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Kino: Sehnsüchte einer jungen Königin

Ein Drama um zwei Herrscherinnen in einer männerdominierten ­ Welt: In «Mary Queen Of Scots» erfährt Maria Stuart eine Rehabilitierung. Der prächtige Kostümfilm setzt zwei grossartige Schauspielerinnen in Szene.
Regina Grüter
Mary (Saoirse Ronan) reitet durch ihr Schottland. Die Kostüme von Alexandra Byrne hätten eine Oscarnominierung verdient. (Bild: Universal)

Mary (Saoirse Ronan) reitet durch ihr Schottland. Die Kostüme von Alexandra Byrne hätten eine Oscarnominierung verdient. (Bild: Universal)

Am Anfang steht ein Tintenklecks. Elizabeth I. (Margot Robbie), Königin von England, unterzeichnet das Todesurteil ihrer Cousine Maria Stuart (Saoirse Ronan). Das tragische Ende der schottischen Königin, inszeniert als aufwendige Parallelsequenz, bildet die Klammer im Débutfilm «Mary Queen Of Scots» der britischen Theaterfrau Josie Rourke.

Der eigentliche Film beginnt aber im Jahr 1561, in dem Jahr, als die 18-jährige Maria Stuart nach dem Tod ihres Gatten Franz II. erstmals wieder schottischen Boden betritt; seit ihrem sechsten Lebensjahr lebte sie in Frankreich. Elizabeth ist damals 28.

Die Szene ist altbekannt und auch der raue Wind, der der jungen Königin aus allen Richtungen entgegenbläst: Ihr Halbbruder James, Earl of Moray, herrscht de facto über Schottland; ihre religiöse Toleranz wird der Katholikin von John Knox, Führer der protestantischen Kirche in Schottland, als Blindheit und Schwäche ausgelegt. Überhaupt sei eine Frau als Königin schlimmer als Pest und Hungersnot. Da Maria Anspruch auf den englischen Thron erhebt, wird sie am Hof Elizabeths als stete Bedrohung wahrgenommen. Ränke werden geschmiedet, Intrigen gesponnen.

Hier begegnen sich ­ die Königinnen wirklich

Josie Rourke, die für ihre Arbeit am Donmar Warehouse Theater in London internationales Renommee erlangte, inszeniert «Mary Queen Of Scots» in Zeiten von #MeToo als feministisch angehauchtes Drama zwischen zwei Herrscherinnen, aber auch als Drama zwischen zwei Frauen. Das Drehbuch von Beau Willimon («House Of Cards») fusst auf dem Buch «Queen of Scots: The True Life of Mary Stuart» des Historikers John Guy, das die als Verräterin und Hure verschriene Mary in einem neuen Licht darstellt. Als junge Frau, die von einem Ehemann Liebe und Respekt erwartet; die ihre Sehnsüchte hat, auch nach körperlicher Liebe und Leidenschaft.

Schon im Jahr 2013 wurde Maria Stuart für Film und Fernsehen neu entdeckt. Während die US-amerikanische Fernsehserie «Reign» auf die Jahre der jungen Mary am französischen Königshof fokussierte, schlug der Schweizer Regisseur Thomas Imbach mit «Mary Queen Of Scots» bereits in eine ähnliche Kerbe wie jetzt Josie Rourke. «Elizabeth wird für Mary zur Obsession», sagte Imbach.

Bei Rourke ist es eine gegenseitige Obsession, eine Mischung aus tiefer Verbundenheit und Rivalität, die darin gipfelt, dass sich die beiden Königinnen und Cousinen tatsächlich gegenüberstehen. In Wahrheit haben sie sich nie getroffen.

Die Szene dieser beiden «Schwestern im Geiste» ist leider nicht so stark, wie sie sein sollte. Die Königinnen müssen sich erst zu etwas zu schwülstiger Musik durch Tücher hindurchkämpfen. Es ist eine künstliche Spannung, bis neben gegenseitiger Bewunderung auch Neid und Überheblichkeit zutage treten. Doch wird hier Marys widersprüchlicher Charakter am deutlichsten sichtbar. Mary und Elizabeth erscheinen als die beiden Kehrseiten einer Medaille. Die eine verzichtet auf Heirat und Kinder, die andere büsst schliesslich mit ihrem Leben dafür.

Zwei junge ­Topschauspielerinnen

Bei diesem nicht langweiligen, aber auch nicht sonderlich aufregenden Ritt durch die pathetisch inszenierte schottische Landschaft stellt sich die Frage: Was wäre, wenn man die Frauen hätte machen lassen?

Schauspielerin Saoirse Ronan (Maria Stuart) verfügt über eine natürlicher Würde und Ausstrahlung. (Bild: Universal)

Schauspielerin Saoirse Ronan (Maria Stuart) verfügt über eine natürlicher Würde und Ausstrahlung. (Bild: Universal)

Eine andere Frage, ob eine Australierin die Richtige ist für die Rolle einer englischen Königin, nach der ein ganzes Zeitalter benannt wurde, ist obsolet. Spielte doch Margot Robbies Landsfrau Cate Blanchett in den beiden Shekhar-Kapur-Verfilmungen (1998 und 2007) die Elizabeth.

Was an «Mary Queen Of Scots» am meisten überzeugt, sind die beiden Hauptdarstellerinnen. Die Irin Saoirse Ronan verfügt über eine natürliche Würde und Austrahlung als Mary; Robbie zeigt sehr sensibel die Unsicherheit ihrer Figur. Im letzten Jahr waren sie beide für einen Oscar nominiert, Ronan für «Lady Bird» – es war ihre dritte –, Robbie für «I, Tonya». Das könnte heuer wieder passieren.

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