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KINO: «Soy Nero» – Kämpfen für den amerikanischen Pass

«Soy Nero» von Rafi Pitts erzählt von der Absurdität von Grenzen und Kriegen. Und er zeigt die Verlogenheit des «American Dream» auf.
Geri Krebs
Nero (Johnny Ortiz) im Irak-Krieg. (Bild: PD)

Nero (Johnny Ortiz) im Irak-Krieg. (Bild: PD)

Eine 3000 Kilometer lange Mauer will Donald Trump an der Südgrenze der USA bauen. Wie sich die Grenze zwischen Mexiko und den USA schon heute präsentiert, das zeigt eine der ersten Szenen von «Soy Nero»: Auf beiden Seiten des Pazifikstrandes zwischen Tijuana und San Diego spielen junge Männer ein groteskes Beachvolleyballspiel.

Hin und her, von Mexiko in die USA, fliegt ein Ball über die rund acht Meter hohe Grenzbefestigung, bestehend aus Metallpfählen, die sich bis weit ins Meer hinaus fortsetzen. Landeinwärts zieht sich die Sperranlage endlos als glitzerndes Band durch die Landschaft, um sich irgendwann in den Weiten der Wüste zu verlieren. Später dann sieht man junge Männer die Sperranlage in einer halsbrecherischen Kletteraktion überwinden. Scheinbar nichts damit zu tun hat aber die Eröffnungsszene, man sieht ein Soldatenbegräbnis auf einem amerikanischen Militärfriedhof.

Immerhin kann man den Worten des Militärs entnehmen, dass es sich beim Toten um einen mexikanischen Immigranten handelt, gefallen im Irak «beim Kampf für Freiheit und Demokratie». Und weil der Tote «unsere Werte mit dem Einsatz seines Lebens verteidigt hat», darf er nun «für immer und ewig» ein Bürger der USA sein.

«Dream Act» heisst sinnigerweise ein nach 9/11 eingeführtes Dekret der US-Administration, mit der Einwanderer die US-Staatsbürgerschaft erhalten können, nachdem sie in der US-Armee gedient haben. Der Begriff «Green Card Soldier» ist in diesem Zusammenhang populär geworden, und Regisseur Rafi Pitts versteht «Soy Nero» als Widmung an «alle Green Card Soldiers, die nach ihrem Dienst bei der US-Army wieder in ihre Heimat deportiert wurden».

Wahre Geschichte als Basis

«Soy Nero» basiert auf der wahren Geschichte des Mexikaners Daniel Torres. Dieser war als Kind illegaler Emigranten in die USA gekommen und ging 2007 als Soldat in den Krieg im Irak. Nach Beendigung seiner Dienstzeit wurde ihm die Einreise in die USA verweigert, weil man zwischenzeitlich entdeckt hatte, dass seine Geburtsurkunde gefälscht war. Daniel Torres lebt heute wieder in Mexiko, er stand Rafi Pitts als Berater bei «Soy Nero» zur Seite.

Dabei ist der Film aber das pure Gegenteil einer platten filmischen Nacherzählung, sondern vielmehr ein stark fragmentiertes, elliptisch erzähltes Filmkunstwerk über einen, der auszog, sein Glück zu finden, und der dabei vom Niemandsland der Wüste in ein anderes Niemandsland der Wüste gelangt.

Nero Maldonado (Johnny Ortiz) heisst der tragische Held, und nachdem er im Anschluss an die eingangs beschriebene Kletteraktion an der Grenze diese erfolgreich passiert hat, landet er nach einigen Irrungen in einer riesigen Villa in Beverly Hills. In der surrealistisch anmutenden Luxuswelt lebt sein Bruder Jesús – als Bediensteter, und nicht als Besitzer, wie Jesús dem kleinen Bruder eine geraume Zeit lang vorzuspielen vermag.

Absurdes Drama

Genau in der Mitte des zweistündigen Films scheint daraufhin ein anderer Film zu beginnen, wenn man eine Gruppe von fünf US-Soldaten sieht, die in der Hitze der irakischen Wüste neben einem zerschossenen Gebäude eine Strassensperre bewacht. War «Soy Nero» im ersten Teil eine Groteske über den «American Dream», wandelt der Film sich nun zu einem absurden Drama über «Americas Wars».

Dabei entbehrt es nicht der Ironie, dass es ein Regisseur aus dem Iran ist, der einen Film gemacht hat über jenen Krieg in Irans Nachbarland Irak, den ein Präsident der USA vor 13 Jahren leichtfertig entfesselt hat. Und in dem seit rund zwei Jahren die einstigen Todfeinde USA und Iran in einer unausgesprochenen Allianz im Kampf stehen, gegen eine Hydra namens IS, entstanden überhaupt erst durch jenen Krieg, der einst von den USA vom Zaun gebrochen wurde.

Bewertung: 5 von 5 Sternen

Geri Krebs

«Soy Nero» läuft im Kino Bourbaki (Luzern).

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