Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KINO: Max Hubacher: «Ich machte diese Machokultur mit»

Max Hubacher brilliert im Filmdrama «Mario». Er spielt ein Nachwuchstalent, das sich in einen Mitspieler verliebt. Der 24-jährige Berner Schauspieler über das Tabuthema Homosexualität im Fussball.
Lory Roebuck
Die Fussballer Mario (Max Hubacher, links) und Leon (Aaron Altaras) müssen ihre Gefühle füreinander vor den anderen verbergen. (Bild: Frenetic)

Die Fussballer Mario (Max Hubacher, links) und Leon (Aaron Altaras) müssen ihre Gefühle füreinander vor den anderen verbergen. (Bild: Frenetic)

Interview: Lory Roebuck

kultur@luzernerzeitung.ch

Max Hubacher, wie viele Profifussballer sind Ihnen bekannt, die sich outeten?

Mir fällt nur ein einziger ein: Thomas Hitzelsperger.

Weshalb ist Homosexualität im Fussball noch immer ein Tabuthema?

Fussball ist extrem testosterongeladen, es geht um ein bestimmtes Männlichkeitsbild, das sich mit Homosexualität offenbar schlecht vereinbaren lässt. Wenn sich einer in der Mannschaft als schwul outet, fühlen sich viele davon bedroht, sie denken sich dann: Steht der auf mich? Aber das ist arrogant. Es stehen ja nicht alle Frauen auf dich, warum sollte dann automatisch ein homosexueller Mann auf dich stehen?

Sie haben selber lange Fussball gespielt. Herrschte in den Garderoben Machokultur?

Ja, eh. Und ich habe diese Machokultur selber mitgepflegt. Klar fielen bei uns Sprüche wie «Du bist so eine Schwuchtel» oder «Lass bloss die Seife nicht fallen», auch von mir. Als Jugendlicher begreifst du nicht, dass das diskriminierend ist. Dieses Bewusstsein stellt sich erst später ein – aber nicht bei allen.

Fussball ist physisch. Doch sobald es intim wird, fürchten sich Männer vor anderen Männerkörpern. Warum?

Ja, Fussballspieler berühren sich auf dem Platz ständig, und es gibt auch Spieler, die sich beim Torjubel küssen, so wie früher der Torhüter Fabien Barthez. Aber wenn du plötzlich merkst, dass dir einer nicht bloss als Witz immer an die Eier fasst, ist für viele eine Grenze überschritten. Es muss beim Spass bleiben.

Macht es einen Unterschied für Sie, ob Sie eine intime Szene mit einer Frau oder einem Mann drehen?

Ich hatte zuvor noch nie eine Liebesszene mit einem Mann gedreht und war deshalb schon etwas aufgeregt. Aber als es dann so weit war, merkte ich: Das ist nicht viel anders als mit einer Filmpartnerin.

Mario muss im Film ein bestimmtes Image vertreten, damit seine Sponsoren nicht abspringen. Ist das Geld im Fussball Teil des Problems?

Ja. Nehmen wir doch als Beispiel den Fussballer Neymar, der für 220 Millionen Franken den Club gewechselt hat. Dieser Preis hat nichts mehr mit seinen Fähigkeiten als Fussballer zu tun, sondern damit, dass er eine Marke ist. Er wird als idealer Fussballer vermarktet, da hat es keinen Platz für Abweichungen, sonst würde sein Marktwert sofort sinken. Es ist doch so: Wenn ein schwuler Fussballer plötzlich keine Tore mehr schiesst, würde es doch sofort heissen: Er hätte sich nicht outen sollen, er kann mit diesem Druck nicht umgehen. Viele Personen, mit denen wir vor dem Dreh gesprochen haben, nannten das als Grund, warum sie Spieler nicht dazu raten, sich zu outen.

Ob «Mario» oder «Der Verdingbub»: Sie spielen oft besonders leidensfähige Figuren. Suchen Sie sich das bewusst aus?

Eine Geschichte funktioniert nur über den Konflikt, über den Leidensweg. Ein junger Fussballer, bei dem alles gut läuft, ist nicht spannend. Ich möchte, dass Zuschauer etwas Neues erfahren und sich nach dem Film Gedanken darüber machen. Meine Filme sollen etwas bewirken.

Was für eine Wirkung erhoffen Sie sich durch «Mario»?

Als sich kürzlich der Schweizer Schiedsrichter Pascal Erlachner geoutet hat, habe ich Kommentare gelesen, in denen stand: «Na und? Ich bin hetero, aber das muss ich doch nicht herausposaunen.» Das zeigt mir umso mehr, wie wichtig diese Diskussion ist. Solange Homosexualität beim Fussball ein Tabuthema ist, bleiben diese falschen Bilder davon in den Köpfen sitzen. Es würde mich freuen, wenn sich nach unserem Film mehr Fussballer outen oder wenn sie sich zumindest weniger alleine fühlen. Das längerfristige Ziel muss aber sein, dass Themen wie Sexualität und Hautfarbe nicht mehr ins Gewicht fallen.

Hat «Mario» den Zauber des Sports zerstört?

Ganz ehrlich: Diese Illusion der Glitzerwelt des Fussballs ist bei mir schon lange zerstört. Aber der Film ist kein Grund, Fussball zu boykottieren. Ich liebe es auch jetzt noch, Fussball zu spielen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.