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KINO: «Hacksaw Ridge» – Eine wahre Heldengeschichte

Desmond Doss rettet als Soldat im Zweiten Weltkrieg mehr als 70 Kameraden das Leben – ohne je ­ eine Waffe zu benutzen. Regisseur Mel Gibson lädt die Geschichte nun stark religiös auf.
Aliki Nassoufis, dpa
Andrew Garfield (links) in seiner Golden-Globe-nominierten Rolle als Desmond Doss. (Bild: Impuls Pictures/PD)

Andrew Garfield (links) in seiner Golden-Globe-nominierten Rolle als Desmond Doss. (Bild: Impuls Pictures/PD)

Aliki Nassoufis, DPA

kultur@luzernerzeitung.ch

Das Leben schreibt manchmal die besten Geschichten: Desmond T. Doss war ein junger Mann, als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Er war überzeugter ­Pazifist und trat dennoch der US-­Armee bei – und rettete schliesslich bei der Schlacht um Okinawa mehr als 70 Soldaten das Leben – ohne Waffengewalt. Diese unglaubliche Episode seines Lebens hat Mel Gibson in «Hacksaw Ridge» mit Andrew Garfield («The Amazing Spider-Man») in der Hauptrolle verfilmt.

Desmond Doss wächst in einer einfachen Arbeiterfamilie auf dem Land auf. Seine Eltern erziehen ihn stark religiös, und auch für Desmond spielt der Glaube eine grosse Rolle. Besonders prägt ihn aber ein heftiger Streit mit seinem Bruder, der gewaltsam eskaliert. Desmond schwört sich daraufhin, nie eine Waffe in die Hand zu nehmen.

Trotzdem meldet er sich bei Beginn des Zweiten Weltkriegs für den Armeedienst. Seine Familie und seine Kameraden nehmen an, dass Desmond nun in Kriegszeiten eine Ausnahme macht und sich an der Waffe ausbilden lässt. Doch der junge Mann bleibt sich treu und weigert sich, ein Gewehr auch nur anzufassen. Vor dem Militärgericht bekommt er Recht und darf als Sanitäter mit seiner Truppe in den Krieg ziehen.

Primat ­ des Religiösen

Inszeniert Mel Gibson das Werk zunächst als Drama um einen jungen Mann und dessen Kampf gegen seine Umgebung, entwickelt sich «Hacksaw Ridge» in der zweiten Hälfte zum brutalen Kriegsfilm. Denn bei der Schlacht um Okinawa stehen Desmond und seine Kameraden am Hack­saw-Rücken einer japanischen Übermacht gegenüber und scheinen keine Chance zu haben.

Es sind extrem explizite Bilder, die Regisseur Gibson hier zeigt: zerfetzte Körper, Gedärme, die aus dem Bauch hängen, bis zur Unkenntlichkeit entstellte Männer. Immer wieder erinnern diese opulenten Schlachtszenen an Gibsons Erfolg «Braveheart», der 1996 fünf Oscars gewann. Auch jetzt macht der Regisseur eindringlich klar, wie erbarmungslos und roh Krieg ist.

Das ist allerdings nicht sein einziges Anliegen. Stattdessen fokussiert Gibson auf Desmonds Glauben. Immerhin ist der amerikanisch-australische Regisseur spätestens seit seinem Film «The Passion Of The Christ» als streng gläubig bekannt. Deswegen macht er in «Hacksaw Ridge» immer wieder – viel zu oft – deutlich: Desmond handelt aus religiösen Gründen so, sein Glaube verbietet Gewalt.

Damit bleiben am Ende vor allem die Kampf- und Schlachtszenen, die «Hacksaw Ridge» zu einem eindringlichen Antikriegsfilm machen. Nach Kriegsende wurde Desmond Doss als erster US-Soldat, der den Dienst an der Waffe verweigerte, für seine Verdienste mit der höchsten militärischen Auszeichnung des Landes geehrt. Dass Mel Gibson dies aber so penetrant religiös auflädt und pathetisch unterlegt, hinterlässt einen schalen Nachgeschmack.

Bewertung: 3 von 5 Punkten

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