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KINO: Tag und Nacht auf dem Köhlerplatz

Im Entlebuch lebt eine uralte Handwerkstradition, ausgeübt in enger Verbindung mit der Natur. Nach der Vorpremiere vom Sonntag läuft «Köhlernächte» des Luzerners Robert Müller morgen in den Kinos an.
Regina Grüter
Spätestens, wenn Fränz Röösli die perfekte Holzkohle in Händen hält, waren die Anspannung und die einsame Arbeit am Meiler jede Mühe wert. Bald ist es so weit. (Bild: Filmcoopi)

Spätestens, wenn Fränz Röösli die perfekte Holzkohle in Händen hält, waren die Anspannung und die einsame Arbeit am Meiler jede Mühe wert. Bald ist es so weit. (Bild: Filmcoopi)

Regina Grüter

regina.grueter@luzernerzeitung.ch

Die Säcke werden in den Lastwagen geladen und zum Verkauf in den Laden gefahren. 80 bis 100 Tonnen Holzkohle jährlich stellen die Köhler im luzernischen Entlebuch her. Sie sind die Letzten in Westeuropa, die die Meilerköhlerei gewerbsmässig ausüben.

Seit frühster Kindheit davon fasziniert, geht der Luzerner Robert Müller dem uralten Handwerk in «Köhlernächte» auf den Grund. Mit einem exzellenten Team schafft der Künstler, Filmemacher und Dozent an der Hochschule Luzern – Design & Kunst einen Kinofilm, der weit über Wissensvermittlung hinausgeht.

Es ist eine Arbeit und eine Leidenschaft, für die die Bauern kaum mehr Zeit haben. Hoffnung macht der zwölfjährige Lukas Thalmann, der seinem Vater beim Köhlern zugeschaut hat und nun seinen ersten «Haufen» in Angriff nimmt. Mit dem Traktor fährt er den zum Schlafplatz hergerichteten alten Wohnwagen zum Köhlerplatz, wo er den grössten Teil seiner Sommerferien verbringen wird. Erst die Tage, dann auch die Nächte. Mit Rat und Tat zur Seite steht ihm der 76-jährige Willi Röösli.

Mensch und Arbeit, ­eingebettet in die Landschaft

Fränz Röösli geht gegen die siebzig und macht sich abermals an den zeit- und kraftintensiven Aufbau des Haufens. Das Holz dafür hat er im Winter in den Wäldern von Bramboden geschlagen. Der Verkohlungsprozess wird ihm wieder alles abfordern. Zwei bis drei Wochen dauert er, die erste Zeit muss man alle zweieinhalb bis drei Stunden nach dem Rechten sehen. Auf Unwägbarkeiten reagiert er mitunter mit heftigem Fluchen, etwa wenn der Föhn, «dä verfluechtnig Chröppu», den Rauch abdrückt. Das Vorpremierenpublikum bezeugt lachend seine Sympathie.

Die Informationen kommen immer genau im richtigen Moment, nämlich dann, wenn man sich fragt: Wieso machen sie das jetzt? Die ruhige Kamera und der fliessende Schnitt betten Mensch und Arbeit in die Landschaft ein, zeigen aber auch den Gummistiefel, der die äusserste Schicht um den Meiler feststampft. Insbesondere die Nachtaufnahmen sind hervorragend. Zusammen mit der Musik von Fritz Hauser, die fast gänzlich aus Geräuschen konzipiert wurde, führt das zu magischen Momenten: Funken, die sich durch Löcher im Haufen den Weg nach aussen bahnen wie Sterne am Nachthimmel, Fränz, der, auf dem Meiler stehend, ganz im Rauch verschwindet. Filmkunst und Kunsthandwerk beflügeln sich gegenseitig.

Nach rund fünf Wochen wird die Holzkohle abgefüllt, die Säcke zugeschnürt, wie man es schon in Alice Schmids «Das Mädchen vom Änziloch» gesehen hat. Heuer gibt es einen Batzen mehr, 1.80 statt 1.70 Franken. Der Kreis schliesst sich.

Für die Köhler ist es ­ «ihr Film»

Die Köhler sind stolz, wie sie da nach der Vorpremiere vorne stehen. Präsident Willi Renggli bedankt sich im Namen aller beim Regisseur, dass «du diesen Film für uns gemacht hast», und überreicht ihm ein Faserpelzgilet mit Vereinsaufdruck. Damit alle sehen: Er ist einer von ihnen. Dass die Köhler sich derart mit dem Film identifizieren, ist wohl das grösste Geschenk für Robi Müller.

Hinweis

Premiere: morgen, 18 Uhr, Kino Bourbaki (Luzern), in Anwesenheit des Regisseurs und der Protagonisten. Weitere Kinos siehe links.

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