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KINO: Regisseur Roland Emmerich: «Ich verstehe nichts von Technik»

Roland Emmerich (60) steht für das Blockbuster-Kino wie kaum ein anderer. Ein Gespräch über Fortsetzungen, versteckte Botschaften und die Lust am Kaputtmachen.
Interview Markus Tschiedert
«Ich finde, dass es in der Filmindustrie viel zu viele Sequels und Serien gibt. Das langweilt mich», sagt Roland Emmerich (60). (Bild: Keystone)

«Ich finde, dass es in der Filmindustrie viel zu viele Sequels und Serien gibt. Das langweilt mich», sagt Roland Emmerich (60). (Bild: Keystone)

Interview Markus Tschiedert

Roland Emmerich, warum ist die Fortsetzung Ihres grössten Kinohits erst nach 20 Jahren zu Stande gekommen?

Roland Emmerich: Eigentlich hatten wir schon mal zwei Drehbücher für «Independence Day» verfasst, allerdings noch mit der Figur, die Will Smith im ersten Teil spielte. Will war von einer Fortsetzung anfangs sehr begeistert, sagte dann aber ab, und wir mussten umschreiben, was lange gedauert hat, weil wir immer wieder mit Projekten beschäftigt waren. Doch vor etwa zwei Jahren ist mir klar geworden, wenn ich das jetzt nicht mache, wird es nie zu einer Fortsetzung kommen. Zumal auch das 20-Jahr-Jubiläum bevorstand.

Filmtechnisch ist in den letzten zwanzig Jahren auch sehr viel passiert ...

Emmerich: «Independence Day» habe ich lange Zeit als Einzelfilm gesehen und fragte immer, warum soll ich ein Sequel drehen, was kann ich Neues hinzufügen? Ich habe mich also lange gewehrt, bis ich bei «2012» das erste Mal mit digitaler Kamera arbeitete und unheimlich viel vor einem Blue Screen entstand. Die Ergebnisse waren so toll, dass ich sagte, ich denke, wir sollten doch noch einen weiteren «Independence Day»-Film machen.

Sind Sie generell ein technikbegeis­terter Mensch?

Emmerich: Ich verstehe überhaupt nichts von Technik. Wenn man vorm Computer sitzt, muss man nichts verstehen. Man muss nur wissen, was man will und welche Firma man für welche Effekte braucht.

Wie haben Sie sich in den letzten zwanzig Jahren eigentlich verändert?

Emmerich: Optisch schon ein bisschen, aber darüber reden wir lieber nicht. Ansonsten glaube ich, der Gleiche geblieben zu sein. Natürlich verändert man sich, aber gewiss nicht so sehr.

Wie sehr lag es Ihnen am Herzen, dass die Welt im neuen Film vereint ist, um gegen die Aliens anzutreten?

Emmerich: Ich habe das wirklich so empfunden, dass das in unserer zerrissenen Zeit eine gute Message wäre. Es gibt zwar keinen grossen Konflikt mehr auf der Erde, aber viele kleine, sodass man sich nirgendwo sicher fühlt. Dem wollte ich etwas entgegenstellen, nämlich, dass alle Menschen gegen einen Gegner kämpfen.

Da Sie inzwischen ein sehr erfahre­ner Blockbuster-Regisseur sind, wird Ihnen bestimmt oft angeboten, den nächsten Superhelden- oder «Star Wars»-Film zu inszenieren ...

Emmerich: Am Anfang meiner Karriere habe ich unheimlich viele Angebote bekommen. Aber heute weiss in Hollywood jeder, dass ich nur meine eigenen Sachen mache. Sie haben es aufgegeben, mich zu fragen. Wenn man immer Nein sagt, bekommt man irgendwann auch nichts mehr zugeschickt. Mich würde es auch nicht reizen, weil ich finde, dass es in der Filmindustrie viel zu viele Sequels und Serien gibt. Das langweilt mich, muss ich ehrlich sagen.

Nun haben Sie mit «Independence Day 2» eine Fortsetzung gedreht ...

Emmerich: Ja, aber es ist für mich das erste Mal, und ich habe mich wirklich darauf gefreut, viele der Schauspieler von damals wiederzutreffen. Als es dann passierte, wollte ich es immer noch nicht glauben und fragte Jeff Goldblum, ob er wirklich hier sei oder ich nur träume. Es war seltsam, aber auch cool! Das war wie bei einem Klassentreffen nach zwanzig Jahren, wo man auch nicht glauben will, dass wieder alle beisammen sind.

Wie empfinden Sie den Druck, mit jedem Film noch einen draufzulegen?

Emmerich: Mir macht es ja Spass, und ich fühle mich dabei immer frei, bin verspielt und begeisterungsfähig. Der Druck entsteht, nachdem der Film fertig ist und die erste Testvorführung bevorsteht.

Aber woher kommt Ihre Faszination, alles kaputtzumachen?

Emmerich: Das hat sich halt so entwickelt. Wenn man sich meine ersten Filme ansieht, findet man nicht viel an Zerstörung. Erst mit «Independence Day» wollte ich etwas Neues ausprobieren und sah mir Katastro­phenfilme an. Weil «Independence Day» dann so erfolgreich wurde, war es dann das, was Hollywood von mir sehen wollte.

Ist das nicht frustrierend?

Emmerich: Irgendwie habe ich sie ja ausgetrickst, indem ich dann in Filmen wie «The Day After Tomorrow» und «2012» Themen wie Umweltschutz und Klimaerwärmung eingebaut habe. Sie fühlten sich zwar wie «Independence Day» an, haben aber eine Botschaft und enden nicht wirk­lich mit einem Happy End, wenn in «The Day After Tomorrow» eine Eiszeit ausbricht und in «2012» nur die Reichen überleben.

Die Kritik zu «Independence Day: Resurgence» ist am Montag in dieser Zeitung erschienen.

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