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KINO: Quälende Reha-Klinik – mit Humor überstanden

Hip-Hop-Musiker Grand Corps Malade und Mehdi Idir erzählen in «Lieber leben – Patients» unbekümmert und witzig vom Alltag in einer Reha-Klinik, vergessen aber auch nicht die ernsten Momente.
Walter Gasperi
Ben kämpft sich quälend langsam ins Leben zurück. (Bild: PD)

Ben kämpft sich quälend langsam ins Leben zurück. (Bild: PD)

Man sieht die Welt oder vielmehr ein Krankenzimmer minutenlang aus der Perspektive des jungen Ben, der bewegungs- und sprachunfähig im Krankenbett liegt. Die Mutter schwärmt ihm von der Aussicht vor, die er freilich nicht geniessen kann. Die Krankenpfleger erklären, wie toll die Operation verlaufen sei. Als erstes Wort bringt er nach etwa fünf ­Minuten die Zahl 245 hervor: Aus so vielen Quadraten setzt sich die Neonlampe an der Zimmerdecke zusammen. Er muss es wissen, denn genug Zeit hatte er, diese Quadrate zu zählen.

Der Hip-Hop-Musiker Grand Corps Malade, der mit bürgerlichem Namen Fabien Marsaud heisst, weiss, wovon er erzählt, denn «Patients» beruht auf ­seinem autobiografischen Buch über seine einjährige Rehabilitation nach einem Sportunfall. Gedreht wurde auch in der Klinik, in der er selbst auf Reha war. Genau ist folglich auch der Blick auf den Spitalalltag, doch nie verfällt der Film in Wehleidigkeit oder Sentimentalität, sondern versprüht Lebensfreude und Hoffnung. Detailreich zeichnet der Film den langsamen Weg ins Leben nach.

Lovestory ohne Hollywood-Happy-End

Erst nach etwa 25 Minuten verlässt «Patients» erstmals das Krankenzimmer, erst dann geht es vom Bett in den Rollstuhl, mit dem sich der Aktionsradius erweitert. Prägnant wird die Schwierigkeit beim Essen gezeigt, aber auch, wie Ben Kontakt zu anderen im Rollstuhl sitzenden jungen Männern knüpft. Auch eine Freundschaft oder zarte Liebesgeschichte zu einer jungen Frau entwickelt sich hier, aber ein Hollywood-Happy-End umgehen die Regisseure – vielleicht sogar zum Leidwesen des grossen Publikums. Auch Tiefschläge werden nicht ausgespart, denn schwer trifft es Ben, als ihm die Ärztin mitteilt, dass er sich vom Sport, wie er ihn bisher betrieben hat, und seinen damit verbundenen Berufsplänen verabschieden und sich völlig umorientieren muss. So leicht «Patients» über weite Strecken daher kommt, so bewegend und echt ist er in diesen Momenten und im Blick auf die Ängste vor der Entlassung aus dem Krankenhaus und dem Schritt in eine Welt, in der man wieder selbstständig agieren muss. Fliessend sind diese Übergänge, und in jeder Szene spürt man die Empathie und das Mitgefühl des Regieduos für seine Protagonisten, die von einem wunderbar natürlich und frisch agierenden jungen Ensemble gespielt werden. Wie der Film erst in den letzten Minuten das Krankenhaus verlässt, so bleibt der Fokus auch ganz auf Ben und seinen Leidensgenossen, vom Motorradfan bis zum Nordafrikaner. Gekonnt setzen die Debütanten bei dieser unterhaltenden wie ­bewegenden Tragikomödie mit Rap-Songs Pausen, in denen die Erzählung innehält. Mit Kamerafahrten durch das Krankenhaus und Blicken auf den Alltag vermitteln sie ein Gefühl der quälenden Länge des Reha-Aufenthalts, beschwören aber in den Songs die Suche nach neuen Wegen.

Walter Gasperi

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