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KINO: Spannungen und Spannung

In «Drei Zinnen» erzählt Regisseur Jan Zabeil die Geschichte einer Patchworkfamilie. Und zeigt dabei schonungslos die Schwierigkeiten auf.
André Wesche
Aaron (Alexander Fehling, rechts) versucht Tristans (Arian Montgomery) Zuneigung zu gewinnen. (Bild: PD)

Aaron (Alexander Fehling, rechts) versucht Tristans (Arian Montgomery) Zuneigung zu gewinnen. (Bild: PD)

André Wesche

kultur@luzernerzeitung.ch

Wenn ein Paar getrennte Wege beschreitet, sind die Kinder immer die Leidtragenden. Auch die Französin Lea (Bérénice Bejo) ist nicht mehr mit dem leiblichen Vater ihres Kindes Tristan (Arian Montgomery) zusammen. Die junge Frau schenkt jetzt dem Deutschen Aaron (Alexander Fehling) ihre Liebe, mit dem sie eine gemeinsame Zukunft in ­Paris plant.

Tristan, der noch sehr an seinem Vater hängt, ist von dieser Aussicht natürlich wenig begeistert, auch wenn er sich mit dem neuen Mann an Mamas Seite gut versteht. Um den grossen Schritt vorzubereiten, unternimmt das Trio einen gemeinsamen Urlaub in der idyllischen Einsamkeit der Dolomiten.

Dichter Nebel zieht auf

Aaron gibt sich wirklich grosse Mühe, Tristans dauerhafte Zuneigung zu gewinnen. Tatsächlich nähern sich die beiden auf Spaziergängen oder beim gemeinsamen Musizieren immer weiter an. Der Junge ist leicht zu mögen, vielseitig interessiert und begeisterungsfähig. Und Aaron ist richtig glücklich, wenn ihn Tristan auf einem Ausflug plötzlich «Papa» nennt.

Mit harmlosen Streichen oder kindlicher Bockigkeit kann er aber weniger gut umgehen. Der leibliche Vater bleibt doch immer im Leben des Kindes präsent, nicht zuletzt durch das Mobiltelefon, das er seinem Sohn heimlich mitgegeben hat und das nun in regelmässigen Abständen klingelt.

Dass Lea gar nicht will, dass er zu einer Vaterfigur für ihren Sohn wird, irritiert Aaron noch zusätzlich. Erste Spannungen treten zu Tage, und Aaron reagiert sich mit körperlicher Arbeit ab. Dann verschwindet das Kind auf einer Bergtour. Dichter Nebel zieht auf.

Regisseur und Autor Jan ­Zabeil («Der Fluss war einst ein Mensch») analysiert in «Drei Zinnen» die schwierige Situation einer neuen Beziehung mit der «Altlast» Kind. Die ersten beiden Drittel des Filmes vergehen ­weitgehend unspektakulär, doch trotzdem fesselnd, bei tiefgründigen Gesprächen oder authentischen familiären Momenten.

Plötzlich geht es ums nackte Überleben

Der Film schlägt sich zu keiner Zeit auf eine Seite, die Sicht jeder Partei auf die Situation bleibt nachvollziehbar. Und selbst im sehr spannenden letzten Drittel, in dem es dann ums nackte Überleben geht, rücken die Alltags­probleme nur scheinbar in den Hintergrund.

Neuentdeckung Arian Montgomery liefert als Tristan eine ideale Projektionsfläche für die Darstellung der familiären Zerrissenheit, gerade indem er sich so stark zurücknimmt. Alexander Fehling und Bérénice Bejo («The Artist») schaffen etliche sehr intime und glaubwürdige Szenen.

Ein eindrücklicher Film, der Paaren in einer ähnlichen ­Situa- tion aus dem Herzen sprechen wird. Aber auch Aussenstehen- de werden durch die ruhigen Bilder und die spannende Geschichte berührt und gut unterhalten.

Hinweis

«Drei Zinnen» läuft im Kino Bourbaki (Luzern).

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