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KINO: Sklavendrama mit realer Story

Nat Turner führte 1831 in Virginia einen Sklavenaufstand an. Die Geschichte des Sklaven und Predigers ­erzählt und spielt Nate Parker in «The Birth Of A Nation». Doch die eigene Vergangenheit wurde sein ­Verhängnis.
Barbara Munker (dpa)
Nate Parker (Mitte) spielt den Sklavenanführer Nat Turner mit der gleichen Leidenschaft, mit der er auch Regie geführt hat. (Bild: 20th Century Fox)

Nate Parker (Mitte) spielt den Sklavenanführer Nat Turner mit der gleichen Leidenschaft, mit der er auch Regie geführt hat. (Bild: 20th Century Fox)

Barbara Munker (DPA)

kultur@luzernerzeitung.ch

Lange Zeit war Nat Turner fast vergessen. Doch die Geschichte des schwarzen Sklaven und Predigers, der in den US-Südstaaten einen Aufstand anzettelte und dafür 1831 öffentlich gehängt wurde, ist faszinierend. Und historisch wichtig genug, um sie auf der Leinwand einem grösseren Kinopublikum vor Augen zu führen, befand auch der afroamerikanische Schauspieler Nate Parker. Sieben Jahre steckte er als Autor, Produzent und Hauptdarsteller in sein Spielfilm-Debüt und landete damit beim Sun­dance-Festival einen Hit. Denn «The Birth Of A Nation» war im Januar 2016 beim Independent-Filmfestival in Utah gleich doppelter Sieger, er gewann den Jury- und den Zuschauerpreis als bester Film. Führende Studios rissen sich um die Sundance-Sensation, am Ende zahlte Fox Searchlight eine Festival-Rekordsumme von mehr als 17 Millionen Dollar für die Rechte.

Vergewaltigungsvorwurf schadete kommerziell

Das Sklavendrama wurde schon als Oscar-Favorit gefeiert, als plötzlich ein Vergewaltigungsfall aus alten College-Tagen des ­Regisseurs und seines Co-Autors Jean Celestin zum Politikum wurde. Eine Studentin hatte die beiden Freunde 1999 wegen Vergewaltigung angezeigt. Parker wurde freigesprochen, Celestin in erster Instanz verurteilt, im Berufungsverfahren dann aber auch freigesprochen. Die Frau beging später Selbstmord. Eine hitzige Diskussion über sexuelle Übergriffe an Universitäten überschattete den US-Kinostart im vorigen Herbst – der Film floppte und ging bei den Oscar-Nominierungen gänzlich leer aus.

Damit verpasste Parker eine grosse Chance, seinen bewegend erzählten Film über ein düsteres Kapitel der US-Geschichte einem grösseren Publikum näherzubringen. Bei der Premiere hatte Parker erklärt, er wollte einen «Wandel» herbeiführen und Rassismus und Korruption aufdecken, die heute als Folge der Sklaverei noch verbreitet seien. Tatsächlich lebt «The Birth Of A Nation» von der Leidenschaft des Regisseurs für seinen Protagonisten, den er selber verkörpert.

Predigten für Gehorsam und Unterwürfigkeit

Nat Turner wächst als Sklave bei einer Südstaatenfamilie auf. Die Hausherrin erkennt seine Intelligenz, sie bringt ihm das Lesen bei, die Bibel ist allerdings die einzige erlaubte Lektüre. Turner wird zum Prediger, die schwarze Sklavengemeinde hängt an seinen Lippen. Sein Besitzer Samuel Turner (Armie Hammer) setzt das Talent in bare Münze um. Zusammen reisen sie zu Plantagen, wo der charismatische Nat geknechtete Sklaven mit seinen Predigen zu Gehorsam und Unterwürfigkeit ermuntern soll.

Dort wird Turner allerdings Zeuge von schweren Misshandlungen und brutaler Ausbeutung. Als seine eigene Frau Cherry von einer Bande weisser Männer vergewaltigt wird, schwört er Rache. Mit einem blutigen Aufstand will er die Schwarzen aus der Sklaverei führen.

Ähnlich wie es der britische ­Regisseur Steve McQueen in «12 ­Years A Slave» (2013) tat, führt Parker schonungslos grausame Szenen vor Augen. Das muss nicht immer rohe Gewalt sein. Die Brutalität der Sklaverei verkörpern auch spielende Mädchen, von denen das weisse Kind ein schwarzes an einem Strick tanzend hinter sich herzieht.

Den Titel «The Birth Of A ­Nation» hat Parker bewusst als Gegenstück zum gleichnamigen Stummfilm aus dem Jahr 1915 gewählt. Das rassistische Historienepos des Südstaatlers D. W. Griffith über den US-Bürgerkrieg ­verhalf damals der Rassistenorganisation Ku-Klux-Klan zu neuem Aufschwung. Gleichzeitig zählte der aufwendig gedrehte Monumentalfilm zu den kommerziell grössten Stummfilm-Erfolgen überhaupt.

Dem wollte Parker nun sein eigenes Werk entgegensetzen und eine Diskussion über Rassismus entfachen. Das hätte Nat Turners aufrüttelnde Geschichte tatsächlich verdient.

Bewertung: 4 von 5 Punkten

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