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KINO: Starke Muskeln – aber schwache Story

Lange lebte das einstige Dschungel-Findelkind in Europa, so richtig glücklich wurde Tarzan da nicht. Ein Film zeigt nun in umwerfender 3-D-Optik seine Rückkehr.
Wolf von Dewitz, dpa
Alexander Skarsgård trägt dazu bei, dass der neue Tarzan-Film zumindest visuell überzeugt. (Bild: PD)

Alexander Skarsgård trägt dazu bei, dass der neue Tarzan-Film zumindest visuell überzeugt. (Bild: PD)

Wolf von Dewitz, dpa

Tarzan-Filme haben ein Problem: Sie laufen immer Gefahr in eine unfreiwillige Komik abzudriften. Beschnuppert der Held mal wieder andere, tierische Dschungelbewohner oder schwingt er bei Urwald-Gejodel seine Lianen, droht trotz dramatischen Tamtams schnell Gelächter.

Filmemacher gehen damit unterschiedlich um. Die Tarzan-Version «George – Der aus dem Dschungel kam» (1997) etwa machte aus der Not eine Tugend – der ganze Film wurde zur Komödie. In Zeichentrickfilmen ist das Problem zwar insofern entschärft, als die Darstellung ohnehin entfremdet ist. In «The Legend of Tarzan» machen die Filmemacher nun aber ernst: Sie setzen ganz auf dramatischen Kitsch.

Tarzan hätte eine Affenfreude

Die Story setzt da ein, wo die meisten Tarzan-Filme enden: Der Urwaldexperte ist nach seiner Dschungel-Zeit nach Europa heimgekehrt, wo er als junger englischer Lord ein eher unglückliches Dasein fristet. Es ist kalt, es regnet, Tarzan alias Lord Greystoke blickt wortkarg und traurig umher.

Auf Einladung des belgischen Königs soll er dorthin zurückkehren, wo er einst aufwuchs: nach Afrika. Zunächst ziert er sich, dann bricht er doch noch auf. Zur Begrüssung herzt er freudig eine Löwin, die in der Steppe lauert. «Eine alte Freundin», heisst es. Es soll nicht das einzige Mal bleiben, dass Tarzan seine Dschungelnachbarn aus Kindheit und Jugend knuddelt. «Er ist kein normaler Mann», ist eine Erzählerstimme zu hören. «Er ist Tarzan.»

Keine Frage: Tarzan ist grossartiger Kinostoff. Der Mensch, die Wildnis, der Kampf zwischen Gut und Böse. Die Hollywood-Crew um Produzenten-Haudegen Jerry Weintraub («Ocean’s Eleven») und «Harry Potter»-Regisseur David Yates greift tief in die Trickkiste. Die rasanten Kamerafahrten durch den Dschungel und über Klippen hinweg bieten dem Zuschauer einen deutlichen Mehrwert durch die 3-D-Optik.

An Tieren wird alles geboten, von Elefanten, Nilpferden über Raubkatzen hin zu jeder Menge Gorillas – die Animationen sind in diesen Szenen umwerfend. Sässe Tarzan selber im Publikum, er hätte wahrlich eine Affenfreude.

Simpel konstruierte Falle

Indes dürften in den Kinosesseln eher Menschen mit beschränkter Wildniserfahrung sitzen, die neben der Tieroptik auch so etwas wie eine schlüssige Story erwarten. Daran hapert es. Die Intrige, mit der Tarzan in die Falle gelockt wird, ist zu simpel konstruiert. Dass dann seine Jane entführt und Tarzan samt erstaunlich konditionsstarken Begleitern durch den Dschungel hetzt, ist ebenso erwartbar wie abgedroschen.

Die Figur eines US-Revolverhelden, der sich Tarzan zur Seite stellt im Kampf gegen Sklaverei, ist wohl als Bindeglied zum US-Publikum gedacht. Samuel L. Jackson («Pulp Fiction») hat schon bessere Zeiten gesehen in seiner Laufbahn.

Christoph Waltz wiederum mimt wie oft seit «Inglourious Basterds» den Oberbösewicht. Doch die Fiesling-Figur bleibt flach. Dass Waltz ihr mit seiner larmoyanten Lässigkeit dennoch etwas Leben einhaucht, ist eine Leistung.

Schwedischer Tarzan

Als Tarzan wiederum ist der Schwede Alexander Skarsgård zu sehen, der sich bisher nur in TV-Serien hervortat («True Blood»). Er tut sein Bestes, was heisst: Lianen schwingen und seine Jane (Margot Robbie, «The Wolf of Wall Street») anschmachten. Auch sein durchtrainierter Körper, der bei den vielen Kämpfen einiges einstecken muss, kann sich sehen lassen. Dennoch bleibt sein Tarzan blass – und auch die technischen Effekte können letztendlich nicht allein die dünne Geschichte retten.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Hinweis

«The Legend of Tarzan» startet in den Kinos Capitol (Luzern), MaxX (Emmen), Engelberg, Lux (Baar), Cinema 8 (Schöftland), Cinepol (Sins) und Seehof (Zug).

Trailer zu allen aktuellen Kinofilmen finden Sie unter: www.luzernerzeitung.ch/kino

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