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KINO: «Ich glaube an die Pressefreiheit»

Steven Spielberg verfilmte die Geschichte um die Desinformation der US-Bevölkerung im Vietnam-Krieg. Der Kultregisseur über Parallelen zu heute, die erste Arbeit mit Meryl Streep und anstrengende Wahrheitsfindung.
Marlène von Arx
Die Redaktion erwartet den Entscheid des Obersten Gerichtshofs (Tom Hanks, Dritter von links, rechts von ihm Meryl Streep). (Bild: Universal Pictures)

Die Redaktion erwartet den Entscheid des Obersten Gerichtshofs (Tom Hanks, Dritter von links, rechts von ihm Meryl Streep). (Bild: Universal Pictures)

Interview: Marlène von Arx

Steven Spielberg, es heisst, Sie hätten noch nie einen Film so schnell umgesetzt wie «The Post». Weshalb die Eile?

Ich habe am Sci-Fi-Film «Ready Player One» gearbeitet, als ich letzten Februar das Drehbuch zu «The Post» zu lesen bekam. Das Timing war unglaublich. Diese Geschichte, wie die Regierung damals mit der Wahrheit umging, wie das die Presse konterte und was dabei herauskam, musste man sofort erzählen. Ich konnte nicht warten, bis ich in der zweiten Hälfte 2018 wieder frei war. Also habe ich – nicht zum ersten Mal – an zwei Filmen gleichzeitig gearbeitet und «The Post» in neun Monaten fertiggestellt.

Die Wahrheit scheint im Gegensatz zu 1971 heute keine Konsequenzen mehr in der amerikanischen Politik zu haben. Oder wie sehen Sie das?

Ich glaube, dass jeder nach der Wahrheit strebt, aber es gibt auch Leute, die nur hören wollen, was sie bereit sind zu hören, auch wenn das nicht der Wahrheit entspricht. Heute im Zeitalter von «Fake News» gibt es im Internet und auf Social Media so viel Lärm und Fehlinformation, dass man sich wirklich anstrengen muss, die Wahrheit zu finden. Als ich ein Jungspund war, wurde sie mir einfach von den Eltern oder der Zeitung serviert. Wenn die mir etwas sagten oder ich etwas las, glaubte ich das. Das ist heute ­anders.

Ist «The Post» eine indirekte Kritik an der Trump-Administration?

Es ist offensichtlich, dass der Film uns einen Spiegel vorhält. Nixon war ein Präsident, der die Wahrheit nicht in solchen Ehren gehalten hat, wie sie es verdient – da gibt es also ganz klar Parallelen zu heute. Aber ich habe den Film nicht als Demokrat gemacht. Ich halte den Film für unparteiisch und patriotisch. Ich glaube an die Pressefreiheit. Die Journalisten sind die Helden in dieser Geschichte. Mit der Veröffentlichung der «Pentagon Papers» und dann Watergate wurden die «Washington Post» und die «New York Times» so etwas wie die vierte Gewalt im Staat. Dass diese heute hinterfragt wird, halte ich für falsch.

Glauben Sie, dass der Film etwas ändern kann?

Ich glaube durchaus, dass Filme etwas bewirken können, denn sie können ein komplexes Thema verständlich machen. Ich hoffe natürlich, dass der Film den ­Leuten ins Bewusstsein ruft, was es für einen Effort braucht, die Wahrheit zu finden und zu drucken. Das ist in meinen Augen wichtiger, als den Glanzzeiten der Printmedien nachzutrauern. Print ist im digitalen Zeitalter eine Antiquität, aber die Wahrheit wird nie eine Antiquität sein.

Sie haben vor «The Post» noch nie mit Meryl Streep gearbeitet. Warum?

Schwer zu glauben auch, dass Tom Hanks und Meryl Streep noch nie einen Film zusammen gemacht haben! Sie passte halt nicht in «War Horse», und in «Lincoln» hatte es auch keine Rolle für sie. Ich kenne Meryl seit vielen Jahren privat, weil wir beide gute Freunde von Carrie Fi­sher waren. Wir haben oft fantasiert, dass wir eines Tages zusammenarbeiten werden. Für die Rolle der Verlegerin Katharine Graham, die in der Männerwelt ihre Stimme fand, kam dann wirklich niemand anderes als Meryl in Frage. Ich bin stolz, dass ich der Regisseur sein durfte, als sie sich als Schauspielerin einmal mehr selber übertraf.

Wie politisch engagiert waren Sie 1971, als sich das Drama der «Pentagon Papers» ereignet?

In meinem Kopf drehte sich alles um meine 16-mm-Filme, die ich im College realisierte. Ansonsten hoffte ich, nicht nach Vietnam eingezogen zu werden. Glücklicherweise hatte ich eine hohe Nummer, die nicht gezogen wurde. Von den «Pentagon Papers» habe ich ehrlich gesagt erst viel später etwas mitbekommen.

Sie sind jetzt 71. Welchen Tipp würden Sie dem jungen Spielberg heute geben?

Ich würde sagen: Entspann dich, Junge. Du wirst es schon schaffen, mach dir nicht so viele Sorgen. Und hör auf, an den Fingernägeln zu kauen!

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