Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KINO: «Polder» – in digitalen Parallelwelten verschwinden

Es kann einem ­Hören und Sehen vergehen. So nachhaltig verwischt ­«Polder» die Grenzen zwischen Realität und trashiger Game-Welt.
Geri Krebs
Eine Welt aus digitalen Nebenwelten und Gamer-Sehnsüchten. (Bild: PD/Filmcoopi)

Eine Welt aus digitalen Nebenwelten und Gamer-Sehnsüchten. (Bild: PD/Filmcoopi)

Ein Polder ist ein von einem Deich geschütztes Landstück unter dem Wasserspiegel eines angrenzenden Gewässers. Der kanadische Science-Fiction-Spezialist John Clutes, dessen «Fantasy-Enzyklopädie» als Bibel des Genres gilt, erweiterte in den 1970er-Jahren diese ursprüngliche Definition. Er bezeichnet den Polder als «Enklave verdichteter Wirklichkeit, die durch magische Grenzen von der umgebenden Welt getrennt ist».

Das ultimative Spielerlebnis

Der Satz erscheint, von einer japanischen Schnulze untermalt, im Anschluss an den Vorspann von «Polder». Es folgt eine längere, fixe Einstellung einer herbstlichen Schweizer Wald-und-Wiesen-Landschaft, derweil im Hintergrund Japans heiliger Berg Fudschijama vor tief blauem Himmel aufragt. Im Zentrum des Bildes befindet sich eine kleine Holzhütte, Kinder rennen auf sie zu, Vöglein zwitschern, eine Computer-Schrift im Stil der 1980er-Jahre erscheint und verkündet: «Hallo User. Ich bin eine Bewusstseins-Entität von Marcus.»

Der Game-Entwickler Marcus war Chief Development Manager von Neu-roo-X gewesen. Das Unternehmen wollte mit seinen Spielen die Aufhebung der Grenze zwischen virtueller und realer Welt vorantreiben, und mit einem geheimnisvollen «Roten Buch» sollte das ultimative Spielerlebnis erreicht werden. Dies, indem durch das Scannen geheimer Sehnsüchte der Gamer daraus reale Abenteuer erwachsen. Marcus stirbt jedoch kurz vor der Fertigstellung des «Roten Buchs». Ryuko, seine japanische Geliebte, findet heraus, dass bei der Testreihe des Spiels in China Furchtbares geschehen ist. Die Frau taucht ab in das Geheimnis von Neuroo-X, verliert zunehmend den Bezug zur Realität und vernachlässigt ihren Sohn Walter. Dieser hat sich inzwischen ebenfalls in das Game eingeloggt – und verschwindet in der digitalen Parallelwelt. Worauf Ryuko ihn dort immer verzweifelter sucht und zu spät merkt, dass sie unter den Dämonen, Hexen und Rittern nur das Narrativ von Neuroo-X fortschreibt.

Gesamtkunstwerk

Das Storyuniversum von «Polder» geht zurück auf ein Transmediaprojekt, das Samuel Schwarz und Julian M. Grünthal seit 2009 mit ihrer Theatergruppe 400asa weiterentwickelt haben. Dabei ist die verrückte digitale Spielwiese, auf der Schwarz und Grünthal im Film Erzählebene auf Erzählebene türmen und ein Spiel mit der Wahrnehmung des Zuschauers treiben, nur ein Element eines Gesamtkunstwerkes, das so überambitioniert wie beispiellos ist im Schweizer Film. Neben dem Film umfasst es auch noch Alternate Reality Games, Hörspiele und magische Urban Games.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

Geri Krebs

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.