KINO: «Truth» – eine etwas einseitige Rehabilitation von Journalisten

«Truth» behandelt einen Skandal: 2004 musste Journalist Dan Rather nach einer Story gegen George W. Bush die Moderation der beliebtesten US-News-Sendung abgeben. Der Film bezieht klar Stellung.

Drucken
Teilen
Robert Redford und Cate Blanchett glänzen in einem sonst zwiespältigen Film.

Robert Redford und Cate Blanchett glänzen in einem sonst zwiespältigen Film.

Die Trailer zu den aktuellen Filmen finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/kino

Eigentlich könnten die Zeiten für das Journalismusdrama «Truth» nicht besser sein: Landauf, landab wird die Rolle der Medien in der Gesellschaft diskutiert, auch mit zehn Jahren Abstand ist der frühere US-Präsident George W. Bush nicht gerade beliebt – und mit Robert Redford und Cate Blanchett bietet der Film zwei Stars, die Kunst und Kommerz hervorragend verbinden.

Im Schatten eines anderen Films

Doch dem Erfolg des Films über einen in den USA noch gut bekannten Medienskandal steht etwas im Weg: dieser «andere» Journalismusfilm der Saison. Der, den alle schon gesehen haben. «Spotlight» startete in den USA vergangenen Herbst drei Wochen nach «Truth», hatte aber schon früh die deutlich bessere Mundpropaganda.

Bei den Oscars im Februar schliesslich gewann «Spotlight» den Preis als bester Film des Jahres. Der Konkurrent «Truth» hat das Rennen trotz passabler Qualitäten verloren. Vielleicht ein Grund, warum sich der Verleih mit dem Start hierzulande etwas mehr Zeit liess.

Erst Coup, dann Flop

Nun wird also erst jetzt die Geschichte eines der grössten US-Medienskandale der vergangenen zwanzig Jahre nacherzählt. Dan Rather (Redford) war als Moderator der wöchentlichen Investigativ-Sendung «60 Minutes» in den USA über Jahrzehnte eine Institution. Im Jahr 2004 hatte Rather im Präsidentschaftswahlkampf zwischen George W. Bush und John Kerry einen Bericht seiner Redakteurin Mary Mapes (Blanchett) in der Sendung. Darin erhoben die Reporter die Anschuldigung, dass sich Bush vor der Einberufung in den Vietnamkrieg gedrückt habe. Stattdessen habe er bei der texanischen Nationalgarde unterschrieben – und sei dort monatelang nie persönlich erschienen.

Zunächst sah das nach einem Coup für die Journalisten aus, doch schnell erwiesen sich die Quellen als weit wackliger als angenommen. Mapes wurde gefeuert, Rather trat zurück, CBS entschuldigte sich.

Hohelied auf Reporter

Der Film ist also keine übliche Heldengeschichte, sondern versucht stattdessen, die Erinnerung an die Journalisten geradezurücken. Nicht deren fehlende Recherche, sondern einer der ersten Internetmobs in der Online-Geschichte und eine mutmassliche Vertuschungskampagne der Regierung bringt die beiden Stars zu Fall.

Regisseur James Vanderbilt bezieht deutlich Stellung und verwendet viel Zeit für ein Hohelied auf ehrwürdige Reporterarbeit. Als Rather sich einmal mit einem jungen Kollegen unterhält, fragt ihn dieser, warum er mit Journalismus angefangen habe. «Neugier», antwortet Rather. «Und warum haben Sie angefangen?» Der junge Kollege schaut entrückt: «Ihretwegen.»

Und so entwickelt der Film Punkt für Punkt die Verteidigung der beiden, bis Mapes in einer dramatischen Schlussszene beklagen darf, was alles falsch läuft in den Medien. «Alle zeigen mit dem Finger auf andere und schreien herum», heisst es in einer Szene. «Und sie hoffen, dass die Wahrheit irgendwo entlang des Weges verloren geht.»

Parteiisch

Das mag korrekt sein, ist aber in seiner Entschiedenheit und im predigenden Ton etwas ärgerlich. Verwundern sollte die etwas einseitige Sichtweise indes nicht, schliesslich basiert das von Vanderbilt geschriebene Drehbuch auf einer Biografie der echten Mary Mapes. Hinzu kommt, dass der Film es Schweizer Zuschauern nicht gerade leicht macht. Es wird vorausgesetzt, dass die Kinogänger die kulturelle Bedeutung der handelnden Figuren kennen.

Gewohnt hochklassig sind jedoch die schauspielerischen Leistungen, sodass der Film durchaus für Interessierte eine Ergänzung im bestehenden Kanon der Journalismusfilme ist. An die präzise und differenzierte Qualität von «Spotlight» reicht er nicht heran.

Bewertung: 3 von 5 Sternen

Christian Fahrenbach, dpa

Hinweis

«Truth» startet in den Kinos Bourbaki (Luzern), Maxx (Emmenbrücke) und Engelberg.