Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

KINO: Hier braut sich was zusammen

Über «Heimatland» wurde am Filmfestival Locarno heftig gestritten. Es ist ein spannender Episodenfilm, der im Kollektiv entstand. Trotz Mängeln ist er sehr sehenswert.
Angesichts des drohenden Untergangs des Landes wollen die Menschen flüchten. So einfach geht das aber nicht. (Bild: PD)

Angesichts des drohenden Untergangs des Landes wollen die Menschen flüchten. So einfach geht das aber nicht. (Bild: PD)

Andreas Stock

Unverbrauchte Gesichter, junge, engagierte Filmschaffende, ein aktuelles, brisantes Thema, das zur Diskussion herausfordert, eine kraftvolle Inszenierung. Dies sind alles gute Gründe, wieso «Heimatland» einer der spannenderen Schweizer Filme dieses Jahres ist.

Am Filmfestival Locarno, wo der Episodenfilm im Internationalen Wettbewerb zwar leer ausging (er erhielt den dritten Preis der Jugendjury), gehörte er zu den am meisten diskutierten Filmen. Was viel mit seiner Handlung und Machart zu tun hat.

Die Wolke als Metapher

Zuerst zur Handlung: «Heimatland» erzählt im Stile eines Katastrophenfilms von einer existenziellen Bedrohung. Eine dunkle, meteorologisch unerklärliche Wolke braut sich ausschliesslich direkt über der Schweiz zusammen. Das finstere Gewölk, so stellt sich heraus, wird sich als katastrophaler Sturm entladen und dabei das ganze Land zerstören.

Es ist eine starke, plakative Metapher, die «Heimatland» so entwirft. Eine derart verheerende Naturkatastrophe verunsichert und überfordert selbst ein Land, das gegen alles versichert scheint. Wie würden die Schweizer in so einer Situation reagieren?

Der Film zeichnet davon ein pes­simistisches Bild. Egoismus und Vereinzelung dominieren. Anhand un­terschiedlichster Menschen wird ­episodisch und in ständigen Schauplatzwechseln erzählt.

Unter ihnen der Filialleiter eines Supermarkts, eine Versicherungsangestellte, Fussballfans, zwei auf sich allein gestellte, junge Geschwister, eine Witwe, eine Polizistin, eine ländliche Dorfgemeinschaft. Formal ist das beeindruckend – düstere Stimmung in prägnanten Bildern.

Aus zehn Filmen wird ein Film

Entstanden ist der Episodenfilm auf ungewöhnliche Art. Zwar haben sich schon vielfach Regisseure für eine Compilation zusammengetan; nur drehte dann jeder eine abgeschlossene Episode. Hier haben Lisa Blatter, Gregor Frei, Jan Gassmann, Benny Jaberg, Carmen Jaquier, Michael Krummenacher, Jonas Meier, Tobias Nölle, Lionel Rupp und Mike Scheiwiller zwar je eine eigene Episode geschrieben und inszeniert. Doch Jan Gassmann und Michael Krummenacher haben dann aus zehn einzelnen Geschichten eine ineinander verschränkte Dramaturgie montiert.

Eine Herkulesaufgabe, die freilich nicht ohne Nahtstellen, Brüche und dissonante Tonalität zu bewältigen ist. Dies, obwohl das Kollektiv sich auf ­Gemeinsamkeiten einigte, damit eine Zusammenführung dramaturgisch überhaupt möglich war. Dennoch ist unvermeidlich, dass mancher Handlungsfaden, wie beispielsweise um die Fussballfans, stillschweigend fallen gelassen werden muss.

Trotz einer einheitlichen Bildsprache (man teilte sich drei Kameraleute) unterscheidet sich der Charakter der Inszenierung: Groteske, Kammerspiel, Psychodrama und Gesellschaftssatire wechseln sich hart ab, die Figurenzeichnung wirkt teils schablonenhaft.

Courage mit böser Pointe

«Heimatland» kann man all dies zwar vorwerfen. Doch überwiegt hier die Kraft und Courage einer jungen Generation Filmemacher aus der Deutsch- und Westschweiz, die etwas sagen will. Die sich gemeinsam in Leidenschaft mit der Schweiz beschäftigen und ihre Zweifel und Beunruhigung artikulieren. Ihr Film sei «keine moralische Handlungsanweisung zu einer besseren Schweiz», sondern einer, der die Zuschauer zum Nachdenken über unser Land und ihr eigenes Verhalten anregen wolle, sagt Michael Krummenacher. Diese Haltung prägt einen Film, der als Statement von zehn jungen Filmschaffenden verstanden werden will. Und mit dessen böser Pointe sie formulieren, wohin einen die Isolation führen könnte.

Hinweis

«Heimatland» läuft ab Donnerstag in den Kinos Bourbaki (Luzern), Gotthard (Zug) und im Mythen-Forum (Schwyz).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.