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KINO: Olympia vertreibt die Armen

Beim Bau des Olympischen Parks in Rio de Janeiro war die Favela Autodrómo durch eine Mauer von diesem getrennt. Im Film «Favela Olímpica» zeichnet Samuel Chalard das Rennen der Armen gegen die Zeit nach.
Theodora Peter (sda)
Die Bagger fahren auf: Szenenbild aus Samuel Chalards «Favela Olímpica». (Bild: Outside the Box)

Die Bagger fahren auf: Szenenbild aus Samuel Chalards «Favela Olímpica». (Bild: Outside the Box)

Theodora Peter (SDA)

kultur@luzernerzeitung.ch

Für die Olympischen Spiele 2016 in Rio de Janeiro wurden Hunderte von Favela-Bewohnern umgesiedelt. Nicht alle gingen freiwillig. Deren Widerstand dokumentiert der Westschweizer Filme- macher Samuel Chalard in «Favela Olímpica». Das eindrückliche Lehrstück über die Verlierer von Rio kommt nun in die Deutschschweizer Kinos.

2014 ist die Welt in der Vila Autódromo, wie die Favela neben der alten Autorennstrecke und dem künftigen Olympiapark heisst, noch fast in Ordnung. Familienvater Francisco, Nachtwächter von Beruf, zeigt stolz das robuste Ziegelhaus, das er in den letzten Jahrzehnten auf- und ausgebaut hat. «Mein Haus ist mein Leben.»

Die rund 600 Familien der Favela hatten noch Ende der 1990er-Jahre ein Bleiberecht für die nächsten hundert Jahre erhalten. Der Bewohner Francisco schwärmt vom Gemeinschaftssinn in der Favela, in der es weder Drogendeal noch Bandenkriege gebe, «höchstens mal einen lautstarken Ehestreit». Doch mit der Vergabe der Olympischen Spiele nach Rio ist es mit dem beschaulichen Leben in dem laut Francisco «schönsten Ort der Welt» vorbei. Auf dem Landstück an der Lagune soll ein Teil des prestigeträchtigen Olympiaparks mit Flanierzone entstehen. Und später soll hier die reiche Mittelschicht in Hochhäuser einziehen.

Ein Grossteil der Favela-Bewohner akzeptiert die von der Stadtverwaltung angebotene Abfindung oder die Umsiedlung in Wohnblocks in einen weit entfernten Stadtteil. Wo eine Familie ihr Haus verlässt, fahren am nächsten Tag die Bagger auf – und reissen buchstäblich Löcher in das Leben der Quartiergemeinschaft.

Trotz Staub und Baustellenlärm wollen rund 40 Familien ihr bisheriges Leben nicht aufgeben, doch der Druck steigt. Eineinhalb Jahre vor der Eröffnung der Olympischen Spiele leiten die Behörden wegen «überwiegendem öffentlichem Interesse» die Ent­eignungsverfahren ein. Als die Polizei bei einer Zwangsräumung Anwohnerproteste brutal niederschlägt, beschert dies Rios Stadtpräsident Eduardo Paes unangenehme Schlagzeilen in der Weltpresse. Das hilft den Betroffenen aber wenig. Angesichts des Risikos, alles zu verlieren, willigen auch die letzten Widerständler in eine Umsiedlung ein. Immerhin bietet ihnen die Stadt im letzten Moment doch noch eine neue Siedlung in unmittelbarer Nähe an, wo die Dorfgemeinschaft weitergeführt werden könnte.

Als letzter Mohikaner verbleibt Handwerker Delmo in seinem Haus, das er spasseshalber «die Titanic» nennt. Gegen die Zwangsräumung wehrte er sich erfolgreich vor Gericht. Sein Motto «Nicht alle haben einen Preis» hat Delmo auf der Hauswand verewigt. Nun geniesst er als Einziger den Blick auf den Sonnenuntergang über der Lagune.

Die Idee zum Dokumentarfilm über die Folgen eines Mega-Events – wie die Olympischen Spiele – für die Bevölkerung trug Samuel Chalard schon seit Jahren mit sich, wie der 44-jährige Regisseur im August in Locarno erklärte. Am Festival hatte «Favela Olímpica» im Rahmen der Kritikerwoche Premiere gefeiert.

Hinweis

«Favela Olímpica» läuft ab Donnerstag im Stattkino Luzern.

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