film eine besondere Aktualität: 52 Prozent der Briten halten nach einer Studie aus dem vergangenen August den Islam für eine Bedrohung. In Deutschland glaubten das 2015 sogar 57 Prozent, in der Schweiz lehnt eine Mehrheit den Islam sogar als Religion ab. Vor dem Hintergrund solch irrationaler Ängste, die an den Antisemitismus der Dreissigerjahre erinnern, muss einem ein harmloser Mainstream-Film wie «Victor und Abdul» schon wie ein politisches Statement ­erscheinen. Und durchaus als ein geschäftliches Risiko, richtet er sich doch an ein breites bürger­liches Publikum, in dem auch der islamfeindliche Populismus immer mehr Verbreitung findet.

Läuft in den Kinos Bourbaki (Luzern), Engelberg, Cinema 8 (Schöftland), Gotthard + Seehof (Zug).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.