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KINO: Neuer Film von François Ozon: Ein erotisches Vexierspiel

«L’amant double», der neueste Film von François Ozon, ist vordergründig ein erotischer Thriller mit glänzender Oberfläche. Er mutiert zur mysteriösen Dreiecksgeschichte, die immer mehr um die alte Frage kreist: Was ist Realität, was Imagination?
Geri Krebs
Ausdrucksstarkes Spiel: Marine Vacth (Chloé) und Jérémie Renier (Paul/Louis). (Bild: Filmcoopi)

Ausdrucksstarkes Spiel: Marine Vacth (Chloé) und Jérémie Renier (Paul/Louis). (Bild: Filmcoopi)

Geri Krebs

kultur@luzernerzeitung.ch

Eigentlich ist alles ganz einfach: Eine junge Frau mit chronischen Bauchschmerzen wird von ihrem Arzt an einen Psychologen überwiesen. Dies deshalb, weil der Mediziner keine körperlichen Ursachen für ihre Beschwerden findet, also müssen sie wohl «psychisch» sein. Nach wenigen Sitzungen kann der Psychologe die Frau von ihrem Leiden befreien – was ihr gar nicht passt, denn inzwischen hat sie sich in den Mann verliebt, was sie ihm nach der letzten Sitzung auch ­gesteht. «Mit solchen Dingen spielt man nicht», sagt dieser noch hilflos, als sie ihn küsst. Doch in der nächsten Szene sieht man bereits, dass die beiden zusammenziehen.

In diesen ersten zehn Minuten werde die gesamte Geschichte bereits erklärt, sagte François Ozon in einem Interview nach der Uraufführung von «L’amant double» im Wettbewerb des letztjährigen Filmfestivals von Cannes. Was insofern stimmt, als dass die Frau andeutungsweise von ihrem unbefriedigenden Liebesleben erzählt und hier einige Schlüsselsätze für das nun folgende 90-minütige Feuerwerk an Irrungen, Imaginationen, Obsessionen und bizarren Begegnungen folgen, die diese junge Frau namens Chloé hat.

Es geht unverblümt zur Sache

Gespielt wird sie von der 26-jährigen Marine Vacth, einer Entdeckung François Ozons für seinen Film «Jeune et jolie» von 2013. Und so wie in jenem Erotikdrama um eine Gymnasiastin aus gutem Haus, die aus Langeweile ein Doppelleben als Prostituierte zu führen beginnt, geht es auch in «L’amant double» ziemlich unverblümt zur Sache. Als Chloé nämlich entdeckt, dass «ihr» Psychologe (gespielt von Jérémie Renier) ihr verheimlicht hat, dass es einen Zwillingsbruder gibt, der auch als Psychologe arbeitet, sucht sie diesen auf und lebt mit ihm ihre Obsessionen aus. Dies jedenfalls könnte man als schlichteste Deutung eines Films anführen, der mit seinen Spiegelungen und Verdoppelungen ein so unglaubliches Verwirrspiel mit dem Zuschauer treibt, dass einem darob fast schwindlig wird.

Und natürlich ist der 50-jährige Franzose Ozon einer, der in seinen mittlerweile 17 langen Spielfilmen in 20 Jahren bewiesen hat, dass er bezüglich Genres alles kann: Psychothriller, Kostümfilm, Musical, romantische Komödie, Fantasyfilm, Melodrama. Und er scheint dabei keine Grenzen zu kennen, was ihre Vermischung betrifft – und ­bedient sich dafür gerne und ungeniert aus Versatzstücken der Filmgeschichte. Hier in «L’amant double» besonders bei Hitchcock, was sich etwa im Doppelgängermotiv, direkt aus dessen Geniestreich «Vertigo», zeigt und visuell so weit geht, dass etwa die Wendeltreppe des Filmplakats in einer Einstellung (vom Umzug Chloés) fast eins zu eins übernommen wird.

Bekennender Homosexueller

Und in diesem unverblümten Umgang mit Zitaten aus der Filmgeschichte trifft sich François Ozon mit einem anderen grossen europäischen Regisseur, der ebenfalls bekennender Homosexueller ist und der in ­seinen Filmen auch schon oft als «Regisseur der Frauen» angesprochen wurde: Pedro Almodóvar. Den 15 Jahre älteren spanischen Meister hat Ozon auch schon als eines seiner Vorbilder genannt, und zumindest die Offenheit, wie er sich hier mit dem sexuellen Begehren von Frauen auseinander- und über allfällige Tabus hinwegsetzt, würde man einem heterosexuellen Regisseur wohl eher übelnehmen.

Hinweis
«L’amant double» läuft im Kino Bourbaki (Luzern).

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