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KINO: Sie füllt die Dunkelheit mit Licht

In «Ava» entdeckt ein Teenager durch eine Krankheit seine Sinnlichkeit. Die Aussenseitergeschichte, ­ ganz aus dem Blickwinkel der Hauptfigur erzählt, ist in die Farben und das Licht des Médoc getaucht.
Regina Grüter
Die einzelgängerische Ava (Noée Abita) wird zur Kriegerin. (Bild: Praesens)

Die einzelgängerische Ava (Noée Abita) wird zur Kriegerin. (Bild: Praesens)

Regina Grüter

regina.grueter@luzernerzeitung.ch

Ava (Noée Abita) hängt ein Blatt Papier an die Wand in ihrem Zimmer und malt mit schwarzer Farbe einen Kreis darauf. Die Fläche darum herum pinselt sie ebenfalls schwarz. In den nächsten Tagen wird sie das immer wieder tun, der Kreis wird immer kleiner und wird sich in absehbarer Zeit ganz schliessen.

«Retinitis pigmentosa» diagnostiziert der Arzt bei der 13-Jährigen, eine degenerative Augenerkrankung, deren Symptome der beschriebene Tunnelblick und Nachtblindheit sind.

Entschlossen, ihre Ängste ­ zu überwinden

Der Teenager lebt mit der Mutter Maud (Laure Calamy) und der kleinen Schwester im Médoc im Südwesten Frankreichs. Es sind Sommerferien. Maud will, dass es für Ava die zwei schönsten Wochen ihres Lebens werden, ist aber überfordert mit der Diagnose und zu sehr mit sich selber beschäftigt.

So verbringt Ava die Tage meist allein am Atlantikstrand, eigentlich zutiefst angewidert von den Fleischbergen und der Freizügigkeit der Mutter. In der Nacht leidet sie unter Albträumen. In ihr Tagebuch schreibt sie: «Ich habe den Eindruck zu verschwinden.» In ihrer Kindlichkeit entwickelt Ava eine erwachsene Entschlossenheit, ihre Ängste zu überwinden und sich ihrer Krankheit zu stellen. Es ist ein schwarzer Hund, der allein wie sie am Strand herumstreunt, der die Geschichte in eine andere Richtung lenkt. Er gehört Juan (Juan Cano), einem von der Polizei gesuchten Roma, der sich am Strand versteckt.

«Ava» ist der erste lange Spielfilm von Regisseurin und Drehbuchautorin Léa Mysius (28), und das ist junges Kino aus Frankreich, wie man es auf der grossen Leinwand sehen will: eigenständig, sinnlich, anders. Wie «De rouille et d’os» von Jacques Audiard oder «Grand Central» von Rebecca Zlotowski handelt es von Aussenseitern, von vom Glück wenig Begünstigten in einer von der grossen Politik vergessenen Region. Die Strände sind überfüllt, die Landstrassen leer. Sogar ein einsames Pferd findet sich da, mutterseelenallein am Strassenrand.

Roadmovie und ­Roma-Hochzeit

Mysius unterbricht die ­lineare Erzählung durch eine Albtraum-Sequenz, die Avas Ängste vor der erwachenden Sexualität und der unausweichlich näher rückenden kompletten Dunkelheit toll visualisiert. Und doch ist «Ava» kein düsterer Film. Das Coming-of-Age-Drama macht mit der Begegnung von Ava und Juan einen Turn zum Räuber-Roadmovie – und zur Liebesgeschichte. In der heiteren «Krieger-Sequenz» – gestaltet in Splitscreens und mit dem Song «She Ain’t A Child No More» unterlegt – rücken die beiden FKK-lern und Nacktwanderern mit einer Flinte zu Leibe und erbeuten Geld, Schnaps und Zigaretten. In der Folge wird ein Hochzeitspaar, Braut und Bräutigam, aus Zucker von der Hochzeitstorte geschossen – die Pistole ist ein Geschenk für die Braut.

Gedreht auf 35-mm-Filmmaterial, erhalten Licht und Farben eine stoffliche Qualität und führen Avas Angst, sie habe nur Hässlichkeit gesehen, ad absurdum. Ein wirklich wunderbarer Film mit umwerfend authentischen Hauptdarstellern, der in seiner Ästhetik an Filme von Rolando Colla erinnert.

Hinweis

«Ava» läuft im Bourbaki ­(Luzern). Der gestern besprochene Film «Trading Paradise» läuft im Stattkino Luzern (heute,18.30 Uhr, Vorstellung mit Regisseur) und ab Samstag im Kino Gotthard Zug. Dort läuft ebenfalls «Mary’s Land» (Kritik am Mittwoch).

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