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KINO: Tunesischer Frühling ganz privat

Schon bald wird Hedis Hochzeit gefeiert. Da verliebt sich der Tunesier zum ersten Mal – die Auserwählte ist allerdings nicht seine Braut. «Inhebek Hedi» ist ein Drama über ein Land im Aufbruch.
Elke Vogel/dpa
Hedi (Majd Mastoura) lebt sein Leben als braver Sohn. (Bild: Xenix)

Hedi (Majd Mastoura) lebt sein Leben als braver Sohn. (Bild: Xenix)

Die Tradition ist für Hedi zur Falle geworden. Der junge Tunesier führt ein von Familie und Gesellschaft streng reglementiertes ­Leben. Jetzt steht Hedis Hochzeit an – arrangiert von der übereifrigen und fordernden Mutter.

Der unscheinbare, zurückhaltende Hedi – dessen Namen «ruhig» bedeutet – lässt das alles über sich ergehen, ohne die Situation gross zu hinterfragen. Doch dann begegnet Hedi der emanzipierten Rim und beginnt zum ersten Mal über die Option des Aufbegehrens nachzudenken.

Regisseur Mohamed Ben Attia zieht eine Parallele zwischen der Reise von Hedi zu sich selbst und dem Aufbruch seines Landes im Arabischen Frühling. So ist «Inhebek Hedi» zwar eine Liebes- und Emanzipationsgeschichte, aber gleichzeitig auch ein politischer Film über die Freiheit. Als Porträt seines Landes bezeichnet der Regisseur sein Werk, das bei der diesjährigen Berlinale als bester Erstlingsfilm ausgezeichnet wurde.

Auch Hedi-Darsteller Majd Mastoura ist preisgekrönt. Für die Titelrolle in der ergreifenden Emanzipationsgeschichte erhielt er den Silbernen Bären als bester Schauspieler. Mastouras sensibles Spiel weitet das geschickt konstruierte private Drama zu einem facettenreichen Bild der gesamten tunesischen Gesellschaft.

Den Blick oft nach unten gerichtet

Hedi lebt sein Leben als braver Sohn und wenig charismatischer Vertreter einer Autofirma im unauffälligen Anzug und mit sparsamen Gesten. Sein Blick ist oft nach unten gerichtet – in einer Mischung aus Ratlosigkeit und Resignation. Lediglich beim Zeichnen seiner geliebten Comics voller Fabelwesen traut er sich das Träumen zu.

Wenige Tage vor seiner Hochzeit wird Hedi von seinem Arbeitgeber in einen Küstenort geschickt, um dort neue Kunden zu gewinnen. Mit seinem ziemlich überschaubaren Engagement kommt Hedi dabei allerdings nicht wirklich auf einen grünen Zweig – und verbringt den Tag dann jeweils auch lieber am schönen Hotelstrand. Dort lernt er die Animateurin Rim kennen, eine zielstrebige, lebenslustige Frau. Ihr ist es ganz offensichtlich gelungen, sich aus den Fesseln der Tradition zu befreien und sich eigene Werte zu schaffen.

Geschichte eines inneren Zwiespalts

Hedi und Rim werden ein Liebespaar. Doch haben sie auch wirklich eine gemeinsame Zukunft? Kann Hedi jetzt noch den ihm vorbestimmten Weg verlassen? Und vor allem: Hat er den Mut, gegen seine Mutter aufzubegehren?

Die ruhige Kameraführung entspricht Hedis zurückhaltendem Charakter. Gleichzeitig ermöglicht die langsame und behutsame Erzählweise dem Zuschauer, die anfängliche emotionale Starre von Hedi sehr gut nachzuvollziehen – ein Gefühlsvakuum, aus dem ihn erst die zupackende Rim befreit.

Hedis Veränderung spiegelt sich dann auch in seinem Äusseren: Nicht mehr ein lustloser junger Mensch blickt uns an, sondern ein aufmerksamer, attraktiver und dem Leben zugewandter Mann.

«Inhebek Hedi» ist die Geschichte eines Zwiespalts – zwischen Tradition und Aufbruch. Sehr überzeugend inszeniert und gespielt. Ein sanft melancholischer Film, der berührt und nachdenklich macht.

Elke Vogel/DPA
kultur@luzernerzeitung.ch

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