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KINO: Seltsam? Eigentlich ganz normal

«Rara» ist ein ­feinfühlig inszenierter Coming-of-Age-Film. Und darüber ­hinaus ein starkes Plädoyer für Toleranz.
Urs Arnold
«Rara» erzählt die Geschichte einer Patchwork-Familie konsequent aus der Perspektive eines Mädchens an der Schwelle zur Pubertät. (Bild: PD/Trigon Film)

«Rara» erzählt die Geschichte einer Patchwork-Familie konsequent aus der Perspektive eines Mädchens an der Schwelle zur Pubertät. (Bild: PD/Trigon Film)

Urs Arnold

Ob New York oder das chilenische Vina del Mar: Wenn Mädchen in die Pubertät kommen, dreht sich alles um die gleichen Themen. So auch bei Sara, die kurz vor ihrem 13. Geburtstag steht. Julian heisst ihr heimlicher Schwarm. Pancha die beste Freundin. Zu Hause wird dann und wann gestritten. Geschmollt. Rebelliert. Sich versöhnt. Handys und Facebook sind wichtig. Die Haare werden gefühlte Stunden lang gekämmt. Mit Lippenstift wird experimentiert. Man schliesst sich im Bad ein. Der Rucksack wird gepackt und es wird ausgerissen.

Ganz normale Erscheinungen der Adoleszenz also. Aber Vina del Mar ist eben nicht New York – so mahnt Saras Grossmutter bei einem Besuch die Mütter. Genau: Sara hat zwei davon, die leibliche namens Paula und deren Freundin Lia. Die jüngere Schwester namens Cata komplettiert die Patchwork-Familie.

Spiel der Unauffälligkeit

Ein homosexuelles Paar zieht Kinder auf – das möchte man in unserer modernen Zeit als akzeptiert, nein, als normal verstehen. Dann aber würde dieser Film nicht «Rara» heissen, spanisch für eigenartig, seltsam. Er ist leicht an den Fall der chilenischen Richterin Karen Atala angelehnt, der 2005 nach einem langen Rechtsstreit das Sorgerecht für ihre Kinder entzogen wurde.

Eine Zeichnung lässt die erste Dissonanz in diesem feinfühlig inszenierten Werk vernehmen. Cata hat darauf Sara und die beiden Mütter abgebildet. Was für die jüngere Tochter eine Selbstverständlichkeit darstellt, sieht die Schule als besprechungswürdig an. Sara dagegen hat bereits gelernt, das Spiel der Unauffälligkeit mitzuspielen. Ihre Mütter leben es vor, indem sie das Küssen in der Öffentlichkeit unterlassen. Sie fürchten dabei nicht die Diskriminierung in Form von Homophobie, sondern das Absprechen ihrer erzieherischen Kompetenzen.

Nicht bloss schwere Kost

Tatsächlich tritt bald der geschiedene Vater in die Erzählung ein. Er deutet die Launigkeiten Saras als Zeichen des falschen Umgangs und geht vor Gericht, um das Sorgerecht einzufordern. Sein Behüterinstinkt ist mit Selbstinteresse angereichert – hier sinnt offensichtlich ein verletztes Ego auf Genugtuung.

Trotz seiner ernsten Prämisse ist der Debütfilm von Pepa San Martin jedoch keineswegs nur schwere Kost. An vielen Stellen vermag der Film mit feinem Humor zu erheitern und an die eigenen pubertären Launigkeiten zu erinnern. Durchwegs aus der Sicht von Sara erzählt, wird hier im Grundsatz eine Coming-of-Age-Geschichte vorgetragen, die sehr bedachtsam ausgearbeitet wurde. Dank des natürlichen Spiels der Besetzung – besonders lobend hat man die beiden jungen Laienschauspielerinnen Julia Lübbert und Emilia Ossandon zu erwähnen – ist dieser Film äusserst authentisch geraten. Das wiederum verstärkt die Sensibilisierung für sein Kernthema.

An der diesjährigen Berlinale feierte «Rara» nicht nur seine Premiere; San Martin durfte auch gleich den Grossen Preis der Jury in der Sparte «Generation K plus» entgegennehmen.

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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