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KINO: «Heavenly Nomadic» – Spannungen zwischen Tradition und Moderne

Das reizvolle Debüt von Mirlan Abdykalyow erzählt vom Leben einer Nomaden­familie im Hochgebirgsland Kirgisistan. Hintergrund ist ein tragischer Unfall.
Der Grossvater (Tabyldy Aktanov) tröstet Umsunai (Shibek Baktybekowa) mit alten Legenden. (Bild: PD)

Der Grossvater (Tabyldy Aktanov) tröstet Umsunai (Shibek Baktybekowa) mit alten Legenden. (Bild: PD)

Die Pferde züchtende Nomadenfamilie besteht aus einem alten Hirten und seiner Frau, ihrer Schwiegertochter Schaiyr (Taalaikan Abasowa) und deren siebenjähriger Tochter Umsunai (Shibek Baktybekowa). Auch Schayirs Sohn, der in der Stadt an der Universität studiert, kommt einmal für einige Ferientage zu Besuch und erzählt den staunenden Angehörigen vom modernen Leben.

Unwegsame Gegend

Schayirs Ehemann ist vor Jahren in einem nahen Fluss ertrunken und wird von Umsunai schmerzlich vermisst. Seitdem ihr der Grossvater eine alte Nomadenlegende erzählt hat, glaubt sie jedoch fest daran, dass sich ihr Vater nur in den Steinkauz verwandelt hat, der über ihren Zelten seine Kreise zieht und seine vertrauten Rufe ausstösst. Schaiyr hat nach dem Tod ihres Mannes beschlossen, bei den betagten Schwiegereltern zu bleiben.

In dieser unwegsamen Gegend erinnert nur die in der Nähe errichtete Wetterstation daran, dass die Zivilisation auch bis hierher vorgedrungen ist. Und nun hat sich Schaiyr in Jermek (Shenisch Kangeldijew), den Meteorologen der Messstation, verliebt. Der hat sie oft und gern besucht und drängt sie, mit ihm in die Stadt zu ziehen. Schaiyr tut sich aber schwer mit einer Entscheidung.

«Heavenly Nomadic» ist der erste lange Spielfilm des 1982 geborenen kirgisischen Schauspielers und Regisseurs Mirlan Abdykalyow. Der Sohn des hierzulande mit «Beshkempir» (1998) bekannt gewordenen Regisseurs Aktan Arym Kubat schildert dabei in einem schlichten Erzählton die Spannungen zwischen traditionellen und modernen Lebensvorstellungen in seiner Heimat.

Oder, in den Worten des Autors selbst: «Kirgisistan ist ein kleines Land und in Zeiten der Globalisierung besteht die Gefahr, dass es verschwinden könnte, wenn wir nicht sein einzigartiges Gesicht erhalten: unsere Kultur, Sprache und Identität. Ich möchte im Film von dem Konflikt zwischen der modernen Welt und den langsam schwindenden Traditionen erzählen und von der dringenden Notwendigkeit, sie zu erhalten.»

Dargestellt werden die Spannungsebenen dabei weniger durch einen dramaturgisch zugespitzten Plot als durch eine Reihe von Alltagsszenen, die in der ebenso malerischen wie gewaltigen Berglandschaft eine besondere poetische Kraft gewinnen. Die Witwe steht vor der Wahl zwischen einer einfachen, vielleicht aber auch sehr zufriedenstellenden Existenz als Pferdezüchterin und einem komfortableren und bescheidenen Wohlstand versprechenden Leben in der Stadt an der Seite eines geliebten Mannes.

Erzählerischer Sog

Mit seinen einprägsamen Darstellern macht der Film diesen inneren Konflikt glaubwürdig nachvollziehbar, auch wenn man der Produktion an einzelnen Stellen noch die Unsicherheit des Erstlings anmerkt. So wirken zum Beispiel einmal dazwischen montierte Einstellungen von Baumaschinen und Lastwagen, die vom zukünftigen Bau einer Strasse durch das Tal und gleichsam vom «gewaltsamen Einbruch der Moderne» künden, ziemlich ungeschickt. Insgesamt verfügt der Film aber gleichwohl über einen erzählerischen Sog, der einen in diese ferne, doch menschlich nahe Welt hineinzieht und zu bezaubern vermag.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Peter Mosberger

«Heavenly Nomadic» läuft ab Donnerstag im Stattkino (Luzern).

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