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KINO: «Unser Kongo bringt es noch zu etwas»

Im preisgekrönten Sozialdrama «Félicité» von Alain Gomis kämpft eine alleinerziehende Mutter um das Leben ihres Sohnes und um ihre Würde.
Véro Tshanda Beya Mputu spielt die Titelheldin Félicité. (Bild: PD)

Véro Tshanda Beya Mputu spielt die Titelheldin Félicité. (Bild: PD)

«Made in RDC» liest man auf dem Ampelroboter, der auf einer Strassenkreuzung im Zentrum Kinshasas steht. Der Blechpolizist regelt den Verkehr in der Hauptstadt – RDC steht für République Démocratique Congolais. Chauffeur Tabu, der das Mietauto am Ungetüm vorbeisteuert, ist begeistert: «Der Roboter wurde im Kongo gebaut, unser Kongo bringt es noch zu etwas – wie ich auch». Die Begeisterung von Félicité, seiner Beifahrerin, hält sich indes in Grenzen; sie schweigt und schaut mit einer Mischung aus Trotz und Traurigkeit auf die Strasse.

Die Szene findet sich ziemlich genau in der Mitte von «Félicité», und Grund genug zu Traurigkeit hat die Titelheldin – grandios gespielt von Véro Tshanda Beya Mputu in ihrer ersten Filmrolle. Auf dem Rücksitz liegt ihr von einem Motorradunfall schwer verletzter 14-jähriger Sohn Samo. Er hatte einige Tage in einem Spital gelegen, doch das Geld für eine dringend notwendige Operation hatte die Frau nicht auftreiben können. Sie hat als Sängerin in einem Musikclub zwar ein regelmässiges, aber karges Einkommen. Jetzt erübrigt sich die Operation, Samo wird behindert bleiben. Man hat Félicité, die in der ersten Stunde von Alain Gomis’ Drama rastlos durch Kinshasa geeilt war, als Persönlichkeit erlebt, die sich von niemandem in die Suppe spucken lässt. Doch Félicités Geldsuche war umsonst.

Die Traurigkeit und die Kraft der Musik

Es ist eine kaltherzige, von Armut, Korruption und Habgier zerfressene Gesellschaft, die hier vermittelt wird. «Félicité» gibt uns westlichen Zuschauern Einblick in eine Welt, die man so direkt noch nie von einem Regisseur gesehen hat, der von dort stammt. Doch es gibt auch eine andere Seite dieser Welt. Die Musik steht dafür und Tabu. Wenn Félicité im Club mit der Band Kasai All Stars auf der Bühne steht und zu den hypnotischen Klängen und Rhythmen dieser in Kongo populären Formation singt. Sie geht dann völlig auf in einer Welt, die der Film auf einer imaginären Ebene fortsetzt. Wenn er in kurzen Einschüben Félicité nachts in einem weissen Kleid einen tropischen Wald durchstreifen lässt.

Und dann ist da der korpulente Tabu; ein Herumhänger, Trinker und Frauenheld, der in seiner Umwerbung von Félicité nicht locker lässt. Sie hatte ihn zum Reparieren ihres Kühlschrankes engagiert, doch das dauert den ganzen Film lang. Der feiert bei aller Traurigkeit nichts weniger als das Leben und die Willensstärke einer afrikanischen «Maman».

Geri Krebs

«Félicité» läuft in den Kinos Bourbaki (Luzern) und Gotthard (Zug).

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