KINO: Harte Probe für Friedenswillen der Affen

Der neue «Planet Of The Apes» hat mehr von einer melancholischen Meditation als von üblichem Actionkino. Atmosphärische Bilder und ein durchgeknallter Woody Harrelson tun ein Übriges.

Matthias von Viereck (dpa)
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Unerwartete versöhnliche Begegnungen bleiben eher im Gedächtnis haften als die kämpferischen Auseinandersetzungen. (Bild: Foxfilm)

Unerwartete versöhnliche Begegnungen bleiben eher im Gedächtnis haften als die kämpferischen Auseinandersetzungen. (Bild: Foxfilm)

Matthias von Viereck (DPA)

Im Februar 2018 ist es 50 Jahre her, dass ein legendärer Science-Fiction-Film in den USA in die Kinos kam. «Planet der Affen» mit Charlton Heston wartete mit einer spannenden Frage auf: Was wäre, wenn nicht der Mensch, sondern der Affe die am weitesten entwickelte Spezies auf Erden wäre? Bis 1973 folgten vier Fortsetzungen, bis es im Jahr 2011 schliesslich im Kino einen Neustart der Serie gab: In «Rise Of The Planet Of The Apes» wird die Menschheit durch ein Virus dezimiert, während sich die Primaten emanzipieren. Teil zwei erzählte 2014 von der evolutionären Weiterentwicklung der Affen, von ihrem Kampf gegen eine zusammengeschrumpfte Menschheit. Jetzt kulminiert die Auseinandersetzung um die Vorherrschaft auf unserem Planeten in «War For The Planet Of The Apes». Erneut schenkt der Brite Andy Serkis dem Affenanführer Caesar seine Mimik. Und Woody Harrelson verkörpert Caesars menschlichen Gegenspieler. Es geht in diesem Film unter der Regie von Matt Reeves um nicht weniger als die Ungewissheit, ob sich die Erde sukzessive zu einem Planeten der Affen entwickelt.

Die Primaten rund um Caesar, den grossen Schimpansen, sind zwar grundsätzlich friedlich gestimmt. Die nach einer weltumspannenden Pandemie noch lebenden Menschen aber sind auf Rache aus. Dazu gehört nicht zuletzt ein glatzköpfiger Colonel (Harrelson), der sich in einer burgartigen Festung verschanzt hält. Caesars Friedenswille indes wird auf eine harte Probe gestellt, als er eines seiner geliebten Kinder verliert. Der Anführer der Affen muss sich entscheiden: Führt er den Aufbau einer friedlichen Affengesellschaft (längst kann sich ein Gutteil der Primaten verbal verständigen, verfügen die Affen über menschenähnliche Kulturtechniken) fort, oder gibt er sich seinem Ärger hin?

Wie in den Vorgängerwerken von 2011 und 2014 sind es auch diesmal die per Computertechnik ins Leben gerufenen Menschenaffen, die einen mit ihrer realistischen Anmutung ein ums andere Mal betören. Da haben es die menschlichen Darsteller ungleich schwerer.

Von Kriegsfilmen inspiriert

Ohnehin ist es diesmal nur ein Schauspieler, der nachhaltig beeindruckt: Woody Harrelsons zwischen Verzweiflung und Wahnsinn, Brutalität und Trauer changierender Colonel. Sein Spiel lässt zudem immer wieder an einen Klassiker der Kino­geschichte denken: Francis Ford Coppolas Kriegsdrama «Apocalypse Now». Überhaupt scheint sich Regisseur Reeves in Vorbereitung auf diese Weitererzählung von US-Kriegsfilmen à la «Platoon» inspiriert haben zu lassen. Zwar geht es auch im dritten Teil der Affensaga beim Kampf Mensch gegen Primat teils gehörig zur Sache, doch handelt es sich bei «War For The Planet Of The Apes» um kein handelsübliches Actionspektakel. Dafür ist die Grundstimmung zu elegisch, ja teils fast nachdenklich. Im Gedächtnis bleiben weniger die kämpferischen Auseinandersetzungen als manch wunderbar erzählte, unerwartet versöhnliche Begegnung zwischen Mensch und Tier. Zum Gelingen des Films trägt indes auch die famose, der schwerblütigen Stimmung zuträgliche Musik von Komponist Michael Giacchino bei.

Dass es dem stark fotografierten 140-Minüter, der in 3D in die Kinos kommt, nicht gelingt, aus dem Gegensatz Mensch/Affe derart viel an Kapital zu schlagen wie seine Vorgänger, muss als Manko notiert werden. Der atmosphärischen Inszenierung aber tut das keinen Abbruch.