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KINO: «Mit einem Tabubruch erzeugt man etwas Verrücktes»

Mads Mikkelsen sagt, wieso er am liebsten in dänischen Filmen spielt. Und hält ein Plädoyer auf die politische Unkorrektheit.
Immer für eine Überraschung gut: Mads Mikkelsen in seinem neusten Film «Men & Chicken». (Bild: PD)

Immer für eine Überraschung gut: Mads Mikkelsen in seinem neusten Film «Men & Chicken». (Bild: PD)

Viele Szenen wurden in den Ruinen der einstigen Beelitz-Heilstätten in Brandenburg gedreht ...

Mads Mikkelsen: Ja, nicht weit weg von Berlin, und so ein fantastischer Ort ist mir noch nie untergekommen. Verrückt, wie da die Bäume durch die Dächer der Ruinen wachsen, aber auch schön.

In «Men & Chicken» geht es um Inzucht, Sodomie und Genmanipulation. Wie verstört waren Sie, als Sie das Drehbuch bekamen?

Mikkelsen: Da ich mit Regisseur und Drehbuchautor Anders Thomas Jensen schon Filme wie «Dänische Delikatessen» («De groenne slagtere» 2003) und «Adams Äpfel» («Adams aebler» 2005) gedreht habe, wusste ich, was mich in etwa erwarten würde. Er sagte bereits vorab, dass er eine völlig verrückte und politisch inkorrekte Story entwickelt hätte. Insofern war ich wenig überrascht und freute mich sogar auf die weitere Zusammenarbeit mit ihm. Es ist eine zynische, aber auch sehr lustige Geschichte über Tabubrüche.

Sind Dänen in dieser Hinsicht mutiger als andere, derartige Themen mit Humor anzugehen?

Mikkelsen: Wir leiden unter der gleichen Krankheit wie der Rest der Welt auch: politische Korrektheit! Aber in uns gibt es immer noch einen Funken von politischer Unkorrektheit, um die wir kämpfen. Aber ich sehe diesen Konflikt auch in anderen Ländern. Wobei dies nicht das Anliegen unseres Films ist. Mit einem Tabubruch erzeugt man etwas Verrücktes, und das regt zum Lachen an. Darum gehts!

War es Ihnen nicht unangenehm, einen Typen zu spielen, der die ganze Zeit masturbiert?

Mikkelsen: Nicht wirklich! Machen wir das nicht alle? Wenn auch nicht so häufig (lacht). Im Film wird ja ein Grund dafür genannt. Es gibt für mich zwei unterschiedliche Kategorien von Menschen, die ich spiele. Die einen sind normale Bürger wie du und ich, die anderen sind verrückter und reagieren in Alltagssituationen völlig anders. Dazu zähle ich auch meinen Elias aus «Men & Chicken».

Das sind sicherlich auch die spannenderen Charaktere für Sie ...

Mikkelsen: Es ist weniger interessant, sich in eine normal agierende Person hineinzudenken. Für eine aussergewöhnliche Figur muss man sich etwas dazu ausdenken. Wenn da jemand ist, der sich in ein Tier verliebt hat, muss ich für ihn in meinem Kopf einen anderen Platz finden. Ich meine, herauszufinden zu wollen, warum er auf Hühner steht, ist wahrscheinlich eher langweilig und noch nicht mal möglich. Genauso habe ich mich meiner Fernsehfigur Hannibal genähert. Da gab es auch keinen Weg, sie verstehen zu wollen.

Es hat schon etwas Mutiges, einen durchgeknallten Mann wie Elias zu verkörpern. Gibt es dennoch etwas, was Sie vor der Kamera niemals tun würden?

Mikkelsen: Das hängt immer vom Kontext ab. Mir fallen keine Charaktere ein, die ich nicht zum Leben erwecken würde. Ob grotesk, brutal oder furchterregend das ist alles möglich für mich, wenn der Zusammenhang zur Geschichte stimmt und es nicht allein um die Figur geht. Wahrscheinlich würde ich niemals in einem Porno mitspielen, weil das langweilig wäre und die Bezahlung schlecht ist (lacht).

Auch international sind Sie ein angesagter Schauspieler. Haben Sie Regeln, wie viele Filme Sie im Ausland und in der Heimat drehen sollten, um diesen Status nicht zu verlieren?

Mikkelsen: Nein, das ist keine bewusste Entscheidung, sondern eine Frage der Angebote. Wenn mir davon etwas gefällt, mache ich es, und glücklicherweise befinde ich mich heute in dieser Situation. Ich spiele allein schon der Sprache wegen gern in dänischen Filmen mit, aber wenn da gerade nichts ist, mache ich eben anderswo einen Film.

Dennoch scheinen aus Dänemark momentan die interessanteren Angebote zu kommen.

Mikkelsen: Nicht unbedingt! Auch in anderen Ländern entstehen fantastische Projekte, weshalb ich das gar nicht erst vergleichen möchte. Ich habe natürlich das Glück, nicht mal im eigenen Land in einer Schublade zu stecken was oft der Fall sein kann. Ich durfte bisher viele verschiedene Charaktere darstellen. Die Gefahr ist eher, dass Dänemark ein ziemlich keines Land ist, in dem jährlich 20 Filme entstehen. Bist du mehr als in einem von diesen, können dich die Zuschauer schnell übergesehen haben.

Hätten Sie es sich am Karriereanfang je träumen lassen, irgendwann zu den erfolgreichsten Schauspielern Europas zu gehören?

Mikkelsen: Niemals! Ich weiss nicht mehr, was ich mir vorstellte, aber mir geht es genauso wie anderen Schauspielern, Regisseuren und Autoren: Wir wollten den dänischen Film verändern, etwas Neues ausprobieren und nicht beeinflusst sein von Filmen aus Amerika. So entstand der Traum, nicht das Ziel, es anders zu machen, und zwar so, wie wir es uns vorstellten. So erfüllte sich der Traum, wenn auch nur Schritt für Schritt.

Markus Tschiedert/Ricore

Mads Mikkelsen, der Vielseitige mit dem prägnanten Gesicht

Nicht nur die Frauen lieben ihn. Mads Mikkelsen, 1965 in Kopenhagen geboren, sieht unverschämt gut aus, versprüht eine gehörige Portion Charisma und hat auch schauspielerisch viel zu bieten.

Viele kennen ihn aus «Adam’s Apples» («Adams æbler» 2005), der schrägen Komödie, für die auch «Men & Chicken»-Regisseur Anders Thomas Jensen verantwortlich zeichnet. Nach Susanne Biers kraftvollem dänischen Drama «After The Wedding» («Efter brylluppet» 2006) war er dem Arthouse-Kinopublikum ein Begriff. Seit «Casino Royale», der noch im gleichen Jahr fertiggestellt wurde, kennen ihn alle: Er gab den Bösewicht Le Chiffre in Daniel Craigs erstem Auftritt als James Bond.

Einen weiteren Höhepunkt bedeutete «Jagten» (2012) des Dogma-Filmers und Landsmanns Thomas Vinterberg. Für die Rolle des Lehrers Lucas, der der sexuellen Handlungen mit einem Mädchen beschuldigt wird, hat Mikkelsen zahlreiche Preise gewonnen, so in Cannes. Preise gabs auch für die Darstellung des Dr. Lecter in der US-Fernsehserie «Hannibal» (2013–2015).

Selbst ein Mads Mikkelsen hat auch schon mal danebengegriffen bei der Rollenwahl. Die x-te Musketier-Verfilmung von Paul W. S. Anderson, «The Three Musketeers» (2011), ist eine Katastrophe. Allerdings nicht wegen des Dänen. Auch in «Clash of the Titans» (2010) mischte er mit.

Fazit: In europäischen, insbesondere dänischen Filmen – ernsthaft oder in skurril – gefällt Mads Mikkelsen am besten. Am 22. November feiert der Schauspieler seinen fünfzigsten Geburtstag.

reg

Mikkelsen als Le Chiffre... (Bild: PD)

Mikkelsen als Le Chiffre... (Bild: PD)

... und Lucas in «Jagten». (Bild: PD)

... und Lucas in «Jagten». (Bild: PD)

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