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KINO: Park für Mobilheime als Zuhause für Entwurzelte

Um dem Wunsch nach einem eigenen Heim näherzukommen, muss im Film «Mobile Homes» eine junge Mutter eine schwere ­Entscheidung treffen. Die Britin Imogen Poots spielt sie tough und verletzlich.
Sie sind eine Familie, irgendwie. Doch Ali (Imogen Poots, links) weiss schon seit längerem, dass sie ihren Sohn schützen muss. (Bild: Xenix)

Sie sind eine Familie, irgendwie. Doch Ali (Imogen Poots, links) weiss schon seit längerem, dass sie ihren Sohn schützen muss. (Bild: Xenix)

Bone liegt bäuchlings auf dem Teppichboden des Mobile Homes und versucht, ein Haus in einem Strich zu zeichnen. Während ein mobiles Heim für die meisten Menschen der westlichen Welt, und nicht nur für den Regisseur Vladimir de Fontenay, eher für Entwurzelung statt Freiheit steht, bedeutet es für den Achtjährigen die Aussicht auf ein Zuhause.

Das Bild eines Hauses auf vier Rädern, das die Strasse entlangfährt, inspirierte den 1987 in Paris geborenen de Fontenay zu seinem ersten langen Film «Mobile Homes». Er porträtiert darin die blutjunge Mutter Ali (Imogen Poots), die längst jegliche sozialen Bindungen verloren hat. Ali, ihr Freund Evan (Callum Turner) und Bone tingeln von Motel zu Motel, verkaufen Hehlerware und klauen Tiere für Hahnenkämpfe. Doch insgeheim hegen sie den Traum von einem eigenen Heim.

Starke ­ körperliche Präsenz

Die Beziehung zwischen Ali und Evan ist leidenschaftlich, doch sieht sich Ali in einem zunehmenden Zwiespalt zwischen ihrer Verantwortung als Mutter und dem aggressiven Verhalten Evans, der den kleinen Bone für die kriminellen Machenschaften einsetzt. Er führt das Kommando mit Zuckerbrot und Peitsche: «Wenn du es vermasselst, gehen wir alle ins Gefängnis», stimmt Evan seinen Stiefsohn ein, um ihm nach geglücktem Coup zu sagen, wie stolz er auf ihn sei. Als Evan Bone in einer Bar Drogen verticken lässt und ihn wegen einer Polizeirazzia einfach zurücklassen will, trifft Ali eine Entscheidung. Doch eigentlich hat sie sich für Bone und sich mehr gewünscht als so ein blödes Puppenhaus, nicht viel besser als ein Wohnwagen.

Geredet wird nicht viel in «Mobile Homes». Das Mutter-Sohn-Drama, das sich im Winter auf den Strassen zwischen Kanada und den USA abspielt, lebt vom Visuellen und einer starken körperlichen Präsenz der Darsteller. Als Bone und Ali in einem Mobile-Home-Park Unterschlupf finden, wird die gehetzte Kamera ruhiger. Doch auch vorher schon werden mit Zeitlupe und Zeitraffer sinnliche Momente von grosser Schönheit geschaffen.

Über die Hintergründe der sozialen Verhältnisse lässt de Fontenay den Zuschauer im Unklaren. «Mobile Homes» erforscht das Muttersein unter extremen Bedingungen. Die britische Schauspielerin Imogen Poots (28) zeigte in «She’s Funny That Way» oder auch «A Long Way Down» ihr komödiantisches Talent. Absolut glaubwürdig gibt sie sich in diesem beachtlichen Debütfilm tough und verletzlich. Callum Turner hat sie selbst als ihren Partner vorgeschlagen. Der Londoner versprüht hier dieses Manische, eine latente Aggressivität, gepaart mit grosser Anziehungskraft. Frank Oulton als Bone schliesslich stand zum ersten Mal vor der Kamera. Er lässt seine grossen Augen für sich sprechen.

Regina Grüter

regina.grueter@luzernerzeitung.ch

Hinweis

«Mobile Homes» läuft ab 29.3.2018 im Stattkino (Luzern).

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