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KINO: Hilflos auf hoher See

«The Mercy» erzählt die wahre Geschichte des Amateurseglers Donald Crowhurst, der 1968 zur ersten ­Einmann-Nonstop-Umsegelung der Welt aufbrach. Colin Firth enttäuscht in der Hauptrolle.
Der unerfahrene Segler Donald Crowhurst (Colin Firth) will einen Weltrekord aufstellen, hat aber schon zu Reisebeginn Probleme. (Bild: Impuls)

Der unerfahrene Segler Donald Crowhurst (Colin Firth) will einen Weltrekord aufstellen, hat aber schon zu Reisebeginn Probleme. (Bild: Impuls)

James Marsh liebt Geschichten um ungewöhnliche Menschen. Er hat mit «Man On Wire» (2008) einen packenden Dokumentarfilm um den Seiltänzer Philippe Petit vorgestellt und liess uns in «The Theory of Everything» (2014) am Leben des kürzlich verstorbenen Physikers Stephen Hawking teilhaben. In «The ­Mercy» nun erzählt er von Donald Crowhurst. Den kennt ­heute kaum jemand, dabei ist es so lang nicht her, da stand sein ­Name in jeder Zeitung. Man schrieb das Jahr 1967, als Sir ­Francis Chichester als erstem Einhandsegler die Weltum­seglung gelang. Im Anschluss ­daran lud die «Sunday Times» zur «Golden Globe Race»: einer ­nonstop um die Welt führenden Einhandsegler-Regatta. Als letzter Teilnehmer stach am 31. Oktober 1968 in Teignmouth Donald Crowhurst in See. Er war ­Pilot der Royal Air Force, betrieb eine Elektriker-Bude und hatte ein neuartiges Funkpeil­gerät erfunden. Obwohl Crowhurst keine ­Segelerfahrung hatte, war er überzeugt, zu gewinnen; wie die Presse berichtete, hatte er im Rennen die Nase lange vorn.

Family-Hero verstrickt sich in Lügen

«The Mercy» setzt einiges früher ein und zeigt Crowhurst mit seinen Kindern an der 25. Londoner Bootsmesse. Laut und fröhlich geht es zu; obwohl Chichester vor den Schrecken der Meere warnt, sorgt die Regatta-Ausschreibung für helle Aufregung. Crowhurst packt die Abenteuerlust. Er meldet sich an. Nebenbei errechnet er, dass das Preisgeld von 5000 £ reichen dürfte, um seine Firma wieder auf Vordermann bringen zu können, noch bevor er seiner Frau (Rachel Weisz) gestehen muss, wie schlecht es um diese steht. Crowhurst findet einen Sponsor und einen PR-Agenten und lässt nach eigenen Ent­würfen einen Trimaran bauen. Dass sich der Bootsbau verzögert, Crowhurst schliesslich auf einem unfertigen Boot aufbricht, lässt ihn vom Vorhaben nicht abbringen: Es ist dies auch eine Frage der Ehre.

Glänzend gelingt es Marsh, den von Colin Firth («The King’s Speech») gespielten Crowhurst vorerst als sympathischen Family-Hero einzuführen. Doch kaum auf See, verliert Crowhurst seine Sicherheit, in der Folge verstrickt er sich je länger, je mehr in ab­struse Lügen. Und dieser Teil von «The Mercy», der erzählt, wie die Familie um Crowhurst bangt und die Redaktionen weitgehend erfundene Erfolgsmeldungen absetzen, derweil Crowhurst hilflos über die Meere treibt, ist je länger, je uninteressanter. Nicht nur, weil Marsh den Spannungsbogen nicht zu halten vermag. Sondern auch, weil Firth in den zahllosen Einzelszenen, die er hier hat, nie wirklich ins Innere von ­Crowhurst vorzudringen vermag. Schade.

Irene Genhart

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