Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

KINO: Sie spielte mit den Reichen

In «Molly’s Game», dem Regiedebüt des gefeierten Drehbuchautors Aaron Sorkin, legt sich Jessica Chastain als «Pokerprinzessin» mit der russischen Mafia und dem FBI an.
Irene Genhart
Molly Bloom (Jessica Chastain) organisiert illegale Pokerrunden. (Bild: PD)

Molly Bloom (Jessica Chastain) organisiert illegale Pokerrunden. (Bild: PD)

Irene Genhart

kultur@luzernerzeitung.ch

Fast ganz am Schluss von «Molly’s Game», taucht der von Kevin Costner gespielte Daddy auf. Es folgt diese eine versöhnliche ­Szene, auf die man gern verzichten würde, weil sie in wenigen Sätzen jovial küchentischpsychologisch (er-)klärt, was davor geheimnisvoll in Bann zieht: die komplexe Persönlichkeit der Titelheldin Molly Bloom, einer der schillerndsten Frauenfiguren, die das Kino kennt. Etwas vernied­lichend «Poker-Prinzessin» wird sie in den Medien jeweils gern genannt.

Doch das wird ihr ungerecht: Molly Bloom, 1978 in Loveland, Colorado, geboren, war, bis sie ein Unfall 2002 aus der Bahn warf, eine der besten Profi-Freestyle-Skifahrerinnen der USA. Einige Jahre später tauchte Bloom dann erneut in den Schlagzeilen auf. Als Veranstalterin hoch dotierter Untergrund-Pokerturniere, an denen sich Promis und namhafte Vertreter aus der Welt der Reichen und Schönen – Filmstars, Topsportler, Wirtschaftsbosse, Politiker – vergnügten. Bis sich die Russenmafia mit an die Tische setzte, lief alles rund.

Die Namen werden verschwiegen

Blooms Memoiren, 2014 erschienen, tragen den ellenlangen Titel «Molly’s Game: The True Story of the 26-Year-Old Woman Behind the Most Exclusive, High-Stakes Underground Poker Game in the World». Bloom verschweigt darin, wie im gegen sie ange­strebten Gerichtsprozess, weitest­gehend die Namen ihrer Kunden. So hält es auch Aaron Sorkin in «Molly’s Game»: ausser Bloom tragen alle Personen falsche ­Namen.

Das ist kein schlechter Trick. Denn auch wenn schnell klar wird, dass etwa mit Player-X-Spiderman-Darsteller Tobey Maguire gemeint sein muss, lenkt es nicht ab von dem, was «Molly’s Game» sein will und wirklich ist: weder Pokerfilm, noch Mafiathriller, auch kein Gerichtsfilm. Sondern das mit den Versatzstücken Ebengenannter spielende Porträt einer klugen, raffinierten, furchtbar ehrgeizigen, letztlich aber verblüffend ehrlichen und irgendwie auch ehrenwerten Frau.

Elektrisierende Leistung

Aaron Sorkin, man kennt ihn als versierten Autor von Filmen und TV-Serien wie «Steve Jobs», «Moneyball» und «The West Wing», lässt «Molly’s Game» mit Blooms Verhaftung im Jahr 2013 beginnen. Blooms schwierige ­Suche nach einem Anwalt, der sie vertreten würde, und die Gerichtsverhandlungen bilden die gegenwärtige Erzählebene, in welche sich Episoden aus der Vergangenheit – der Unfall, Blooms Zeit als Assistentin eines zwielichtigen Hollywood-Produzenten, durch den sie in die Pokerszene rutscht, ihre illegalen, stets in Nobelhotels anberaumten Pokerrunden in Los Angeles und später New York – anekdotenhaft einflechten.

Darüber legt sich aus dem Off Blooms Erzählung. Das macht diesen Film, der weitgehend von der elektrisierenden Leistung ­seiner grossartigen Hauptdarstellerin Jessica Chastain lebt, etwas unnötig schwatzhaft.

Doch das tut dem Kino-­Vergnügen keinen Abbruch: «Molly’s Game» ist ein hoch­gradig unterhaltsames Drama über ein Scheitern auf hohem Niveau.

Hinweis

Läuft in den Kinos Bourbaki und ­Capitol (Luzern), Cinema Leuzinger (Altdorf), Maxx (Emmen, Engelberg, Cinema 8 (Schöftland).

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.