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KINO: Jessica Chastain könnte alles spielen

Jessica Chastain gehört derzeit zu den gefragtesten Hollywoodstars. Sie sucht aber bewusst komplexe Rollen wie jetzt im Politdrama «Miss Sloane». Und sie engagiert sich aktiv für mehr Frauen im Filmgeschäft.
Andreas Stock
Hollywood-Star und engagierte Feministin: Jessica Chastain. (Bild: Tristan Fewings/Getty (Cannes, 28. Mai 2017))

Hollywood-Star und engagierte Feministin: Jessica Chastain. (Bild: Tristan Fewings/Getty (Cannes, 28. Mai 2017))

Andreas Stock

Selbstbewusst und herausfordernd blickt sie in die vielen Kameras, die auf ihr blasses Gesicht mit den leuchtend rot geschminkten Lippen und ihr langes, kupferrotes Haar gerichtet sind. Ihre ernste und zugleich entspannte Art an der Medienkonferenz am Ende des Filmfestivals von Cannes ist der in manchen ­Szenen von «Miss Sloane» nicht ­unähnlich. Jenem Politdrama mit Jessica Chastain, das heute in die Kinos kommt (siehe Kasten).

In Cannes servierte die amerikanische Schauspielerin ihre sorgfältig formulierte Kritik mit einem Lächeln. Als Mitglied der Wettbewerbsjury beklagte sie die Art und Weise, wie Frauen in vielen Filmen gezeichnet worden sind. Die Frauencharaktere seien oft «erschreckend» gewesen. Sie hoffe darauf, dass künftig mehr Drehbuchautorinnen an Filmen arbeiteten und so mehr interessante Geschichten von Frauen im Kino zu sehen sein würden.

Feministin ist für sie kein Schimpfwort

Es ist nicht das erste Mal, dass Chastain die männliche Dominanz im Filmgeschäft und ein damit einhergehendes, klischeehaftes oder eindimensionales Frauenbild beklagt. Die 40-Jährige ist eine der prominentesten Advo­katinnen für Frauenrechte in ­Hollywood. Sie zählt mit Kristen ­Stewart, Emily Blunt oder Nicole Kidman zu den Schauspielerinnen, die sich laut für gleichwertige Gagen stark machen und generell mehr Frauen in Führungsrollen im Filmgeschäft fordern. Chastain ist immer wieder an­zutreffen an Frauenmärschen in New York und anderen US-Städten, wenn es um Gleichstellung und Frauenrechte geht. Das Wort Feministin ist für sie kein Schimpfwort. Und sie belässt es nicht bei Worten oder Demons­trationen. 2016 gründete Chastain die von Frauen geführte Produktionsgesellschaft Freckle Films in New York. Diese hat sich die Filmrechte für vier Bücher um spannende Frauenfiguren ge­sichert. Chastain: «Ich möchte Regisseurinnen und Drehbuchautorinnen die Möglichkeit geben, dass ihre Stimme gehört wird.»

Zum Film kommt Jessica Michelle Howard (Chastain ist der Mädchenname der Mutter) über das Theater. Ihre Grossmutter weckt die Liebe für die Bühne, sie absolviert die renommierte Juilliard Drama School in New York und tritt danach unter anderem an der Seite von Al Pacino auf; es folgen Fernsehauftritte und eine erste Kinorolle. Dann steht sie in «The Dept» ein erstes Mal für Regisseur John Madden vor der Kamera, der auch für «Miss ­Sloane» verantwortlich zeichnet. «The Debt» kommt 2011 ins Kino – das Jahr, das Chastains Karriere furios lanciert. Gleich sechs Filme mit ihr starten, zwei darunter machen besonders ­Furore: In Terrence Malicks lyrischem Familiendrama «The Tree of Life» spielt sie eine fürsorg­liche Mutter an der Seite von Brad Pitt. Der Film gewinnt unter ­anderem die Goldene Palme in Cannes. Und in «The Help» über schwarze Hausangestellte im US-Süden der Sechzigerjahre verkörpert sie eine blonde, naive Ehefrau. Diese Celia hätte mit ihren Stereotypen eine eindimensio­nale Figur werden können. Chastain macht daraus eine tragikomische Rolle; das mündet in ihre erste Oscar-Nomination.

Nun kann sie sich ihre Filme aussuchen: Sie habe keine Lust, in Filmen mitzuwirken, worin sie ein Fräulein spiele, dass herumsitze und auf einen Mann warte, sagt sie. Und spielt Maya, eine CIA-Agentin mit scharfem Verstand, die den Terroristen Osama bin Laden jagt. «Zero Dark Thirty» von Kathryn Bigelow führt 2013 zur zweiten Oscar-Nomination, und sie gewinnt den Golden Globe sowie weitere Preise.

Vergleiche mit Meryl Streep

Jessica Chastain ist attraktiv, aber sie ist vor allem eine herausragende Darstellerin, die den Ruf hat, sich intensiv vorzubereiten. Sie könnte alles spielen und wird, was ihren nuancierten Ausdruck betrifft, mit Meryl Streep ver­glichen. Sie liebt differenzierte Charaktere wie im Liebesdrama «The Disappearance of Eleanor Rigby», das sie mitproduziert hat. In Blockbuster-Filmen wie «Interstellar» und «The Mar­tian» schlüpft sie in heroische Nebenrollen: Frauen, die Einfluss auf die Ereignisse haben, jedoch nicht von Männern abhängig sind. Grossartig ist sie auch im Drama «A Most Violent Year» als blonde Gangsterbraut, aus der sie eine schwer zu durchschauende, kühle Frau macht. Sie sucht herausfordernde Rollen, unkonventionelle Charaktere mit geheimnisvollen, dunklen Seiten. Wie in «Miss Sloane» oder auch im Horrormärchen «Crimson Peak» als mörderische Schwester.

Mehr Frauen als bei jedem anderen Film

Als Nächstes folgt das Drama «The Zookeeper’s Wife» nach der wahren Geschichte eines Zoodirektor-Paares in Warschau, das während der deutschen ­Besatzung verfolgten Juden Zuflucht bietet. Im «The Hollywood Reporter» hat Chastain ihre po­sitive Erfahrung bei den Dreharbeiten beschrieben: «Nicht die Hälfte der Crew war weiblich, wir machten vielleicht 20 Prozent aus, aber es waren viel mehr als bei jedem anderen Film, bei dem ich bislang mitgewirkt habe.» ­Regie geführt hat Niki Caro («The Whale Rider»), der Roman von Diane Ackermann wurde von Angela Workman adaptiert.

In Hollywood ist dank Frauen wie Jessica Chastain einiges in Bewegung. Und der Erfolg von «Wonder Woman» bestärkt sie. Demnächst macht Charlize Theron als unzimperliche britische Agentin in «Atomic Blonde» dem amtsmüden James Bond Konkurrenz. Und Chastain soll im nächsten «X-Men»-Abenteuer mitwirken. Eines ist sicher: Auf einen Mann wird Jessica Chastain, die im Juni den italienischen Grafen Gian Luca Passi De Preposulo ­geheiratet hat, auch in diesem Film nicht warten.

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