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KINO: «Melody of Noise» – der Alltag wird zur Komposition

Die Filmemacherin Gitta Gsell macht sich in «Melody of Noise» auf die Spur von Schweizer Musikern, die ihre Klangwelten überall suchen. Ein clever montiertes, audiovisuelles Erlebnis.
«Klänge stecken in jedem Material – ich hole nur heraus, was schon da ist», sagt Julian Sartorius in «Melody of Noise». (Bild: PD)

«Klänge stecken in jedem Material – ich hole nur heraus, was schon da ist», sagt Julian Sartorius in «Melody of Noise». (Bild: PD)

Andreas Stock

Geräusche von Maschinen und Naturgeräusche sind zu hören. Das Rattern einer Nähmaschine, der Lärm aus dem Schlund einer Abfalldeponie, das Plätschern des Wassers eines Bachs. Dann das Klackern der Schritte von Menschen, die eine Treppe hinauf- und heruntergehen, was langsam in den Rhythmus eines Schlagzeugs übergeht.

In den ersten Bildern und Tönen wird deutlich, worum es in «Melody of Noise» geht: Um Alltagsgeräusche, die zur Musik werden können; um Musiker, die aus «Lärm» eine Komposition erschaffen. Bruno Spoerri, der berühmte experimentierfreudige Musiker im Grenz- und Umland von Jazz und Electronica, sagt: «Erst eine Musik, der man nicht zuhören will, ist Lärm.»

Alle Dinge haben einen Klang

Die Filmemacherin Gitta Gsell («Bödälä») macht sich also ein weiteres Mal auf eine filmisch-musikalische Expedition. Neben Spoerri kommen Musiker vor, die wie der Schlagzeuger und Perkussionist Julian Sartorius der Meinung sind, dass «Klänge in jedem Material stecken – ich hole nur heraus, was schon da ist».

Sartorius wird während des Filmes auf seinen Klang-Expeditionen mit Schlagzeugsticks auf alles mögliche schlagen. Ob in einer leer stehenden Industrieanlage, auf einer Alp oder an einem Fluss. Auf Milchkannen, einen Wiesenboden und allerlei Stangen und Rohre.

Von Sartorius, der Klänge sammelt, ist es nicht weit zu den Ostschweizer Bubble Beatz, die auf dem Schrottplatz ausrangierte Dinge sammeln – die für Klänge taugen, die sie in ihrer Perkussions-Show verwenden können. Was einfacher scheint, als es ist, wie Kay Rauber und Christian Gschwend erzählen. Und einige Arbeit braucht, bis eine Schlagwerk-Choreografie bühnenreif ist.

Im munteren Wechsel

Neben einem Exkurs zum Toggenburger Komponisten und Musiker Peter Roth in die Welt der Obertöne gehört der findige Tüftler Stefan Heuss zu den prägenden Protagonisten. Heuss wird unter anderem dabei beobachtet, wie er Rockmusik mit Popcorn und Elektrogitarre kreiert. Und eine seiner originellen wie kuriosen Erfindungen entwickelt: Eine Maschine, die das Talerschwingen nachahmt. Deren Eignung wird gleich mit einem Appenzeller Trio mit einem Zäuerli getestet.

Impressionistisch und im munteren Wechsel treten weitere Klangtüftler auf, für die Musik insbesondere aus und im Zusammenspiel mit ihrer Umwelt entsteht: Darunter das Gemüse-Orchester, das Rüebli, Lauch und Kürbisse zum Musizieren benutzt. Oder Andres Bosshard, der damit experimentiert, wie sich Geräusche und Töne im Raum verändern. Besonders witzig ist, wie er zwei orange «Verkehrstöggel» als Trichter vor die Ohren hält – was die Wahrnehmung von Umgebungsgeräuschen verändert.

Für Aug und Ohr

«Melody of Noise» bietet ein sinnliches Erlebnis, weil Ton und Bild immer wieder in spannende Verbindungen gesetzt werden. Die Originalgeräusche der Bilder gehen in den Soundtrack über oder umgekehrt. Die Tonspur der Aufnahmen der Synchronschwimmerinnen, des Eiskunstläufers oder eines Pistenfahrzeugs fliessen beispielsweise in die Musik der Klangforscher ein. Das ist lustvoll für Aug und Ohr.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

«Melody of Noise» läuft ab heute im Kino Bourbaki (Luzern).

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