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KINO: Schweizer Filmpreis: Die nominierten Filme wollte im Kino kaum jemand sehen

Am Freitagabend werden in Zürich die Schweizer Filmpreise verliehen. Eines haben fast alle nominierten Filme gemeinsam: Kaum jemand wollte sie im Kino sehen.
Der Spielfilm "Blue My Mind", der für nicht weniger als sieben Schweizer Filmpreise nominiert ist, eröffnet am 2. März das allererste Filmfestival Aventiclap in Avenches. (Pressebild) (Bild: Pressebild)

Der Spielfilm "Blue My Mind", der für nicht weniger als sieben Schweizer Filmpreise nominiert ist, eröffnet am 2. März das allererste Filmfestival Aventiclap in Avenches. (Pressebild) (Bild: Pressebild)

Wenn heute Abend die Schweizer Filmpreise verliehen werden, wird das Rennen beim Spielfilm wohl zwischen einer Meerjungfrau und einem schwulen Fussballer entschieden. Je fünf Filme stehen auf der sogenannten Shortlist, sind in den Hauptkategorien nominiert, doch Chancen haben, Überraschungen vorbehalten, nur «Blue My Mind» von Lisa Brühlmann und «Mario» von Marcel Gisler – und bei den Dokumentarfilmen «Das Kongo Tribunal» von Milo Rau und «L’Opéra de Paris» von Jean-­Stéphane Bron.

Mit Ausnahme von Letzterem ist ihnen etwas gemeinsam: Kaum jemand wollte diese – und auch die anderen nominierten – Filme der Hauptkategorien im Kino ­sehen. Bei sechs der zehn Filme lagen die Eintrittszahlen im tiefen vierstelligen Bereich. Konkret waren das weit weniger als 5000, einer Zahl, die in der Kino­branche als Minimum gilt, um ­zumindest als Achtungserfolg zu zählen. Gerade mal 22 000 Eintritte erzielten, zusammen­gezählt, die fünf nominierten Spielfilme – und dass die Bilanz bei den Dokumentarfilmen mit 36 000 Eintritten etwas besser aussieht, ist einzig den 25 000 Eintritten bei «L’Opéra de Paris» geschuldet.

Publikumserfolge dieses Jahr gar nicht im Rennen

Dabei waren die letzten zwölf Monate für den Schweizer Film gar nicht so schlecht: Mit Rolf Lyssys «Die letzte Pointe» und den Kinderfilmen «Die kleine Hexe» und «Papa Moll» liefen Filme, die 100 000, und im Fall von Letzterem gar 134 000 Eintritte erzielten, und auch Peter Luisis Komödie «Flitzer» erreichte fast 50 000 Zuschauer. Das Problem ist nur, Letzterer wurde für den Filmpreis gar nicht, und die drei erstgenannten nur in Nebenkategorien nominiert.

Seit 1998 gibt es den Schweizer Filmpreis. Initiiert wurde er von Ivo Kummer, damals Direktor der Solothurner Filmtage (und heute Chef der Sektion Film im Bundesamt für Kultur). Während der ersten elf Jahre, bis 2008, vergab eine jährlich neu zusammengesetzte Jury den Preis im Rahmen der Solothurner Filmtage. Dann wurde im Sommer 2008, zu einer Zeit, als es in der Schweizer Filmszene Zoff gab und Rufe nach mehr Basisdemokratie laut wurden, die Schweizer Filmakademie gegründet, gleichzeitig wurde die Filmpreisverleihung von den Solothurner Filmtagen entkoppelt.

Angelehnt an das Vorbild der US-amerikanischen Academy of Motion Picture Arts and Sciences sind auch in der Schweizer Filmakademie die wichtigsten Verbände der Schweizer Filmbranche vertreten. Gründungspräsident war der Filmregisseur Fredi Murer, abgelöst wurde er 2010 von Christian Frei.

«Ein Kunstpreis und kein Zahlenpreis»

Der 59-Jährige präsidiert die Akademie bis heute. Dank Oscar-Nominierung 2002 für «War Photographer» – gehört er zu den Schweizer Cineasten mit grösster internationaler Ausstrahlung. Auf die Frage, ob die Nominierung von Filmen mit so geringer Pu­blikumsresonanz der Bedeutung des Filmpreises schade, winkt er ab: «Ich habe die Abstimmungsresultate der rund 450 aktiven Akademiemitglieder zur Kenntnis zu nehmen und nicht zu kommentieren.» Der Schweizer Filmpreis sei ein Kunstpreis und nicht ein Preis der Zahlen, betont Frei und sagt dann doch: «Die Diskrepanz zwischen künstlerischem Erfolg und dem Erfolg an der ­Kinokasse ist dieses Jahr in der Tat augenfällig.» Dabei dürfe man aber nicht vergessen, dass noch 2017 mit «Ma vie de Courgette» und 2012 mit «More Than Honey» auch Publikumshits den Schweizer Filmpreis gewonnen hatten. «Als Präsident kann ich nichts anderes tun, als im persönlichen Gespräch Akademiemitglieder darauf hinweisen, dass für die Repräsentativität des Filmpreises cinephile Werke und ‹Publikumsfilme› gleichermassen vertreten sein sollten.»

Geri Krebs

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